Kassel

Wiedereröffnung der Neuen Galerie

Außenansicht mit Portal der Neuen Galerie; Foto: MHK / Werner Huthmacher
Endlich! Nach fünfjähriger Umbau-Pause ist die Neue Galerie in Kassel fertig renoviert: 2012 zeigt sie Teile der documenta, der weltgrößten Ausstellung von Gegenwartskunst. Die Sanierung wirkt gelungen; die Präsentation der Sammlung verwirrt.

Nach Berlin, Dresden und München verfügt Kassel über den viertgrößten Museums-Verbund in Deutschland: 2006 wurden die Baudenkmäler und Parkanlagen der nordhessischen Stadt zur «Museumslandschaft Hessen Kassel» (MHK) zusammengefasst.

 

Info

Neue Galerie

 

ab 25.11.2011
täglich außer montags 10 bis 17 Uhr, Schöne Aussicht 1, Kassel

 

Katalog 24,95 €, im Buchhandel 29,95 €; Bildband zur Architektur 19,95 €

 

Weitere Informationen

Weblog zur Wiedereröffnung

Für eine umfassende Sanierung dieses lange vernachlässigten Gesamtkunstwerks stellte die Landesregierung 200 Millionen Euro bereit. Davon merkte man bislang wenig. Da die Neue Galerie vor fünf und das Landesmuseum vor drei Jahren wegen Renovierung geschlossen wurden, war von den drei wichtigsten Museen bislang nur Schloss Wilhelmshöhe mit der Gemäldegalerie Alte Meister zugänglich.

 

Gut Ding will Weile haben: Der Umbau der Neuen Galerie für 23 Millionen Euro ist endlich abgeschlossen. Sie hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Der zweigeschossige Riegelbau wurde 1871 bis 1877 errichtet. Architekt Heinrich von Dehn-Rotfelser nahm sich die Alte Pinakothek in München von Leo von Klenze zum Vorbild – einschließlich üppiger Fassaden- und Innen-Dekoration.

 

Interview mit Bernd Küster,
Direktor der «Museumslandschaft Hessen Kassel»,
und Impressionen aus der Neuen Galerie samt Daueraustellung

 



 

1943 brannte das Museum nach einem Bombentreffer völlig aus. Erst 1976 war es wiederhergestellt: mit schwarzen Marmor-Platten, holzverschalten und tapezierten Wänden sowie Teppichboden im damaligen Zeitgeschmack. Diese dunkle und leicht muffige  Gestaltung hat das Büro Staab Architekten radikal entfernt. Volker Staab ist für kühne Lösungen bekannt:  Im Dresdener Albertinum integrierte er das Depot zum Schutz vor Hochwasser ins Dach.

 

Mehr Licht, Luft und Sonne

 

In der Neuen Galerie hat Staabs Team das zentrale Treppenhaus nach vorne an den Eingang verlegt. Dadurch wird nicht nur die historische Raumfolge wieder erfahrbar. Eine raffinierte Oberlicht-Konstruktion in der Decke, die sich automatisch auf das jeweilige Wetter einstellt, lässt auch mehr Tageslicht als bisher herein.

 

Es fällt auf strahlend weiß getünchte Wände mit hellgrau geschliffenem Beton-Boden in Terrazzo-Optik: Nun wirken die Säle größer und einladender als früher. Die ausgestellten Gemälde und wenigen Skulpturen blühen auf; ihre Farben leuchten.

 

Luxus-Loggien zum Lustwandeln

 

Seiner Postanschrift « Schöne Aussicht 1» macht das Museum jetzt alle Ehre: Auf der Südseite beider Etagen laden leere Galerien mit freiem Blick auf den Barock-Park Karlsaue und ins nordhessische Umland zum Lustwandeln ein. Diese Luxus-Loggien gehen nicht zu Lasten des Nutzwertes: Die nun voll klimatisierte Ausstellungs-Fläche wurde auf 3000 Quadratmeter erweitert und erlaubt künftig auch Sonder-Schauen im Untergeschoss.

 

Ebenso verändert hat sich die gezeigte Auswahl aus der ständigen Sammlung. Kunst aus dem 18. Jahrhundert lagerte Museumsleiterin Marianne Heinz ins Schloss Wilhelmshöhe aus. Stattdessen beginnt der Rundgang nun mit drei «Auftakträumen» zu den «drei Standbeinen des Hauses»: Malerei des 19. Jahrhunderts, der documenta-Geschichte seit 1955 und zeitgenössischer Kunst.   

 


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