Köln

Tat Ort Museum

Oberrheinischer Maler: Heiliger Antonius, von Dämonen gepeinigt, um 1520; Foto: ohe

Dreimonatiger Tag der offenen Tür: Das Wallraf-Richartz-Museum wird 150 Jahre alt und feiert das mit einer Sonderschau über seinen Arbeitsalltag. «Tat Ort Museum» führt anschaulich vom Ankauf bis zum Audioguide.

Was machen eigentlich Museums-Mitarbeiter den lieben langen Tag? Reglos hängen Bilder an der Wand; Wachpersonal achtet darauf, dass ihnen nichts geschieht. Wenn nicht gerade eine Schulklasse durch die Säle tollt, ist es ruhig; die wenigen Besucher stören kaum. Wozu also die vielen Angestellten, Büros und Werkstätten?

 

Info

Tat Ort Museum

 

01.07.2011 – 25.09.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr im
Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten (am Rathaus), Köln

 

Weitere Informationen

Natürlich ist die Frage naiv. Moderne Museen sind Unternehmen, die im Kunstbetrieb agieren wie Firmen auf Märkten: Zielgruppen erschließen, Allianzen bilden, Bilanzen aufbessern. Doch ihre Produkte – Ausstellungen und Exponate – sind besondere Güter, die behutsamen Umgang erfordern. Daher kommt vieles, was in Museen geschieht, nirgendwo sonst vor.

 

Dezente Referenzen an die Namensgeber

 

Einen Einblick hinter die Kulissen gewährt nun das Wallraf-Richartz-Museum zum 150. Jahrestag seiner Gründung. Den feiert es nicht mit der üblichen Best-of-Show samt Huldigung an die Namensgeber, sondern einer Einführung in seinen Arbeitsalltag – quasi als dreimonatigen Tag der offenen Tür. Wobei es die unvermeidlichen Referenzen an seine edlen Wohltäter sehr dezent einfließen lässt.



 

Goethe mokierte sich über Sammlung

 

Der Universitäts-Professor Ferdinand Franz Wallraf war eifriger Kunstsammler. Seine ausufernde Kollektion, über deren chaotische Aufbewahrung sich schon Goethe mokierte, vermachte er 1824 der Stadt Köln. Mehr als drei Jahrzehnte wurden die Schätze achtlos gelagert.

 

Dann erbarmte sich der Leder-Händler Johann Heinrich Richartz und stiftete sein Vermögen für einen Neubau; er starb 1861 kurz vor der Einweihung. Seither ist das Museum drei Mal umgezogen; 2001 in sein jetziges Domizil nach Plänen von Oswald Mathias Ungers.

 

Drei Meisterwerke als Geburtstags-Geschenke

 

Alle Räume werden flächendeckend von Oberlichtern erhellt; auch der Saal für Wechselausstellungen im Untergeschoss. Dabei kommen keine Leuchtstoff-Röhren, sondern spezielle Halogen-Lampen zum Einsatz. Sie lassen Ölfarben kräftiger wirken, wie der Vergleich beider Lichtquellen zeigt – eines der vielen kleinen Betriebsgeheimnisse, die «Tat Ort Museum» en passant verrät.

 

Die Arbeitsabläufe im Haus stellt die Schau so systematisch wie anschaulich vor. Zum Auftakt präsentiert sie Schenkungen und Ankäufe aus jüngster Zeit. Jean Honoré Fragonard, Joseph Wright of Derby, Angelika Kauffmann, Friedrich Nerly, Odilon Redon, Max Beckmann – man staunt, welche hochkarätige Namen eine öffentliche Einrichtung trotz explodierender Kunstmarkt-Preise noch erwerben kann. Oder anschaffen lässt: Zum Geburtstag spendieren ihm Kommune und Kuratorium drei Meisterwerke. Wohl dem Museum, das so begüterten Bürgersinn an seiner Seite weiß!

 

Bild ist echt, sein Rahmen gefälscht

 

Dem erweist es sich mit emsigen Aktivitäten würdig. Seine Forschungen veranschaulichen die Infrarot-Aufnahme eines Gemäldes von Courbet, auf dem eine von ihm übermalte Figur sichtbar wird, und eine enttarnte Fälschung. Ein gotisches Madonnen-Bildnis ist echt, sein Rahmen jedoch nicht – trotz wurmstichiger Patina.


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