Wien

The Moderns

Giacomo Balla: Merkur zieht an der Sonne vorbei (Detail), 1914. Foto:MUMOK

Alles hängt mit allem zusammen: Die Generalthese des MUMOK in Wien über die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts ist so richtig wie trivial. Dennoch lohnt der Besuch.

So schlicht der Titel, so umfassend der Anspruch: «The Moderns» will die Beziehung zwischen Forschung und Kunst um 1900 darstellen. Die Ausstellung soll zeigen, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse tradierte Weltbilder auflösten und damit den Aufbruch der Avantgarden ermöglichten. Dazu stellt sie 80 teils erstklassigen Kunstwerke Schriften und Artefakten aus Physik, Chemie und Technik gegenüber.

 

Info

The Moderns

 

25.06.2010 – 23.01.2011
täglich 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

im Museum für Moderne Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK), Museumsplatz 1, Wien

 

Weitere Informationen

Der behandelte Zeitraum erstreckt sich von Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1940. Dabei kann die Schau einzelne Strömungen nur stichprobenartig antippen: Ein paar Grafiken stehen für Dada. Ein paar Gemälde, darunter ausgezeichnete von Giacomo Balla und František Kupka, für den Futurismus. Ein paar Bilder und Skulpturen wie die fantastische «Konstruktion für einen Flughafen» von Antoine Pevsner für den Konstruktivismus usw.

 

Objekte stehen pars pro toto

 

Ähnlich rhapsodisch wird der Fortschritt der Wissenschaften abgehandelt. Von fotografischen Bewegungsstudien um 1880 über die Entdeckung von Röntgenstrahlen, elektromagnetischen Wellen und Wechselstrom bis zur Relativitätstheorie müssen einzelne Objekte pars pro toto für die Entwicklung ganzer Disziplinen herhalten.


Impressionen der Ausstellung


 

Kunst und Wissenschaft

  

Der vollmundige Anspruch, das Wechselspiel von Kunst und Wissenschaft zu dokumentieren, scheitert kläglich. Forschung ist viel zu abstrakt und komplex, als dass sie mit wenigen hermetischen Wandtexten und verstaubten Instrumenten anschaulich würde.

 

Die futuristische Begeisterung für Geschwindigkeit kann ein Original-Motor neben einem Flugzeug-Bild nicht erklären. Und die Generalthese, dass die Wissenschaften die Künstler inspiriert haben, ist so richtig wie trivial. Dennoch lohnt der Besuch, etwa für die vorzügliche Auswahl von Skulpturen. Wie stark sie an Ingenieurs-Konstruktionen angelehnt sind, wird hier augenfällig – trotz der Konzeption, nicht wegen ihr.


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