Johannes Naber

Der Albaner

Busreise über den Balkan: Arben auf dem Weg nach Deutschland. Foto: Zorro Film

(Kinostart: 4.8.) Eine Höllenfahrt in den bundesdeutschen Untergrund: Der illegale Einwanderer Arben wird wider Willen zum Kapitalverbrecher. Mit archaischer Wucht gewann der Film in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis.

Romeo und Julia in den Schluchten des Balkans: Arben liebt Etleva, doch die Familien sind dagegen. Dann wird Etleva schwanger, und ihr Vater verlangt 10.000 Euro Brautpreis – im bitterarmen Albanien eine enorme Summe. Die kann Arben nur im Ausland aufbringen.

 

Info

 

Der Albaner

 

Regie: Johannes Naber, 104 min., Deutschland/ Albanien 2010;
mit: Nik Xhelilaj, Xhejlane Terbunja, Stipe Erceg

 

Weitere Informationen

 

Gelegenheitsarbeiten in Griechenland bringen nicht viel ein. Also reist Arben illegal nach Deutschland und schlägt sich mit Tellerwäscher-Jobs durch. Um Miete zu sparen, haust er in einem Abbruchhaus; hier freundet er sich mit Slatko an. Der Pole ist schwer krank, hat aber Verbindungen in die Unterwelt. Dorthin folgt ihm Arben, gelockt vom schnellen Geld.

 

Als Schleuser einer Schlepperbande verdient er bedeutend mehr. Bis sein Boss von einem Rivalen umgebracht wird; dabei geht auch Arbens Anteil flöten. Nun übt er gewissermaßen Blutrache: Er überfällt den Täter und raubt ihn aus, was das Opfer nicht überlebt.

 

Brüderliche Untreue

 

Im neuen Mercedes und schicken Anzug kehrt Arben nach Albanien zurück. Doch er kommt zu spät: Sein Bruder hat das ihm geschickte Geld veruntreut und sich nach Deutschland abgesetzt. Etleva wurde von ihrem Vater verstoßen, weil sie ihr Kind ohne Ehemann zur Welt brachte.

Offizieller Filmtrailer


 

Wäre das Etikett «Eastern» nicht auf Action aus Fernost gemünzt, würde es gut zu diesem Film passen. Regisseur Johannes Naber erzählt eine Geschichte von Verstrickung, Flucht, Schuld und Sühne, die an klassische Western erinnert. Mit grandiosen Naturaufnahmen, solange der Film in Albanien spielt, und hoffnungslos düsteren Szenen, sobald er im bundesdeutschen Untergrund ankommt. Der wirkt fremdartiger als balkanische Bergdörfer.

 

Faustrecht ohne warmes Wasser

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier ein Interview mit Regisseur Johannes Naber über „Der Albaner“.

 

Mitten unter uns hausen illegale Einwanderer weitab von jeder zivilisierten Normalität. In einer Welt aus Ausfallstraßen, Schrotthalden und schäbigen Hinterzimmern. Mit zwielichtigen Gestalten, aber ohne Heizung und warmes Wasser, soziale Absicherung oder Gesundheitsversorgung: Hier herrschen Faustrecht und der Kampf ums Überleben.

 

Die Milieutheorie, dass solche Verhältnisse selbst den Gutwilligsten zum Kapitalverbrecher werden lassen, ist stark verkürzt. Dass der von Nik Xhelilaj brillant gespielte Held keine Chance hat, seine Humanität zu bewahren, ist jedoch offensichtlich. Ein Beitrag zur Asylanten-Debatte von archaischer Wucht.


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