Berlin

Zwillingsbilder – Röntgenfotografien von Skulpturen

Luisa Roldán, genannt La Roldana: St. Ginés de la Jara; Röntgenbild: Kopf, en face (Detail). Foto: The J. Paul Getty Museum, Los Angeles
Helden zu Geistern, Ikonen zu Fratzen: Das Medizinhistorische Museum wirft einen Blick unter die Haut von Kunstwerken. Der Röntgenblick offenbart eine ganz eigene Schönheit dieser Werke, auch wenn die Wirkung des Originals selten dieselbe ist.

Röntgenbilder in einer Ausstellung, das klingt ungewohnt. Ist es auch, gerade das macht die Schau «Zwillingsbilder» im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité interessant. Zu sehen sind Radiografien von Skulpturen, die seltene Einblicke in das Innenleben von Kunstwerken ermöglichen und gleichzeitig eine ganz eigene Schönheit besitzen.

 

Info

Zwillingsbilder - Röntgenfotografien von Skulpturen

 

15.04.2011 - 05.06.2011
täglich außer montags 10 bis 17 Uhr, mittwochs und samstags bis 19 Uhr im Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1, Berlin

 

Weitere Informationen

Eigentlich werden Skulpturen geröntgt, um ihren Aufbau zu untersuchen oder zu analysieren, ob und wie sie in den oft mehreren Jahrhunderten ihrer Existenz beschädigt, repariert oder modifiziert wurden. Mitunter hat das unerwartete Entdeckungen zur Folge. Das beweist die ausgestellte Aufnahme eines Buddhas, in dem ein seltsam quer stehendes Rechteck eine verborgene Schriftrolle verriet, die in der Folge natürlich herausgeholt und studiert worden ist.

 

Diametral entgegen gesetzte Wirkung

 

Röntgenbilder verraten mehr, als der Laie vermuten würde: Sie lassen Rückschlüsse auf Herstellungsweise, Materialbeschaffenheit oder Restaurationsgeschichte zu. Die verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten führt die Kuratorin Uta Kornmeier in einzelnen thematischen Abteilungen vor Augen.

 

Röntgenfotografie beruht auf demselben Prinzip wie klassische Fotografie - warum also nicht einmal ihr künstlerisches Potenzial ausloten? Die Ausstellung zeigt, dass Röntgenbilder außerhalb des medizinischen Kontextes eine eigene, einzigartige Ästhetik entfalten können. Man steht vor Aufnahmen, deren Wirkung der des abgelichteten Objekts mitunter diametral entgegen gesetzt ist. Aus tragischen Helden werden schwebende Geister, religiöse Ikonen mutieren zu Fratzen.

 

Innenansichten des menschlichen Körpers

 

Dieser Blick, der buchstäblich unter die Haut geht, offenbart Wahrnehmungs-Ebenen, die in jeder anderen Ausstellung verborgen blieben. Die in den benachbarten Vitrinen ausgestellten Präparate der Dauerausstellung verschränken dies zusätzlich mit den Innenansichten des menschlichen Körpers.


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