Berlin

Cut & Mix: Kunst aus Peru und Chile

José Carlos Martinat + Enrique Mayorga: Inkarri (Detail), 2005; Foto: Institut für Auslandsbeziehungen

Das Institut für Auslandsbeziehungen stellt in seiner Galerie aktuelle Arbeiten von neun Künstlern vor. Dass sie aus Südamerika kommen, bemerkt man erst auf den zweiten Blick.

Typisch lateinamerikanisch ist hier nichts. Mit voller Absicht: Die Kuratorin Eva-Christina Meier hat Werke ausgewählt, die diverse kulturelle Kontexte verknüpfen. Kein Wunder: Die Mehrzahl der Künstler hat an Hochschulen in Europa oder den USA studiert, einige leben auch dort.

 

Info

Cut & Mix: Zeitgenössische Kunst aus Peru und Chile

 

04.02.2011 – 17.04.2011
täglich außer montags 14 – 19 Uhr in der ifa-Galerie, Linienstraße 139/140, Berlin

 

Katalog 16,50 €

 

Weitere Informationen

Das merkt man den Arbeiten an. Ganz selbstverständlich zitieren sie dieses oder jenes Idiom in der zeitgenössischen Kunst. Das zeigt, wie ihre Heimatländer nach Jahrzehnten der Isolation wieder Anschluss an den globalen Kulturbetrieb finden.

 

Wunden verheilen langsam

 

Chile ist 2010 der OECD beigetreten, dem Club der entwickelten Industriestaaten. Als einziges Land Südamerikas kennt es eine staatliche Kulturförderung. Auch Peru hat sich nach jahrelangem Bürgerkriegs politisch und wirtschaftlich stabilisiert. Doch die Wunden der Vergangenheit verheilen nur langsam – was in einem Werk anklingt.


Interview mit Kuratorin Eva-Christina Meier + Impressionen der Ausstellung


 

Abstrakt bemalte LKW + Fusion-Food aus Lima

 

Das Foto eines Strauchs, der als Kopf des letzten Inka-Königs zurechtgestutzt ist, wird mit Zufallsfunden aus dem Internet kontrastiert. Dagegen beschäftigt seine Landsleute, wie Peru durch Einwanderer aus aller Welt zum Schmelztiegel wird.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung „Realidad y Utopia“ über zeitgenössische Kunst aus Argentinien

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung „Das Verlangen nach Form – O desejo da Forma“ mit Neoconcretismo + zeitgenössischer Kunst aus Brasilien, beide in der Akademie der Künste, Berlin.

Armando Andrade Tudela lichtet Lastwagen ab, die mit abstrakt anmutenden Motiven bemalt sind. David Zink Yi filmt Köche in Lima, die Fusion-Food zubereiten. Sandra Nakamura, japanischer Abstammung, legt 32.000 Yen-Münzen aus: So hoch war ihre Miete in Japan.

 

AKW-Ruine in Patagonien

 

Derweil thematisieren Beiträge aus Chile Verbindungen nach Deutschland. Leonardo Portus stellt in Modellen ein Hochhaus vor, das Brasiliens Star-Architekt Oscar Niemeyer in Berlin errichtete. Und Mario Navarro verfolgt die Spur des Physikers Ronald Richter: Er überredete Argentiniens Staatschef Perón 1949 zum Bau eines Atomkraftwerks in Patagonien. Von diesem absurden Technologie-Transfer sind nur noch Ruinen übrig.

 

Anstelle von Anden-Folklore ein Potpourri radikal gegenwärtiger Kunst: Es macht die Weltläufigkeit der jungen Generation in Südamerika anschaulich. Oberflächlich betrachtet verschwindet damit jedes Lokalkolorit. Doch in den Fragestellungen und Herangehensweisen bleibt die Herkunft sichtbar.  


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