München

Vermeer in München – König Max I. Joseph von Bayern als Sammler

Johannes Vermeer: Frau mit Waage, ca. 1663/64; © National Gallery of Art, Washington. Foto: Alte Pinakothek
Die Alte Pinakothek wird 175 Jahre alt und gönnt sich ein opulentes Jubiläumsprogramm. Höhepunkt ist gewiss «Vermeer in München» - auch wenn das Etikett der Sonderschau schwindelt.

Was jedem Möbelhaus und Elektro-Händler billig ist, kann auch der Alten Pinakothek nur recht sein: Zum Jubiläum auftrumpfen, selbst wenn es unrund ist, um mehr Publikum als sonst anzulocken. Zumal gegenüber die Pinakothek der Moderne mit ständig wechselnden Ausstellungen einen unaufhörlichen Budenzauber abzieht.

 

Info

Vermeer in München - König Max I. Joseph von Bayern als Sammler

 

17.03.2011 - 19.06.2011
täglich außer montags 10 - 18 Uhr, dienstags bis 20 Uhr in der Alten Pinakothek, München

 

Katalog 10 €

 

Weitere Informationen

Der droht den altehrwürdigen Musenpalast in den Schatten zu stellen. Dabei hat Leo von Klenzes Meisterwerk jede Aufmerksamkeit verdient: Seine Beleuchtung durch Oberlichter war bei der Eröffnung 1836 revolutionär. Im Jubiläumsjahr wartet daher die Alte Pinakothek mit nicht weniger als sieben Sonderausstellungen auf.

 

Einziger Vermeer 1826 verkauft

 

Deren spektakulärste ist zweifellos «Vermeer in München». Obwohl sie mit einem Etikettenschwindel wirbt: In der Alten Pinakothek gibt es keinen Vermeer. Es hat auch nie einen gegeben. Nur König Max I. Joseph (1756 – 1825) war stolzer Besitzer eines der 37 erhaltenen Gemälde von Jan Vermeer. Die «Frau mit Waage» wurde jedoch 1826 verkauft – bevor Max´ Nachfolger Ludwig I. die Pinakothek errichten ließ. Heute gehört das Bild der National Gallery in Washington.


Impressionen der Ausstellung


 

Erste Ölgemälde mit Amerika-Motiven

 

Dagegen ist der Ausstellungs-Untertitel so umständlich wie präzise: « König Max I. Joseph von Bayern als Sammler Alter Meister». Das trifft es: Neben dem Vermeer aus den USA sind zwei Dutzend Gemälde zu sehen, die aus des Königs Kollektion stammen. Allesamt erstklassige Werke – nur nicht so werbewirksam wie der legendäre Name aus Delft.

 

Von Münchener Lokalgrößen abgesehen, sammelte Max vorwiegend niederländische Landschaften und Genreszenen aus dem 17. Jahrhundert, dem «Goldenen Zeitalter». Deren Horizont reichte weit über die Heimat hinaus. So blieb Frans Post aus Leiden acht Jahre lang in Brasilien; seine anschließend von ihm geschaffenen Ölgemälde sind die allerersten mit amerikanischen Motiven überhaupt. Der König besaß zwei davon, die nun nebeneinander hängen.

 

See-Stücke und Landschafts-Malerei

 

Ebenso interessierten ihn Marinestücke: Die «Ruhige See» von Willem van de Velde d.J. besticht mit virtuoser Oberflächen-Behandlung und Spiegel-Reflexen. Schließlich trug Max hervorragende Landschaftsmalerei zusammen: Seine Bilder von Jacob van Ruisdael sind Symphonien aus Fauna, Wetter und Lichtführung.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine kultiversum-Rezension der Ausstellung "Der frühe Vermeer" in der Gemäldegalerie, Dresden.

Die Fokussierung auf ein Prunkstück hätte die Schau gar nicht nötig: Alle gezeigten Bilder sind eingehender Betrachtung wert. Wohlweislich verzichtet sie darauf, Max´ gesamten Nachlass in der Staatsgalerie auszubreiten, sondern beschränkt sich auf Spitzenwerke.

 

Dennoch strahlt in der Mitte die «Frau mit Waage» wie ein Solitär: das stille Interieur, der Moment des Innehaltens, die anspielungsreiche Ausstattung, die unnachahmlichen Valeurs und Licht-Akzente – eben ein echter Vermeer.


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