Ulm

Robert Longo

Robert Longo: Untitled (Ulysses), Kohlezeichnung (Detail), 2009; Foto: Kunsthalle Weishaupt
Der XXL-Gesellschaftskritiker: Die Kunsthalle Weishaupt zeigt fotorealistische Riesenformate von Robert Longo. Seine plakativen Kohlezeichnungen gleichen einer optischen Tracht Prügel.

Unter den deutschen Privatmuseen zählt die Kunsthalle Weishaupt gewiss zu den spektakulärsten: Mitten im Stadtzentrum von Ulm, gegenüber des Rathauses, lagert der mächtige Riegelbau zwischen zwei Straßen. Die Frontseite mit ihrem dreistöckigen Schaufenster übertrumpft alle umliegenden Kaufhäuser.

 

Info

Robert Longo

 

28.11.2010 - 25.09.2011
täglich außer montags 11 - 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr in der Kunsthalle Weishaupt, Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 1, Ulm

 

Begleitheft 8 €

 

Weitere Informationen

Innen bietet der Bau des Architekten Wolfram Wöhr, eines Schülers von Richard Meier, federleichtes Pharaonentum. Hohe und weite Galerien mit wenigen Zwischenwänden sorgen für riesige Flächen, die gefüllt werden wollen: Alles unter DIN-A-0-Format würde wie Augenpulver wirken. Dieses Ambiente passt perfekt zu den Werken von Robert Longo.

 

Kind der schwarzweißen New-Wave-Ära

 

Der New Yorker hielt sich noch nie mit Kleinigkeiten auf: Seine Bilder müssen mindestens überlebensgroß sein. Bekannt wurde er in 1979 mit seiner Serie «Men in the Cities»: Gestalten in Angestellten-Kluft und grotesken Posen. Mit Kohle gezeichnet, seiner bis heute bevorzugten Technik: Als Kind der New-Wave-Ära sieht er die Welt in Schwarzweiß.

 

Die Bilderflut des Informationszeitalters schlachtet Longo nach Kräften aus: Kaum ein Emblem der Massenmedien, dass er nicht schon fotorealistisch und meterlang mit Kohle nachgezeichnet hätte. Manchmal erzielt er damit den gewünschten Schock-Effekt. Etwa mit seiner Serie «Bodyhammers»: Die Laufmündungen baumgroßer Handfeuerwaffen sind direkt auf den Betrachter gerichtet.

 

Gigantische Bild-Klischees

 

Meist aber bläht Longo nur banale Bild-Klischees ins Gigantische auf – seien es Gesichter, Atompilze, Riesenwellen oder Weltraum-Fotos. Oft unterscheiden sich seine Rosenblüten, Autohecks oder Dekolletés nur durch ihr Format von Kitsch-Postkarten. Diese Kunst ist so kritisch wie ein Kinderlied und so subtil wie eine Tracht Prügel.


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