Woo Ming Jin

Tiger Factory

Ping reinigt Geschirr im Imbiss; Foto: Aries Images
(Kinostart: 22.9.) Lakonische Leihmutter: Eine junge Chinesin in Malaysia will auswandern, braucht dafür Geld, lässt sich schwängern – und verrät den Samenspender. Totale Trostlosigkeit in ebenso tristen Bildern.

Ein Dasein aus zwei Drecksjobs: Vormittags füttert Ping Schweine in einer Zuchtfarm, nachmittags wäscht sie Geschirr in einer schäbigen Imbissbude. Die 19-jährige Chinesin lebt in Malaysia, träumt aber vom schönen Leben in Japan. Um Geld fürs Auswandern aufzutreiben, geht sie auf das Angebot der dubiosen Geschäftemacherin Madame Tien ein: Ping soll sich von einem illegal eingewanderten Burmesen schwängern lassen und das Kind austragen.

 

Info

Tiger Factory

 

Regie: Woo Ming Jin, 84 min., Malaysia / Japan 2010;
mit: Lai Fooi Mun, Pearlly Chua, Susan Lee

 

Offizielle Website

Für einen Jungen verspricht ihr Madame umgerechnet rund 1000, für ein Mädchen 600 Euro. Der erste Anlauf geht schief: Sie habe eine Totgeburt zur Welt gebracht, erklärt ihr Madame. Auch der zweite Versuch verläuft mühsam: Tag für Tag lässt sich Ping vom Burmesen besteigen, bis sie endlich befruchtet ist – und schließt dabei fast so etwas wie Freundschaft mit ihm.

 

Bis Ping erfährt, dass Madame sie hintergeht: Das erste Baby kam gesund zur Welt – ihre Kupplerin betrügt sie nur um ihren Anteil. Nun heckt die junge Leihmutter ebenso dunkle Machenschaften aus: Sie verpfeift den Burmesen an die Polizei und kassiert dafür eine Belohnung.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Der malaysische Regisseur Woo Jing Min hat sich auf schräge Sozialstudien an scheußlichen Schauplätzen spezialisiert: In «Woman on fire looks for water» von 2009 lebten die Hauptfiguren von Muschel-Bänken und Froschfang im Sumpf. Diesmal von Schweinemast und illegalem Sperma-Handel – bei Borstentieren und Menschen. Seine Problemfilme über Ostasiens Prekariat waren schon auf der Berlinale, Biennale und in Cannes zu sehen.

 

So öde wie das Leben selbst

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Doch bislang kaum im Kino: Auch «Tiger Factory» dürfte Kassengift sein. Zu spröde ist Woos Regie-Stil: Lakonisch verfolgt die Handkamera Ping durch ihren monotonen Alltag. Ausdruckslos trottet die (Laien-?)Hauptdarstellerin vom Schweinekoben zum Imbiss-Schuppen, von der Befruchtungs-Absteige zur kahlen Schlafkammer. Dialoge beschränken sich aufs Nötigste: Alle Protagonisten wirken emotional abgestumpft und moralisch verroht.

 

Wie trostlos das Schicksal ausgebeuteter Handlanger verläuft, transportiert Woo in ebenso tristen Bildern. Damit überträgt sich die Atmosphäre totaler Gleichgültigkeit auf den Zuschauer, den selbst das Monströse dieser Menschenhandel-Story nicht berührt. Keine Freude, nirgends. Aber auch kein Mitgefühl, Erschrecken oder gar Identifikation – also alles, was Kino als «Fest der Affekte» (Roland Barthes) ausmacht. Ein Film, so öde wie das Leben seiner Figuren.


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