Naumburg/Saale

Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt der Kathedralen

Markgräfin Uta im Westchor des Naumburger Doms (Detail); Foto: F. Boxler

Umberto Eco schwärmt für sie, Disney porträtierte sie: Markgräfin Uta war die Schönste im deutschen Mittelalter. Ihren Schöpfer würdigt nun eine Landesausstellung: mit einem langen, steinigen Kreuzweg, der ins Paradies führt.

Mit keiner Frau würde Umberto Eco lieber ausgehen. Schneewittchens böse Königin entwarf Walt Disney nach ihrem Vorbild: Markgräfin Uta von Ballenstedt war die Schönheitskönigin des deutschen Mittelalters. Im Naumburger Dom posiert sie neben ihrem Gatten Ekkehard wie ein Film-Star à la Greta Garbo: Mit der linken Hand rafft sie elegant die Stoffbahnen ihres Mantels, mit der rechten schlägt sie kühl-kokett den breiten Kragen hoch.

Info

Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen

 

29.06.2011 – 02.11.2011

täglich 10 – 19 Uhr, freitags bis 22 Uhr im Naumburger Dom mit Marienkirche, Klausur und Domgarten; Aegidienkapelle; Johanneskapelle; Schlösschen am Markt; Stadtmuseum „Hohe Lilie“, Naumburg

 

Kurzführer 5 €

 

Zweibändiger Katalog 49,95 €, im Buchhandel 69,95 €

 

Website zur Ausstellung


Ihr Schöpfer zählt zu den bedeutendsten Künstlern im 13. Jahrhundert. Er ist als «Naumburger Meister» bekannt, weil er hier 1249 sein Hauptwerk vollendete: den frühgotischen Westchor des Doms, reich verziert mit Maßwerk und lebensgroßen Statuen. Sie stellen keine Heiligen dar, sondern lokale Adlige, die 200 Jahre zuvor den Dom gestiftet hatten.

 

Historische Personen als Wandschmuck einer Kirche: Das war ebenso revolutionär wie die expressive Gestaltung ihrer Mimik und Gestik. Der Betrachter blickt nicht zu Idealtypen empor, sondern zu Individuen in arg weltlicher Verstrickung: Ekkehard ließ wohl Graf Dietmar, der ihm gegenüber zaghaft sein Schild hebt, ermorden.

 

Hoffnung der leidenden Menschheit

 

Die Hinwendung des Hochmittelalters zum Individuum und seinen Affekten war eine Kulturrevolution. Sie zeigt sich auch im Figurenschmuck des Lettners, der steinernen Trennwand zwischen Westchor und Langhaus: Wer die Seiten wechselt, läuft direkt unter den Armen des Gekreuzigten hindurch. Der wird nicht als Weltenherrscher dargestellt, sondern als gemarterter Heiland; die Hoffnung der leidenden Menschheit.

 

Impressionen der Ausstellung

 



 

Der Steinbildhauer-Architekt dieses Gesamtkunstwerks war kein Einzelgänger. Er wurde wahrscheinlich in Nordfrankreich ausgebildet, vielleicht auf der Großbaustelle der Burg Coucy in der Picardie. Er orientierte sich an der Kathedrale von Reims, die ab 1211 neue Maßstäbe setzte, und hinterließ Spuren an Sakralbauten in Metz und Noyon.

 

Vermutlich leitete er einen Bauhütten-Verband, der östlich des Rheins tätig war: In Mainz schuf er einen Lettner mit ausdrucksstarken Figuren-Gruppen und eine Grabplatte für den Erzbischof. Im pfälzischen Bassenheim hinterließ er eine faszinierend lebendige Szene des heiligen Martins, wie er reitend seinen Mantel teilt. Dann folgte der Großauftrag in Naumburg. Letzte Etappe war der Dom von Meißen: Dort errichtete der Naumburger Meister bis 1268 den Ostteil.


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