München

Martin Munkacsi: Think while you shoot

Martin Munkacsi: "Der schöne Herbst: die letzten warmen Sonnestrahlen", um 1929. Foto: Foto: © Estate of Martin Munkacsi / Lester Nafzger, Woodstock

Aus Budapest über Berlin nach Hollywood: Mit Schnappschüssen voller Dynamik veränderte der ungarische Fotograf die Bilderwelt. Seine aufregende Retrospektive wird nun in der Versicherungskammer Bayern gezeigt.

Mit ihm kam Bewegung in die statische Welt der Fotos. Martin Munkácsi revolutionierte in den 1920/30er Jahren nicht nur die Sport- und Modefotografie. Er brachte auch die Prinzipien des «Neuen Sehens» einem Massenpublikum nahe: Seine Bildreportagen in der «Berliner Illustrirten Zeitung» (BIZ) lasen Millionen. Später wurde er bei «Harper’s Bazaar» der bestbezahlte Fotograf seiner Zeit.

 

Info

Martin Munkacsi:
Think while you shoot

 

23.02.2011 – 22.05.2011
täglich außer feiertags 9 – 19 Uhr im Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53, München

 

Weitere Informationen


Das gelang einem Außenseiter und Autodidakten. Der jüdische Handwerker-Sohn hieß eigentlich Mermelstein; er änderte seinen Namen, um Antisemiten kein Ziel zu bieten. Mit wenig Schulbildung schlug er sich als Jugendlicher durch, bis er Sportreporter für Budapester Zeitungen wurde. Bald entdeckte er sein Talent für die Fotografie.

 

Am Kronleuchter fotografieren

 

1928 ging er nach Berlin und kam rasch groß heraus. Kein anderer hatte einen solchen Blick für den kairos: den Sekundenbruchteil, in dem sich der Verlauf eines Geschehens entscheidet. Und niemand sonst nutzte so ungewöhnliche Perspektiven: Munkácsi kroch unter den Tisch, schnallte sich an Rennwagen fest oder hängte sich an Kronleuchter, um den besten Moment zu erhaschen.


Impressionen der Ausstellung


 

Fotogeschichte mit bewegten Models

 

Er war Generalist, und die BIZ schickte ihn rund um die Welt: Munkácsi fotografierte Tänzer in New York, Kaffee-Pflücker in Brasilien und Straßen-Szenen im westafrikanischen Liberia. Sein Schnappschuss schwarzer Jungen, die in die Brandung rennen, überzeugte Henri Cartier-Bresson, Fotografie könne «in einem Augenblick die Ewigkeit erreichen».

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung „Eva Besnyö – Fotografin 1910-2003“ in der Berlinischen Galerie

 

und hier eine Besprechung der Schau „André Kertész – Fotografien“ im Martin-Gropius-Bau, Berlin

 

und hier eine kultiversum-Kritik der Ausstellung „Die neue Wirklichkeit. Fotografie der Moderne der Stiftung Wilde“ in der Pinakothek der Moderne, München


1934 emigrierte Munkácsi in die USA und porträtierte fortan Filmstars. Seine Idee, Models in bewegten Posen aufzunehmen, beeinflusste Generationen von Modefotografen. Er war ein radikaler Augenmensch: Als er 1960 Motive für einen Bildband auswählte, stellte er sie nach optischen Analogien und Kontrasten zusammen: Agave traf auf Pfau, Katzenbuckel auf Turner-Brücke.

 

Charleston-Kurs für die Augen

 

Lange vergessen, wurde Munkácsi 2005 durch eine Retrospektive in den Hamburger Deichtorhallen wieder entdeckt. Sie war danach in Berlin, Amerika und Osteuropa zu sehen; nun macht sie in München Station. Die Schau stellt das gesamte Œuvre umfassend vor; es hat die kollektive Vorstellung der «Goldenen Zwanziger» geprägt wie kein zweites. Quasi ein Charleston-Kurs für die Augen – bei freiem Eintritt.   


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