Sandrine Kiberlain

Nur für Personal!

Auf der Suche nach dem perfekten Weich-Ei: Maria (Natalia Verbeke) serviert Monsieur Joubert (Fabrice Luchini) sein Frühstück. Foto: © 2011 Concorde Filmverleih GmbH

(Kinostart : 3.11.) Das hat der 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbe-Abkommens nicht verdient: Ein fades französisches Lustspiel verbrüdert sich gönnerhaft mit spanischen Gastarbeiterinnen.

Der Dreck muss weg: Tagein, tagaus putzt Germaine die mit edlen Möbeln und Accessoires vollgestopfte Großbürger-Wohnung von Suzanne (Sandrine Kiberlain) und ihrem Göttergatten Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini). Als die alte Perle kündigt, muss ein neues Dienstmädchen her. Es kann Anfang der 1960er Jahre nur aus Spanien kommen: Francos Diktatur exportiert billige Arbeitskräfte nach ganz Westeuropa.

 

Info

Nur für Personal! –
Les femmes du 6ème étage

 

Regie: Philippe Le Guay, Frankreich 2010, 106 min.;
mit: Natalia Verbeke, Fabrice Luchini, Sandrine Kiberlain

 

Website zum Film

Die Jouberts engagieren Neuankömmling Maria (Natalia Verbeke). Charmant und zupackend nimmt sie rasch den Hausherrn für sich ein: Endlich bekommt er sein Dreieinhalb-Minuten-Frühstücks-Ei à la minute! Jean-Louis steigt ihr nach und landet unter dem Dach. In der sechsten Etage hausen alle spanischen Dienstmädchen, die den feinen Herrschaften die Hausarbeit abnehmen.

 

Kaffeeklatsch und Kirchgang

 

Für den unbeholfenen Börsenmakler öffnet sich ein Feenreich: Indem er ihr Plumpsklo (!) reparieren lässt, gewinnt er die Gunst der Damen. Bald verbringt er mit ihnen seine gesamte Freizeit und teilt ihre bescheidenen Vergnügungen: Kaffeeklatsch, Kirchgang und Picknick im Park.

 

Seine zickige Gattin glaubt an eine Affäre und wirft ihn aus der Wohnung. Nun zieht Jean-Louis in eine Dachkammer zu seinen neuen Freundinnen– und als Maria mit ihren Ersparnissen nach Spanien zurückkehrt, ruht und rastet er nicht, bis er sie in seine Arme schließen darf.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Edelmütiger Finanz-Kapitän erobert zartes Geschöpf mit reinem Herzen: Das klingt nach Groschenroman der vorletzten Jahrhundertwende und sieht auch so aus. Der Muff aus 1000 Jahren blasierter französischer Bourgeoisie verklebt alle Szenen dieser Sozialkitsch-Schmonzette.

 

Kettenrauchende kommunistische Kollegin

 

Frankreichs populärster Stoffel-Schauspieler Fabrice Luchini passt als rührseliger Galan im zweiten Frühling perfekt in diese plüschig ausgepolsterte Spießer-Hölle. In der Rolle seiner Frau ist dagegen Sandrine Kiberlain total fehlbesetzt: Die feingliedrige, sonst so nuanciert agierende Charakter-Darstellerin wird zur kreischenden Karikatur einer überspannten höheren Tochter mit Prestige-Fimmel.

 

Gegen die unerträglich gönnerhafte Sicht des Films auf das gemeine Volk kann auch Natalia Verbeke als grundsolide Gastarbeiterin nichts ausrichten. Ebenso wenig ihre Kolleginnen, unter denen einzig Carmen (Lola Dueñas) angenehm auffällt: als kettenrauchende Kommunistin, die lieber die Parteizeitung «Humanité» liest, anstatt den Rosenkranz zu beten.

 

Franc-Scheine für Paella-Fresser

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine kultiversum-Rezension des Films „Mademoiselle Chambon“ mit Sandrine Kiberlain in der Hauptrolle

 

und hier eine Rezension des Films „Das Schmuckstück“ – in den Hauptrollen: Catherine Deneuve und Fabrice Luchini.

Kaum zu glauben, dass ein Vierteljahrhundert nach Spaniens EU-Beitritt ein solches krypto-rassistisches Machwerk ins Kino kommt. Offenbar träumt das krisengeschüttelte Frankreich von der guten alten Kolonialzeit, als Algerien noch zum Mutterland gehörte und die Paella-Fresser wussten, wo ihr Platz ist. Dorthin warf man ihnen gerne ein paar Franc-Scheine zu.

 

Ebenso unfassbar, dass diese behäbige Klischee-Kanonade im Wettbewerb der letzten Berlinale lief – außer Konkurrenz. Zu Recht: Ihre abgeschmackte Fadheit ist kaum zu überbieten. Das haben unsere ausländischen Mitbürger als Begleitmusik zur Feier des 50. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbe-Abkommens wahrlich nicht verdient.


Diesen Artikel drucken