Berlin

Hokusai – Retrospektive

Kajikazawa in der Provinz Kai, aus der Serie: 36 Ansichten des Berges Fuji (Detail), um 1831, Foto: © Sumida City

Einer der bedeutendsten Künstler aller Zeiten: Hokusai hat das Leben im alten Japan in formvollendeten Bildern verewigt. Seinem Riesenwerk widmet der Martin-Gropius-Bau die erste Retrospektive in Deutschland.

Hokusai ist das alte Japan und umgekehrt. Was sich die übrige Welt unter klassischer japanischer Kultur vorstellt – Samurai und Geishas, Origami und Ikebana, Kabuki-Theater und Tee-Zeremonie, Shinto-Tempel und Fujijama – beruht vorwiegend auf dem Bilderkosmos von Katsushika Hokusai (1760 – 1849). Er war der beste und berühmteste, am meisten bewunderte und am häufigsten nachgeahmte Künstler der Edo-Zeit (1605 – 1853) – und das alles schon zu Lebzeiten.

 

Info

Hokusai – Retrospektive

 

26.08.2011 – 31.10.2011
täglich außer dienstags 10 – 20 im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Berlin

 

Katalog 25 €

 

Weitere Informationen

Sein Ruhm gründet vor allem auf seiner immensen Produktivität. 4.000 Zeichnungen enthalten allein seine 15 Bilder-Handbücher Hokusai manga, mit denen er jedermann das Malen beibringen wollte. Nach ihrem Vorbild heißen japanische Comics bis heute «Mangas».

 

Außerdem fertigte Hokusai mehrere Tausend Vorlagen für Farbholzschnitte an. Sie wurden in arbeitsteiligen Verfahren von Spezialisten ausgeführt und mit bis zu 15 Farben gedruckt. Er verfasste selbst Gedichte, illustrierte kostbare Privatdrucke und entwarf auch zahlreiche Muster und Dekore für Weber und Handwerker. Da fallen seine rund 150 Gemälde, die nur zum Teil erhalten sind, zahlenmäßig kaum ins Gewicht.

 

Der vom Malen Besessene

 

Der Sohn eines Hof-Spiegelgießers, der in einem Händler-Viertel der Hauptstadt Edo (heute: Tokyo) aufwuchs, widmete sein Leben ausschließlich der Malerei. In seiner langen Laufbahn wechselte er 30 Mal den Künstlernamen – zwei Mal nannte er sich «der vom Malen Besessene» (Gakyôjin). Persönlich anspruchslos, hauste er in Mietskasernen und pinselte den ganzen Tag im einfachen Baumwoll-Kimono; sein Essen bestellte er in Lieferküchen.

 

Impressionen der Ausstellung

 



 

Doch seine Werke zeigen die Fülle der Welt in verschwenderischer Formenvielfalt. Hokusai war von chamäleonhafter Wandlungsfähigkeit; er passte seinen Stil dem jeweiligen Motiv und Medium an. Dabei war er sehr experimentierfreudig. Durch importierte Drucke lernte er die europäische Zentralperspektive und Schattierungs-Technik mit Schraffuren kennen; beides eignete er sich meisterhaft an. Am stärksten beeindrucken jedoch seine ukiyo-e.

 

Genre-Szenen für 1,2 Millionen Einwohner

 

«Bilder der fließenden, vergänglichen Welt» nannte man in Japan Gebrauchs-Grafik mit Genre-Szenen. Sie wurde ab Mitte des 18. Jahrhunderts in großen Auflagen hergestellt und günstig an eine breite Kundschaft verkauft. Bereits um 1700 zählte Edo rund 1,2 Millionen Einwohner und war eine der größten Städte der Erde: In der Residenz des Shôgun liefen alle Fäden des von der Außenwelt abgeschotteten Inselreichs zusammen.

 

Wie unter Louis XIV. der französische Hochadel am Hof von Versailles mussten Japans Fürsten (Daimyō) in Edo wohnen; versorgt von zahllosen Kaufleuten, Handwerkern und Künstlern. Das reiche und spendierfreudige Publikum von Edo ließ Künste und Vergnügungen aufblühen.


Diesen Artikel drucken