Herford

Bucky Fuller & Spaceship Earth + Wir sind alle Astronauten

R. Buckminster Fuller mit dem Skybreak Dome, 1949; Foto: Marta Herford
R. Buckminster Fuller wurde in den 1960er Jahren als visionärer Vordenker gefeiert, dann vergessen. Nun soll ihn eine Hommage von Star-Architekt Norman Foster im MARTa Herford rehabilitieren: Besser ist die Begleitschau.

Diese Zukunft war vorgestern. Baumkuchen-Hochhäuser, die ein Zeppelin aufrichtet, und Jurten-Eigenheime aus Aluminium, die der Hausherr selbst montieren kann: So stellte sich Science-Fiction in den 1940/50er Jahren künftiges Wohnen vor. Auch der Wassertropfen-Wagen mit Armaturenbrett aus Nussbaum wirkt wie Windkanal-Design à la Nick Knatterton; daneben sind Vielecke aufgestellt, die wie Fußbälle oder Bohrtürme aussehen. Allesamt erfunden von Richard Buckminster Fuller, genannt „Bucky“ (1895 – 1983).

 

Info

Bucky Fuller &
Spaceship Earth

 

Wir sind alle Astronauten - Universum Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst

 

11.06.2011 - 18.09.2011
täglich außer montags 11 - 18 Uhr im MARTa Herford, Goebenstraße 4 - 10

 

Katalog 25 €,
im Buchhandel 35 €

 

Weitere Informationen

Fuller war ein Unikum: Der Selfmademan erwarb sich mit missionarischem Eifer den Ruf eines visionären Vordenkers. Wenn die Wirklichkeit mit seinen Ideen nicht Schritt hielt, umso schlimmer für die Wirklichkeit. Seine Baumkuchen-Häuser und Aluminium-Jurten wurden nie gebaut. Von den drei Prototypen des „Dymaxion“-Autos verunglückte einer sofort.

 

Einstein für Hippies

 

Erst ab 1952 hatte Fuller Erfolg mit seinen „geodätischen Kuppeln“: frei tragenden Strukturen mit beliebiger Spannweite. Aufsehen erregte sein US-Pavillon für die EXPO 1967 in Montreal. Für Messebauten oder Radarstationen hat sich diese Membran-Architektur etabliert, aber nicht – wie von Bucky gefordert – als Standard-Behausung der Menschheit. Er wollte Manhattan überkuppeln und Kugeln für Tausende Bewohner in der Luft schweben lassen.

 

Damit wurde Fuller um 1970 für Land-Kommunarden zum Propheten, der ihnen den Ausweg aus der Industriegesellschaft wies. Vielerorts entstanden selbst gebaute Kuppel-Kolonien: Ihre organisch anmutenden Formen passten so gut zur Rückkehr zur Natur. Dass der Einstein für Hippies seine Projekte mit Geldern und Großaufträgen des US-Militärs entwickelte, störte sie nicht.


Lord Norman Foster über die Zusammenarbeit mit Buckminster Fuller


 

 

Vorträge für 2000 Dollar am Tag

 

Prestige genoss Fuller ebenso beim Establishment: Er hielt ständig Vorträge – für 2000 Dollar am Tag. Bucky muss ein glänzender Redner gewesen sein, denn seine Bücher waren schwer verdaulich. Schrieb er doch Sätze wie: „Alle Wege des Systems müssen topologisch und kreisförmig aufeinander bezogen sein, damit begrifflich definitives, lokal transformierbares, polyedrisches Verständnis in unseren spontanen, geodätisch strukturierten Gedanken erzielt werden kann.“

 

Ein Zitat aus seinem Bestseller „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ von 1969. Der Titel fasst zusammen, was den Autor so attraktiv machte: Sein Anspruch, als Autodidakt revolutionär ganzheitlich zu denken und mit geometrischen Axiomen Technik und Kosmos zu versöhnen. Fuller-Fans feiern ihn bis heute als Ahnherrn des Ökologie-Bewusstseins. Auch der junge Architekt Norman Foster nahm 1971 gern Fullers Vorschlag an, für ein College in Oxford gemeinsam ein unterirdisches Theater zu entwerfen. Natürlich wurde es nie gebaut.

 


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