Seyfi Teoman

Our Grand Despair – Unsere große Verzweiflung

Nihal, Ender und Cetin beim Liederabend. Foto: Farbfilm Verleih

(Kinostart: 4.8.) Zwei türkische Junggesellen und Busenfreunde vergucken sich in dasselbe Mädchen. Wie in «Jules und Jim» von Francois Truffaut bleibt ihre Zuneigung unerfüllt – bloß ohne dessen Humor und Esprit.

Jules und Jim in Ankara: Die beiden Junggesellen Ender und Cetin, die seit Schultagen unzertrennlich sind, verlieben sich in dasselbe Mädchen. Nihal ist die Schwester eines guten Freundes, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen.

 

Info

Our grand despair –
Unsere große Verzweiflung

 

Regie: Seyfi Teoman, 102 min., Türkei/Deutschland 2011;
mit: Ilker Aksum, Fatih Al, Günes Sayin

 

Weitere Informationen

Die Mittdreißiger nehmen den traumatisierten Teenager mitfühlend auf. Nun geschieht, was eben so passiert, wenn eine Frau in eine Männer-WG einzieht: Fortan wird die Wohnung aufgeräumt, gut gekocht, der Tisch hübsch gedeckt und beim Essen über Gott und die Welt geredet.

 

Allmählich taut Nihal auf und bezaubert Ender und Cetin. Das stellt ihre Männerfreundschaft auf eine harte Probe: Eifersuchtsanfälle waren ihnen bislang fremd. Doch die sind unbegründet: Die Angebetete verguckt sich altersgerecht in einen glutäugigen Studenten.

 

Der organisiert Uni-Proteste, trägt bei Liederabenden mit der Klampfe Selbstgedichtetes vor – und schwängert Nihal. Ihre Mitbewohner stehen ihr bei, so gut sie können; aber der Reiz unberührter Mädchenblüte ist verflogen.


Offizieller Film-Trailer, deutsch untertitelt


 

Diese Miniatur-Tragikomödie «Unsere große Verzweiflung» zu betiteln, ist fingerdick aufgetragene Ironie: Niemand schreit, schluchzt oder rauft sich die Haare, kaum fällt ein lautes Wort. Hier ist eine Türkei zu sehen, die hierzulande selten auf die Leinwand kommt: Das beschauliche Leben urbaner Intellektueller, genügsam und leicht langweilig.

 

Wie im Prenzlauer Berg

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Feinsinnig mag man es nicht nennen; dazu fehlt den Dialogen der Esprit. Geruhsam schon eher: Die Routine stören selbst Schicksalsschläge nur kurz – denen wird mit betroffenen Blicken, besänftigenden Gesten und praktischer Hilfe begegnet. Dabei kommt der Humor so leise daher, dass er fast nicht zu hören ist.

 

Schön zu sehen, dass es auch in Ankara so freundlich, zivilisiert und manierlich zugeht wie im Prenzlauer Berg. Dass dieses nett-niedliche Kammerspiel im Berlinale-Wettbewerb auftauchte, verwunderte schon bei den Filmfestspielen. Was es auf der großen Leinwand zu suchen hat, bleibt unerfindlich.


Diesen Artikel drucken