Köln

Lawrence von Arabien – Genese eines Mythos

Filmposter „Lawrence von Arabien“ von David Lean, 1962 (Detail); © Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg

Erfinder der Arabellion: Lawrence von Arabien prägte den modernen Guerilla-Krieg, wählte Könige aus – und übersetzte Homer. Doch zum Helden machte ihn erst eine Multimedia-Show, zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln.

So einen Anführer könnte die Arabellion in Libyen, Syrien und dem Jemen heute gut gebrauchen: Thomas Edward Lawrence brachte im Ersten Weltkrieg den Beduinen strategische Kriegsführung bei. Damit kämpften sie für ihre Unabhängigkeit und schlugen die Armee des Osmanischen Reiches – doch ihr Territorium teilten die Kolonialmächte unter sich auf.

 

Info

Lawrence von Arabien – Genese eines Mythos

 

30.04.2011 – 11.09.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstraße 29 – 33, Köln

 

Katalog 29,90 €, im Buchhandel 45 €

 

Weitere Informationen

Für T.E. Lawrence war es die Enttäuschung seines Lebens: Die Araber betrachteten ihn als Verräter. Nachdem er als Vermittler bei den Friedenskonferenzen in Paris und Kairo gescheitert war, zog er sich aus der hohen Politik zurück. Fortan beschied er sich mit der Existenz eines Berufssoldaten; in seiner Freizeit widmete er sich aufwändigen Buchprojekten. 1935 starb er bei einem Motorradunfall mit nur 46 Jahren.

 

Dennoch gilt er bis heute als legendäre Gestalt: David Leans Monumentalfilm von 1962 mit Peter O’Toole in der Hauptrolle hat ihn unsterblich gemacht. Doch die Großproduktion bereitete nur einen Mythos fürs Kino auf, der viel früher in Umlauf gekommen war. In Großbritannien wurde Lawrence seit Ende des Ersten Weltkriegs als edler Held verehrt. Diese Lichtgestalt war eine Erfindung des US-Journalisten Lowell Thomas.

 

Multimedia-Show mit «Salome» und Tenor

 

Thomas suchte nach einer Hauptfigur für seine Kriegsreportagen und lernte Lawrence Anfang 1918 in Palästina kennen. Gemeinsam besuchten sie Kriegsschauplätze, wobei der Brite bereitwillig als Fotomodell posierte.

 

Aus diesen Aufnahmen strickte Thomas eine Diaschau, die er mit allerlei Beiwerk garnierte: orientalischem Bühnenbild, Schleiertanz aus der Oper «Salome» und Gebetsrufen des Muezzin, die ein Tenor sang. Diese Multimedia-Show wurde ab 1919 ein Bombenerfolg: vier Millionen Besucher in der ganzen anglophonen Welt.

 

Bachelor-Arbeit über Kreuzritter-Burgen

 

Wer aber war die Person, die Pate für dieses Spektakel stand? Aus zahlreichen Mosaiksteinen setzt die Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum, die zuvor in Oldenburg zu sehen war, das Porträt eines Mannes mit vielen Talenten zusammen. Er war ganz anders als, aber ebenso facettenreich wie die Kunstfigur, die durch die Populärkultur geistert.

 

T.E. Lawrence wuchs als unehelicher Sohn seines Vaters auf, der mit einer Gouvernante durchgebrannt war. Der hoch Begabte begeisterte sich früh für Archäologie: Als Schüler radelte er durch Frankreich und besichtigte Bauten aus dem Mittelalter. Als Student lernte er Arabisch, bereiste die Levante und schrieb seine Bachelor-Arbeit über Kreuzritterburgen.

 

Eroberung durch Nadelstich-Taktik

 

Nach seinem Abschluss nahm er jahrelang an Ausgrabungen in Karkemiš an der türkisch-syrischen Grenze teil, wo er Max von Oppenheim kennen lernte; der Deutschen erforschte auf eigene Faust und Kosten die Ruinen von Tell Halaf. 1914 wurde Lawrence zu einer Erkundungstour auf den Sinai geschickt: Er sollte osmanische Festungen ausspionieren.

 

Der Orient-Begeisterte machte seine Sache gut; im Krieg stieg er rasch zum wichtigsten Verbindungsmann der Royal Army zu den Arabern auf. Er überzeugte Scherif Husain von Mekka, sich gegen die osmanische Herrschaft zu erheben, und setzte dessen Sohn Emir Faisal als Anführer des Aufstands ein. Doch Lawrence begnügte sich keineswegs mit der Rolle eines Drahtziehers. Mit seiner Taktik aus Nadelstichen, blitzartigen Überfällen und raschen Rückzügen gelangen ihm militärische Erfolge wie die Eroberung von Akaba am Roten Meer.


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