Klosterneuburg bei Wien

Schönes Klosterneuburg

Franz Ringel: Die Spanierin, 1981, Acryl-Mischtechnik auf Leinwand, 200 x 170 cm. Foto: Archiv Sammlung Essl

Der Künstler als Kurator: Albert Oehlen hat aus der Sammlung Essl 40 Werke ausgewählt und nach Gusto ins Museum gehängt. Entstanden sind spannungsvolle Kontraste zwischen meist abstrakten Arbeiten.

Seit seinen Anfängen als «Neuer Wilder» sitzt Albert Oehlen der Schalk im Nacken. Er nennt seine Malerei «postungegenständlich» und tauft ein Bild schon mal «Selbstporträt mit verschissener Unterhose und blauer Mauritius». Auch im Essl Museum treibt er Schabernack.

 

Info

Schönes Klosterneuburg -

Albert Oehlen hängt Bilder der Sammlung Essl

 

10.09.2010 – 08.05.2011
täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr

im  Essl Museum, An der Donau-Au 1, Klosterneuburg bei Wien

 

Weitere Informationen

«Schönes Klosterneuburg» ist die Ausstellung betitelt – als sei sie ein Bildband über das nahe Stift Klosterneuburg, einer der schönsten Barockbauten Österreichs. Doch Oehlen bezeichnet so seine Auswahl aus der Sammlung Essl, der mit rund 6000 Werken wohl größten Privatsammlung im Land.

 

Das rechte Auge ausreißen

 

Als Motto benutzt er eine Bibelstelle: «Und wenn dich dein Auge ärgert, so reiße es aus». Schlawiner Oehlen zitiert arg verkürzt. Matthäus 5,29 lautet bei Luther wörtlich: «Wenn Dich aber Dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiße es aus und wirf´s von Dir» – um einem Ehebruch vorzubeugen.


Impressionen der Ausstellung


 

Grandiose österreichische Pop-Art

 

Zur Selbstverstümmelung besteht kein Anlass. Grandios die vier frühen Bilder des österreichischen Pop-Artisten Christian Ludwig Attersee: Seine surreal-bunten Tortenstücke, Suppenkellen und Hunde-BHs haben an Frische nicht verloren.

 

Ebenso überrascht der vielgeschmähte Friedensreich Hundertwasser mit drei Gemälden aus den 1950ern ohne Kitsch-Hautgout. Sie harmonieren nicht nur mit einer Alu-Scheibe von Anish Kapoor, die ihre Farbe je nach Blickwinkel ändert, sondern auch mit duftigen Abstraktionen von Wolfgang Hollegha.

 

Besser kuratieren als kalauern

 

Nur Oehlens «Entdeckung» Martha Jungwirth enttäuscht: Ihre gestischen Kritzeleien in Öl wirken beliebig. Auch zwei banale Bilder von Oehlens Lehrer Sigmar Polke und ein Drei-Meter-Mann von Georg Baselitz können qualitativ nicht mithalten.

 

Oehlen hat eine in sich schlüssige Schau komponiert, die dem genius loci Tribut zollt und spannende Entdeckungen erlaubt. Er mag so viel kalauern, wie er will – vom Kuratieren versteht er etwas.


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