Hamburg

Attila Csörgö: Der archimedische Punkt

Attila Csörgő: Hemisphere, 1996 (Detail); © Courtesy of the artist and Galerija Gregor Podnar, Berlin – Ljubljana

Kunst aus dem Physik-Baukasten: Der Ungar setzt naturwissenschaftliche Grenzphänomene in skurrile Apparate um. Anschaulich und amüsant, aber nie platt oder albern, wie die Werkschau in der Kunsthalle zeigt.

Attila Csörgö ist der Daniel Düsentrieb der Kunstwelt: Dem Budapester Ingenieur ist nichts zu schwör, wenn es um die Visualisierung erstaunlicher optischer oder geometrischer Phänomene geht. Mit erheblichem Aufwand baut er dafür ausgeklügelte Vorrichtungen, die seine Ideen praktisch umsetzen.

 

Info

Attila Csörgö: Der archimedische Punkt

 

27.02.2010 – 15.05.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr in der Kunsthalle, Glockengießerwall 2, Hamburg

 

Weitere Informationen

So trifft der Besucher in der Ausstellung auf ein Wirrwarr merkwürdiger Geräte und bizarrer Artefakte, deren Bedeutung zunächst undurchschaubar scheint. Doch Csörgö erläutert sein Treiben ausgezeichnet. Kurze Texte erklären anschaulich die Funktionsweise und ihr zugrunde liegenden Prinzipien – verständlich auch für Leute, für die Mathematik und Physik Bücher mit sieben Siegeln sind.

 

Dickicht aus Seilwinden und Gewichten

 

Spektakulär kommen die selbstgebastelten Automaten daher, mit denen Csörgö zeigt, wie sich räumliche Objekte ineinander verwandeln lassen. Es gibt fünf so genannte «regelmäßige Körper», deren Flächen und Kanten jeweils gleich sind. Ein Dickicht von motorbetriebenen Seilwinden und Gewichten verschiebt kleine Stäbe aus einer Form in die nächste.


Impressionen der Ausstellung


 

Welt als Orangen-Schale

 

Am eindrucksvollsten sind die Kameras, die Csörgö ersonnen hat. Mit rotierenden Linsen bilden sie das gesamte Umfeld auf einer Halbkugel ab: Der Innen- wird zum Außenraum. Oder sie nehmen die Umgebung auf einem einzigen Streifen Fotopapier auf: Die Welt wird zur geschälten Orange.

 

Csörgös Installationen mit Lichtquellen erinnern ein wenig an Schaubuden-Effekte: Er beleuchtet ein laufendes Rad mit Lochscheiben so, dass es sich in alle Richtungen gleichzeitig zu drehen scheint. Lässt er kleine Lampen schnell kreisen, entsteht der Eindruck dreidimensionaler Leuchtkörper.

 

Schauwerte mit Aha-Effekten

 

Dieser Querdenker drückt seine Kreativität nicht mit den üblichen Medien aus, sondern dem Austüfteln nie dagewesener Apparaturen. Seine skurrilen Experimente haben mit konventionellen Ausstellungs-Stücken eines gemeinsam: Sie sind völlig zweckfrei. Dabei bieten sie großen Schauwert und jede Menge Aha-Effekte – wenn das keine Kunst ist.


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