Duisburg

Max Klinger: Von der herben Zartheit schöner Formen

Max Klinger: Badendes Mädchen, sich im Wasser spiegelnd, 1896/1897, Bronze. Foto: Wilhelm-Lehmbruck-Museum
Klinger war einer der einflussreichsten Künstler unter Wilhelm II. – und sein Symbolismus alles andere als gefällig. Seine Werkschau im Wilhelm-Lehmbruck-Museum gerät jedoch zur gestrigen Hommage.

Seit dem Ende der Monarchie haben deutsche Maler-Fürsten nicht mehr viel zu melden. Die Paläste, in denen ein Lenbach, Stuck oder Klinger einst sich huldigen ließen, stehen nun wie Menhire einer versunkenen Epoche herum. Ihre Kolossal-Werke verstecken Museen meist in hinteren Räumen – wo kaum noch ein Besucher hinkommt.

 

Info

Max Klinger:
Von der herben Zartheit schöner Formen

 

21.01.2011 - 24.04.2011
mittwochs bis samstags 12 - 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, sonntags ab 11 Uhr im Wilhelm-Lehnbruck-Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, Duisburg

 

Katalog, 2 Bd.: 30 €

 

Weitere Informationen

Insofern ist es verdienstvoll, Max Klinger (1857 – 1920) einem breiten Publikum vorzuführen. Nicht nur die Graphik, wie öfter im vergangenen Jahrzehnt, sondern das ganze Werk: inklusive Gemälde und Skulpturen. Nach ihrer ersten Station in Apolda wird die Ausstellung im Lehmbruck-Museum mit Arbeiten des Hauspatrons angereichert.

 

Von Exlibris bis zu Groß-Plastiken

 

Die Zusammenstellung von etwa 100 Exponaten aus der Sammlung eines Klinger-Verehrers mit rund 60 Leihgaben aus Museen zeichnet sich durch Vielfalt aus: Von winzigen Exlibris und erotischen Zeichnungen bis zu Groß-Plastiken des Geniekults wie Beethoven und Nietzsche in Bronze ist alles vertreten.


Impressionen der Ausstellung


 

Kreuzigung mit splitternacktem Christus

 

Klinger war sehr vielseitig: Er probierte laufend neue Techniken und Motive aus. Mögen seine akademische Formensprache und sein monumentales Pathos heute etwas befremden – gefällig war er nicht. Der Großmanns-Sucht des Wilhelminismus setzte er eine aus dem Kanon des Bildungsbürgertums abgeleitete Symbolik entgegen, die er häufig krass naturalistisch ausführte. Seine «Kreuzigung» von 1893 löste einen Skandal aus, weil Christus völlig nackt war.

 

Leider ist der Titel «Von der herben Zartheit schöner Formen» das Originellste an der Schau. Ansonsten gerät sie arg gestrig: Außer dürren Daten zu Leben und Werk gibt es keine Informationen, und die Hängung wirkt völlig beliebig. Zudem ist der lokalpatriotische Versuch, Wilhelm Lehmbruck als von Klinger beeinflusst darzustellen, extrem bemüht: Der orientierte sich eher an Naturalisten wie Constantin Meunier.

 

Nur Bildtafeln + Jahres-Chronik im Katalog

 

Auch der zweibändige Katalog darf als schön ausgestatteter Witz gelten: Ein Band enthält nur Bildtafeln – alles Weitere wurde in den Anhang verbannt. Den zweiten Band füllt allen Ernstes eine Jahres-Chronik von Klingers Leben anhand Hunderter von Brief-Zitaten. Bei allem Respekt vor werkgetreu wilhelminischer Kunst-Präsentation: Das Ausstellungs-Wesen hat nach 100 Jahren einiges mehr zu bieten.


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