Speyer

Die Salier – Macht im Wandel

Speyerer Evangelistar; Holz, vergoldetes Silberblech, Edelsteine, um 1220; Foto: Badische Landesbibliothek, Karlsruhe

Speyer feiert das Salier-Jahr: 950 Jahre Dom, 900 Jahre Stadtrechte. Darüber geht das Historische Museum der Pfalz weit hinaus: Es entfaltet das Panorama einer Epoche, in der die Weichen für Europas Geschichte gestellt wurden.

All das ist fast ein Jahrtausend her: der Aufstieg des fränkischen Adelsgeschlecht der Salier, die Krönung von Konrad II. 1024 zum König des deutschen Reiches (und drei Jahre später zum Kaiser), die endlosen Auseinandersetzungen seiner Nachfolger mit dem Papst und der Tod von Heinrich V., mit dem 1125 das Herrscherhaus erlosch.

 

Info

Die Salier – Macht im Wandel

 

10.04.2011 – 30.10.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr im Historischen Museum der Pfalz, Domplatz, Speyer

 

Zweibändiger Katalog 39,90 €, Einzelbände je 24,90 €;
im Buchhandel zusammen 54 €, Einzelbände je 29,80 €

 

Weitere Informationen

Und doch wurden in dieser Epoche Weichen gestellt, die Europas Geschichte entscheidend prägten. Vor allem im so genannten Investiturstreit, der ein halbes Jahrhundert lang schwelte (1075 – 1122). Dabei ging es um das Recht zur Einsetzung (lat.: investitur) von Geistlichen in Amt und Würden – in der Welt des Mittelalters eine hochpolitische Frage.

 

Zuvor hatten die römisch-deutschen Kaiser für sich beansprucht, Bischöfe und Äbte zu ernennen. Papst Gregor VII. machte Heinrich IV. dieses Recht streitig; als der nicht nachgab, setzte Gregor ihn ab und exkommunizierte ihn. Durch seinen berühmten Gang nach Canossa, barfuss und im Büßergewand, konnte Heinrich den päpstlichen Bann 1077 rückgängig machen.

 

Impressionen der Ausstellung

 



 

Doch der Machtkampf dauerte an. Heinrich V. erbte ihn von seinem Vater, den er 1105 vom Thron gestoßen hatte. Selbst mit äußersten Mitteln – 1111 nahm er Papst Paschalis II. gefangen und erpresste ihn – konnte sich Heinrich nicht durchsetzen. 1122 verzichtete der Kaiser im Wormser Konkordat de facto auf seinen Einfluss bei der Wahl hoher Geistlicher.

 

Selbstdemontage des Kaisers

 

Eine entscheidende Niederlage: Damit begann die Selbstdemontage des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Dessen Bischöfe waren künftig nicht mehr durch Treue-Eid dem Kaiser verpflichtet. Als Regenten großer und blühender Bistümer wurden sie praktisch unabhängige Landesherren – und darin zum Vorbild für andere Fürsten.

 

Somit ging die Klammer des Reiches verloren: Nie wieder sollte es einem Kaiser gelingen, in allen Teilen Deutschlands «durchzuregieren». Der Weg zur Zentralmacht und Einigung im Nationalstaat war bis 1870 versperrt – mit den bekannten Folgen.

 

Völlig verworrener Verlauf

 

Das Historische Museum versucht gar nicht erst, den Investiturstreit in seinem völlig verworrenen Verlauf nachzuzeichnen oder mit historischen Dokumenten darzustellen; dafür sind nicht genug Objekte aus dieser Zeit erhalten. Auch die Wandtexte führen nur Eckdaten auf. Wer mehr wissen will, muss zum zweibändigen Katalog greifen.

 

Stattdessen entfaltet die Ausstellung das Panorama einer Umbruchsphase, als dieser Machtkampf und die ersten Kreuzzüge das mittelalterliche Weltbild veränderten. Vorzugsweise mit Sakralkunst: Was die Jahrhunderte überdauert hat, wurde vorwiegend in Kirchen und Klöstern geschaffen. Sowie natürlich für den Herrscher: Verwitterte Kronen und Reichsäpfel sind ebenfalls zu sehen.


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