Hamburg

Übermalt. Verwischt. Ausgelöscht: Das Porträt im 20. Jahrhundert

Arnulf Rainer: Körpersprache, o. J.. Foto: © Arnulf Rainer; Hamburger Kunsthalle/bpk
Panoptikum der Selbstverstümmelung: Die Hamburger Kunsthalle führt vor, was Künstler dem menschlichen Antlitz alles angetan haben. Ein Defilee großer Namen wird zur beliebigen Geisterbahnfahrt.

Die Hamburger Kunsthalle ist im Verwischungs-Rausch: Während die aktuelle Sonderausstellung in der «Galerie der Gegenwart» die Wirkung von Gerhard Richters Unschärfe-Prinzip auf nachfolgende Künstler auslotet, ist diese Schau im Ungers-Neubau den Deformationen des Porträts gewidmet. Bestückt mit Werken aus dem hauseigenen Bestand führt sie vor, was im letzten halben Jahrhundert mit dem menschlichen Leib alles angestellt worden ist.

 

Info

Übermalt. Verwischt. Ausgelöscht: Das Porträt im 20. Jahrhundert

 

06.02.2010 - 28.08.2011
täglich außer montags 10 - 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr in der Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 2, Hamburg

 

Weitere Informationen

Ein Defilee großer Namen von Giacometti und Francis Bacon über Baselitz und Günter Brus bis zu Cy Twombly und WOLS: Der Fundus gibt einiges her. Auch an Varianten der Selbstverstümmelung: Gesichter und Körper werden bemalt, verdeckt, fragmentiert oder ganz aufgelöst. So entsteht ein Panoptikum der Defiguration, das keine Urängste unberücksichtigt lässt.

 

Zwischen Gefängniszelle und Massengrab

 

Darin finden sich beeindruckende Werke. Wie eine Arbeit von Christian Boltanski für jüdische Schüler, die unter der Nazi-Herrschaft verschwanden und ermordet wurden: Die Installation aus mit Porträtfotos beklebten Keksdosen changiert zwischen Gefängniszelle, Todesstreifen und Massengrab. Oder ein Objekt von Olaf Metzel, der Gipsbüsten großer Geister misshandelt und in Plexiglas eingesperrt hat.


Impressionen der Ausstellung


 

Gruselig beliebiger Bilder-Reigen

 

Die meisten Beiträge wiederholen aber nur Geläufiges. Dass Brus seine Visage mit allerlei Pasten zuspachtelte, ist ebenso bekannt wie die kopfüber hängenden Figuren von Georg Baselitz oder die rabiaten Übermalungen von Arnulf Rainer und Wolf Vostell.

 

Der thematische Anspruch dieser Schau ist so weit ausgedehnt, dass ihr eigener Fokus unscharf wird: Angefangen mit den Kubisten fänden in ihm fast alle Menschenbilder der Moderne Platz. Ohne stringente Thesen oder nachvollziehbare Entwicklungslinen zu verfolgen, gerät sie zu einem gruselig beliebigen Bilderreigen – aber auch nicht mehr.


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