Klosterneuburg bei Wien

India Awakens – Under the Banyan Tree

Tarun Chhabra: Holi Celebrations, 2007, digitaler Print, 76 x 111 cm. Foto: © Tarun Chhabra

Unter dem Banyan-Baum haben alle Stile Platz: Das Essl Museum zeigt zeitgenössische Kunst aus Indien, die mit den Standards des globalen Kunstmarkts locker mithält.

Indien ist ein «virtueller Kontinent», sagt Kuratorin Alka Pande: mit Dutzenden von Sprachen und Hunderten von Völkern. Gemeinsam sind ihnen nur die englischsprachige Verwaltung, Bollywood-Filme und eine Jahrtausende alte kulturelle Überlieferung.

 

Info

India Awakens –
Under the Banyan Tree

 

26.11.2010 – 27.02.2011

 

täglich außer montags 10 – 18 Uhr im Essl Museum, An der Donau-Au 1, Klosterneuburg bei Wien

 

Weitere Informationen

Dafür wählt Pande den Banyan-Baum als Symbol: Unter seiner breiten Krone treffen sich seit jeher Händler und Reisende. Die Ausstellung im Essl Museum versammelt eine ebenso bunte Schar von 34 jungen Künstlern. Auf den ersten Blick sieht man kaum, dass sie aus Indien kommen, so breit gefächert ist das Sortiment.

 

Stil globalisiert, Motive traditionell

 

Von Tafelbildern und Plastiken über Fotografie, Videos, Installationen und Performance-Relikten sind alle gängigen Techniken vertreten. Stilistisch entsprechen die meisten Werke den Standards des globalisierten Kunstmarkts. Geläufige Floskeln seines Jargons wie «urbane Hybride» oder «inhärente Wertesysteme» gehen ihren Schöpfern locker von den Lippen.

 

Doch auf den zweiten Blick bemerkt man eine indische Motivwelt aus traditionellen Quellen. Mahua Sen zeichnet Landsleute als Ultraschallbild wie im Mutterleib: Föten ohne Kenntnis der Außenwelt. Riyas Komu baut einen «Massagetisch» mit Torsi als Pfosten und Palastkuppel-Dach: Das Kastensystem als Sänfte.

 

Kunst als nächster möglicher Export-Schlager

 

Andere Arbeiten finden für die rasante Modernisierung indischer Städte prägnante Bilder. Vibha Galhotra schneidert Uniformen mit Camouflage-Mustern aus chaotischen Stadtbildern. Dieses Chaos hält der Fotograf Tarun Chhabra fest: Die Farb-Explosion beim Holi-Fest verätzte ihm zwei Wochen lang die Augen.

 

Repräsentativ für die Kunstproduktion des Subkontinents ist diese Schau gewiss nicht. Aber die heterogene Mischung gibt einen Eindruck von der kulturellen Vielfalt Indiens – und dem ungeheuren Tempo, mit dem die städtische Mittelklasse Einflüsse aus aller Welt aufnimmt und verarbeitet. Nach Software könnte bald auch Kunst zum Exportschlager Indiens werden.


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