Steven Soderbergh

Contagion

Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) wird abgeführt; Foto: Warner
(Kinostart: 20.10.) Katastrophenfilm ohne Action: Ein Killer-Virus erobert die Welt. In der virtuos inszenierten Massenpanik rund um den Globus kommen Regisseur Soderbergh seine Figuren abhanden – trotz großen Staraufgebots.

Regisseur Steven Soderbergh inszeniert, wie eine Krankheit rasend schnell die Welt erobert: eine Pandemie. Die Seuche (engl.: „Contagion“) macht weder vor Grenzen noch Kulturen halt – Parallelen zur Vogelgrippe drängen sich auf. Die unkontrollierbare Vielfliegerei der Gegenwart birgt Risiken und Nebenwirkungen, vor denen keine Packungsbeilage warnt.

 

Info

Contagion

 

Regie: Steven Soderbergh, USA 2011, 106 min;

mit: Matt Damon, Jude Law, Laurence Fishburn, Gwyneth Paltrow

 

Offizielle Website

Fluggäste tragen innerhalb weniger Stunden einen tödlichen Virus von A nach B, vom Luxus-Restaurant in Hongkong an die Haltestange in der U-Bahn bis zur Türklinke des sesshaften Vorstädters. Schutz gibt es für niemanden; Heilung ist erst möglich, wenn der Erreger identifiziert ist.

 

Soderbergh widmet seinen Katastrophenfilm dieser Angst vor dem Unkontrollierbaren. Ohne die Stereotypen gängiger Actionfilme, in denen ein Held den Kampf gegen das Übel nach vielen Opfern gewinnt, die Welt oder wenigstens seine Frau rettet, lässt er seine beinahe dokumentarisch beobachtende Kamera durch die Metropolen der Welt eilen.

 

Erst schäkern, dann sterben

 

Akribisch reiht der Film in klinisch kühlen Bildern die Gefahren der Ansteckung flink montiert aneinander. Perfide schreien seine Bilder den Zuschauer an: Diese Gefahr lauert überall. Das bekommt gleich zu Beginn der erste Star des beeindruckenden Ensembles zu spüren.

 

Eben hat Beth (Gwyneth Paltrow) noch mit namenlosen Geschäftspartnern in einem Hongkonger Edelrestaurant geschäkert. Nach einem kurzen Abstecher nach Chicago kehrt sie wieder zurück zu ihrer Familie. Kurz darauf plagt sie eine merkwürdige Krankheit. Einen gefühlten Wimpernschlag später stirbt sie – wie ihr kleiner Sohn.

 

Während ihr Mann Mitch (Matt Damon) beschließt, seine Tochter Jory und sich von der Außenwelt abzuschotten, sägen die alarmierten Ärzte Beth den Kopf auf, klappen ihre Schädeldecke um und machen sich auf die Suche nach der Ursache.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Der Schock saugt den Zuschauer tief in Soderberghs Film hinein – und setzt sich fest. Wer kann anschließend noch unbeschwert in die Nuss-Schale auf der Theke greifen oder flüchtige Bekannte umarmen? Mit nur allzu menschlichen Schwächen versieht Soderbergh auch seine Protagonisten.

 

Klischee des verantwortungslosen Panikmachers

 

So warnt der US-Seuchenexperte Dr. Elis Carver (Laurence Fishburn) gegen jede professionelle Vernunft seine Angehörigen, und die pubertierende Jory verzehrt sich trotz der Gefahr nach ihrem Liebsten. Dabei kommt der Film nicht ohne Massenpanik und Anarchie aus. Ebenso wenig ohne Zerrbilder: Der Blogger Alan Krumwiede (Jude Law), der die Katastrophe ahnt, gerät arg klischeehaft – wie man sich einen verantwortungslosen Panikmacher vorstellt.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Im Vergleich zu Soderberghs Meisterwerken wie seinem Debüt „Sex, Lügen und Video“ (1989), dem Drogenhandel-Thriller „Traffic“ (2000) oder dem Kassenschlager „Ocean’s Eleven“ (2001) fällt „Contagion“ deutlich ab. Zwar besticht auch dieser Film durch eine fantastische Kameraführung, aber die Liebe zu seinen Figuren scheint dem Regisseur abhanden gekommen zu sein: Beinahe achtlos führt er diese ein und lässt sie wieder abtreten.


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