Ziska Riemann + Luci van Org

Lollipop Monster

Oona und Ari, einander ganz nah; Foto: Edition Salzgeber

(Kinostart: 25.8.) Form swallows function: Verspielte Erinnerungen einer Comic-Zeicherin und eines Ex-Techno-Starlets an ihre Girlie-Freundschaft können ihr Spielfilm-Debüt nicht füllen. Ein quietschbuntes Bildergewitter für kindliche Gemüter.

Die 15-jährige Ari hat es nicht leicht mit ihrer irgendwie alternativen Familie: Papa ist ein verschusselter Nerd, Mama ein harmoniesüchtiges Heimchen, und ihr Bruder terrorisiert alle mit seinen psychosomatischen Anfällen. Deshalb sucht sie die Nähe zur morbiden Oona: Nach dem Selbstmord ihres Vaters wächst sie allein bei ihrer haltlosen Mutter auf und flüchtet sich mit dem Zeichenstift in fantastische Welten.

 

Info

Lollipop Monster

Regie: Ziska Riemann/ Luci van Org, 92 min., Deutschland 2010;
mit: Jella Haase, Sarah Horvath, Sandra Borgmann

 

Offizielle Website

Das Duo ist unzertrennlich: in seiner Schwärmerei für eine Dark-Wave-Band wie im Kampf gegen Lehrer, Mitschüler und den ganzen verständnislosen Rest der Welt. Bis Ari, die als nymphomane Lolita manchen dahergelaufenen Schwanzträger vernascht, auch Oonas verhassten Onkel Lukas anbaggert – der ein Verhältnis mit Oonas Mutter hat. Das stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe, die nur durch einen gemeinsamen Ritualmord bestanden wird.


Offizieller Film-Trailer


 

Ziska Riemann ist erfolgreiche Comic-Zeicherin; Luci van Org war Anfang der 1990er Jahre Techno-Sternchen und verbricht heute im Leni-Riefenstahl-Look schwer erträglichen Dröhn-Rock à la Rammstein. In ihrem Regie-Debüt arbeiten beide gemeinsam ihre Girlie-Jahre auf.

 

Kindliche Gemüter bewahrt

 

Das gelingt ihnen optisch äußerst abwechslungsreich: Gimmicks wie Super-8-Sequenzen, animierte Passagen und eingestreute Musik-Videos jagen einander. Allerdings kann das quietschbunte Bildergewitter kaum verbergen, wie dürftig die Coming-of-Age-Handlung ist. Mehr als zusammenhanglose Episoden aus ihrer ach so wilden Jugend haben Riemann und van Org nicht zu erzählen.

 

Teenage Angst und Ärger mit den Erziehungsberechtigten mögen zeitlose Motive sein, reichen aber für einen abendfüllenden Spielfilm nicht aus. So demonstrieren die Debütantinnen nur, dass sie sich ihre kindlichen Gemüter bewahrt haben – und die eigene Adoleszenz nicht schon dadurch interessant wird, dass man damals möglichst oft die Beine breit gemacht hat.


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