Görlitz

Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung

Blick in die Ausstellung, Abteilung „Menschen“. Foto: Landessausstellung Via Regia

Görlitz war einst Knotenpunkt auf einer wichtigen Handelsroute im Deutschen Reich. 600 Jahre Mobilitätsgeschichte zeichnet die Sächsische Landesausstellung im Kaisertrutz nach: prachtvoll, ambitioniert und etwas konfus.

Wie stellt man eine Straße aus? Überall und nirgends zugleich: Nicht weniger als vier Görlitzer Museen beteiligen sich an der 3. Sächsischen Landesausstellung. Doch die Straße, um die es geht, wird nirgendwo gezeigt.

 

Info

Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung

 

3. Sächsische Landesausstellung
21.05.2011 – 31.10.2011
im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1

 

Lebenswege ins Ungewisse: Migration in Görlitz/ Zgorzelec von 1933 bis heute

 

21.05.2011 – 25.03.2012
im Schlesischen Museum zu Görlitz, Brüderstraße 8 / Untermarkt 4

 

Via Regia – Straße der Arten

 

21.05.2011 – 31.10.2011
im Senckenberg Museum für Naturkunde, Am Museum 1, Görlitz

 

Ständige Sammlung Oberlausitzische Kultur

 

ab 29.07.2011 im Kulturhistorischen Museum, Neißstraße 29, Görlitz

 

Alle Ausstellungen sind bis 31.10.2011 täglich 10 – 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr geöffnet.

Die «Via Regia» war weniger eine konkrete Straße als vielmehr ein Wegenetz, das Städte im Rhein-Main-Gebiet mit Thüringen, Sachsen und Schlesien bis nach Krakau verband. Schon fränkische und ottonische Könige und Kaiser hatten es für Kriegs- und Missionszüge genutzt.

 

Dutzende von Fallstudien

 

Als 1252 die «Via Regia» erstmals urkundlich erwähnt wurde, war sie bereits eine bedeutende Handelsroute im Deutschen Reich. Und Görlitz einer ihrer Knotenpunkte: Zum Schutz ihrer Benutzer wurde dort im 15. Jahrhundert die Kanonenbastei «Kaisertrutz» errichtet. Frisch renoviert, dient der wuchtige Rundbau nun als zentrales Ausstellungshaus.

 

Zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert kam jeder, der durch diesen Teil Deutschlands reiste, mit der Via Regia in Berührung. Der Universalität ihrer Bedeutung wollen die Kuratoren gerecht werden. Dazu lösen sie mehr als 600 Jahre Mobilitätsgeschichte in Dutzende von Geschichten auf: Fallstudien über einzelne Personen, Handelsgüter oder Theorien, die an der Via Regia gelebt haben, darüber befördert oder verbreitet worden sind.

 

Roter Faden fehlt

 

Für dieses ehrgeizige Vorhaben ist der Kaisertrutz ein idealer Ort. Alle fünf Geschosse sind je einem Thema gewidmet; dabei versinnbildlichen schon die runden Etagenflächen, wie alles mit allem zusammenhängt. Allerdings fehlt ein roter Faden durch dieses Kreislabyrinth.

 

Zwar bieten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Veranstalter der Schau viele prachtvolle Kunstwerke auf. Doch die lockere zeitliche Anordnung karg kommentierter Vitrinen macht selten deutlich, warum die Exponate ausgewählt wurden. Oft wirken sie wie zufällig am Straßenrand aufgelesene Fundstücke.

 

Kein Extra-Platz für Jacob Böhme

 

Wobei jedes gleich wenig zählt: Görlitz größtem Sohn, dem weltbekannten Philosophen und Mystiker Jacob Böhme, wird nicht mehr Platz eingeräumt als Kaufleuten, Offizieren und anderen Lokalgrößen, die nur Experten noch kennen. Als Benutzer der Via Regia mögen sie ähnlich gehandelt haben – doch in der Rückschau sind einige wesentlich wichtiger als andere.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Landesausstellung Sachsen Anhalt: „Der Naumburger Meister„.

Weniger ambitioniert kommen drei weitere Ausstellungen zur Via Regia daher: Sie beschränken sich auf Teilaspekte. Das Senckenberg Museum beschäftigt sich mit der Ausbreitung von Fauna und Flora: vom Pestbazillus bis zum Nashorn.

 

Im Schlesischen Museum geht es um erzwungene und freiwillige Migration auf dieser Route von 1933 bis heute. Und ab Ende Juli zeigt das wieder eröffnete Kulturhistorische Museum, was von den Handelsgütern auf der Via Regia in Görlitz hängen blieb: in seiner Sammlung Oberlausitzischer Kultur.


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