Cottbus

Farbwelten – von Monet bis Yves Klein

Max Slevogt: Parkansicht. Foto: Kunstmuseum Dieselkraftwerk

Industrie-Idylle zwischen Amtsteich und Goethepark – das Museum von Cottbus ist ein architektonisches Kleinod. Es zeigt «Farbwelten» aus Krefeld: Meisterwerke von Monet bis Yves Klein.

Zugreisende bekommen am Bahnhof von Cottbus einen Schnellkurs in sowjetischer Stadtplanung: Rechts Bürokolosse und sechsspurige Ausfallstraßen, links zernagte Altbauten und Gleis-Gewirr. Darüber schwingt sich elegant eine Brücke mit Panoramablick: Auf Plattenbauten und Gründerzeit-Straßenzüge, dazwischen der restaurierte Altmarkt und das schöne Stadttheater im Jugendstil.

 

Info

Farbwelten – von Monet bis Yves Klein: Werke der klassischen Moderne aus den Kunstmuseen Krefeld

 

15.08.2010 – 24.10.2010

im Kunstmuseum Dieselkraftwerk,
Am Amtsteich 15, Cottbus

 

Weitere Informationen

Mitten in diesem zusammengewürfelten Zentrum findet sich eine Idylle, die lauschiger kaum sein könnte. Auf der Mühleninsel kauern kleine Fachwerkhäuser – Zeugnisse aus der Zeit, als die Spree noch Mühlenräder antrieb. Sie umringen ein monumentales Industriedenkmal: Das Dieselkraftwerk, 1928 im Stil des norddeutschen Backsteinexpressionismus errichtet. Es steht direkt am Amtsteich, der ihm die Adresse gibt, und grenzt an den Goethepark.

 

Campanile für das Kraftwerk

 

Damit das Kraftwerk in dieses Ensemble passt, hat Architekt Werner Issel seine Fassade aufwändig gegliedert und gestaltet: rotviolette Klinker aus lokaler Herstellung, feuerrote Rahmen und Leisten, himmelblaue Türen. Sogar einen schlanken Campanile hat Issel dem Bau spendiert; der Turm enthält ein Treppenhaus. Bereits 1959 wurde das Kraftwerk abgeschaltet, doch wegen anderweitiger Nutzung blieb das Schmuckstück erhalten.


Impressionen der Ausstellung


 

Lastenaufzüge für Besucher-Gruppen

 

Einer Bürgerinitiative ist zu verdanken, dass es nun ein Museum beherbergt: Sie regte vor rund zehn Jahren an, in dem mittlerweile leer stehende Gebäude die erst 1977 begründete Kunstsammlung von Cottbus unterzubringen. Mit EU-Mitteln wurde das Haus dafür umgestaltet. Und die Einbauten fügen sich in seltener Harmonie in das Umfeld ein.

 

Von einem Glasdach überspannt, dient der frühere Werkhof jetzt als Foyer. Drei frei stehende Betonkuben in der ehemaligen Maschinenhalle bieten optimale Bedingungen für Sonderausstellungen. Um sie herum blieb die Original-Ausstattung erhalten: Türkis geflieste Wände, die in allen Schattierungen schillern. Lastenaufzüge, deren enorme Ausmaße ihre frühere Bestimmung verraten – sie können ganze Besucher-Gruppen auf einmal befördern.

 

Meisterwerke-Tournee aus Krefeld

 

Derzeit werden im Museum Meisterwerke aus Krefeld gezeigt. Das dortige Kaiser-Wilhelm-Museum wird bis Mitte 2011 umgebaut und hat die besten Stücke seiner Sammlung auf Deutschland-Tournee geschickt. Krefeld an der West- und Cottbus an der Ostgrenze liegen 664 Kilometer voneinander entfernt: Weiter geht in der Bundesrepublik nicht. Doch die rund 50 Leihgaben passen so vorzüglich in die Ausstellungssäle, als seien sie hier beheimatet.

 

Zumal die Kuratoren sich nicht mit einem Potpourri begnügen, sondern unter dem Titel «Farbwelten» aufzeigen, wie sich die Farbbehandlung in der Moderne verändert. Von der dunstigen Atmosphäre in Claude Monets Ansicht des Westminster-Parlaments leiten sie rasch über zur gedeckten Palette deutscher Impressionisten – grandios die ganz in wirbelnde Lichtreflexe aufgelöste «Parklandschaft» von Max Slevogt.

 

Expressionisten sind gut vertreten

 

Auch die Expressionisten sind gut vertreten. Zwei ähnliche Motive von Erich Heckel und Karl Schmidt-Rotluff erlauben den direkten Vergleich: Heckel malt seine «Badenden» als freizügige Naturwesen, Schmidt-Rotluff seine «Frauen am Meer» als verschlossene Fremdlinge. Neben diesen hochkarätigen Werken fallen die Beispiele von Zeitgenossen aus der rheinischen Kunstszene wie Campendonk, Jansen und Nauen qualitativ etwas ab.

 

Dagegen sind von Christian Rohlfs zwei herrliche Aquarelle zu sehen: «Krug mit Bauernrosen» und «Abendlandschaft» erinnern in ihrem delikaten Farbauftrag und ihrer radikalen Flächigkeit an chinesische Tuschemalerei. Andere große Namen überraschen mit eher atypischen Arbeiten: Max Ernsts «Grünes Meer» von 1925 ist eine erste zarte Annäherung an seine Frottage-Technik, Jawlenskys «Abstrakter Kopf» von 1929 fast schon konstruktivistisch.

 

West-östliches Museums-Joint-Venture

 

Die Reduzierung auf reine Farben und geometrische Grundformen bei Moholy-Nagy und Mondrian schließt die Schau dann mit der Infragestellung des Bildes in der Nachkriegszeit kurz. Bei Yves Klein feiert es die Apotheose der Farbe, bevor es bei Fontana und Manzoni implodiert. Schließlich gibt Antoni Tapiès die Autorschaft des Malers preis.

 

Sein Kreide-Kalk-Sand-Gemisch im «Weißen Oval» von 1957 bildet beim Trocknen ein dichtes Craquelé; die Farbe schafft sich ihre eigene Form. Nicht das Ende der Malerei, wohl aber dieser Theorie-Tradition. So bietet die Ausstellung einen gelungenen Schnellkurs in Modernität – als west-östliches Museums-Joint-Venture.


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