Katarzyna Rosłaniec

Shopping Girls – Galerianki

Blues im Sonderangebot: Die Girlie-Gang hängt in der Shopping-Mall ab; Foto: Peripher Filmverleih

(Kinostart: 18.8.) Für eine Handvoll Złoty: Girlies im Einkaufszentrum lachen sich Freier an, um tolle Klamotten kaufen zu können. Die simpel gestrickte Konsumismus-Kritik nimmt vorhersehbar die schlimmstmögliche Wendung.

Schulalltag in Polen Anfang des 21. Jahrhunderts: Alicja bekommt gute Noten, fühlt sich aber einsam. Am liebsten würde sie der Girlie-Gang um die rotzfreche Milena angehören. Leider fehlen ihr dazu die richtigen Accessoires: ein nagelneues Handy, teures Make-Up und nuttiger Plastik-Chic anstelle von Jeans und T-Shirt.

 

Info

Shopping Girls – Galerianki

 

Regie: Katarzyna Rosłaniec, 86 min., Polen 2009;
mit: Anna Kaczmarczyk, Dagmara Krasowska, Franciszek Przybylski

 

Weitere Informationen

Doch Milena nimmt sich ihrer an. Die Lösung sind Männer, welche die Mädels nachmittags in der Einkaufspassage aufgabeln. Für eine Handvoll Złoty machen sie die Beine breit, und schon können sie sich den bescheidenen Luxus aus den Glitzer-Geschäften in der Shopping-Mall leisten.

 

Schwanger in die Bahnhofs-Toilette

 

Was allerdings kein Genuss ohne Reue ist: Manche Freier lassen sich nicht in wenigen Minuten abfertigen. Sie werden zudringlich oder gewalttätig. Dann gibt es noch dieses Detail namens Verhütung: Einmal nicht aufgepasst, und schon ist eine Galerianka schwanger. Aus der Abkürzung ins schöne Leben wird im Nu ein Abstieg in schmierige Hinterzimmer und Bahnhofs-Toiletten.


Offizieller Film-Trailer, polnische Original-Fassung


 

Stereotypen eines Lehrfilms

 

Prostitution von Minderjährigen ist in Osteuropa weit verbreitet, wird aber meist totgeschwiegen. Dass sich Regisseurin Katarzyna Rosłaniec des heiklen Themas annimmt, verdient durchaus Respekt.

 

Dagegen weniger, wie sie das tut. Weder erklärt sie, warum die brave Alicja sich magisch vom grellen Outfit ihrer Klassenkameradinnen angezogen fühlt, noch, warum die obercoole Milena sofort diese graue Maus auf den Pfad des Verderbens führt. Alle Teenager agieren so unmotiviert, als müssten sie die Stereotypen eines Lehrfilms ausfüllen.

 

Moralinsaure Botschaft mit pikanten Reizen

 

Dementsprechend nehmen die Dinge geradewegs die jeweils schlimmstmögliche Wendung. Ernüchterung und Enttäuschung nach liebloser Entjungferung reichen nicht aus; es muss auch eine Schwangerschaft hinzukommen. Dieses simple Schuld-und-Sühne-Schema schmeckt streng nach der kleinbürgerlichen Moral, die Polen weitgehend unangefochten beherrscht – trotz allmählicher Säkularisierung: Dem katholischen Klerus dürfte der Film gefallen.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau auf Film-Zeit.

Zumal er seine moralinsaure Botschaft mit pikanten Reizen drapiert. Die Backfische takeln sich so aufreizend auf, wie es keine Bordsteinschwalbe besser hinbekäme.

 

Früher hießen solche Machwerke eher «Gefallene Mädchen»: Wohlfeil bedienten sie pädophilen Voyeurismus, indem sie armen Sünderinnen ein schreckliches Ende bereiteten. Ähnlich schaurig pädagogisch wertvoll geht es auch hier zu: ein echter Schulfilm.


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