Frankfurt am Main

Alte Meister 1300 – 1800 im Städel Museum

Eines der ersten Ölbilder der Kunstgeschichte - Jan van Eyck (1390–1441): Lucca-Madonna, um 1437. Foto: Städel Museum

Mainhattan hat seine Alten Meister wieder: Das Städel eröffnet den umgebauten Museums-Flügel für Spitzenwerke aus fünf Jahrhunderten. In satten Farben mit spektakulären Neuzugängen – ein Fest fürs Auge.

Die Banken-Metropole bekommt wieder Anschluss an die Kunstgeschichte: Das Städel Museum hat im Altbau den neu gestalteten Main-Flügel für seine Sammlung Alter Meister fertig gestellt. Als zweite von drei Etappen seiner Wiedereröffnung nach 15-monatiger Umbaupause: Der Garten-Flügel für die klassische Moderne ist seit Mitte November zugänglich, der Erweiterungsbau für Gegenwartskunst wird im Februar 2012 eingeweiht.

 

Info

Alte Meister 1300 – 1800 im Städel Museum

 

ab 15.12.2011
täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 21 Uhr im Städel Museum, Schaumainkai 63, Frankfurt

 

Katalog 35 €

 

Weitere Informationen


Dass diese Salami-Taktik dem Städel drei glänzende Auftritte in den Medien beschert, dürfte ganz im Sinne des umtriebigen Museums-Direktors Max Hollein sein. Wie bei einem traditionellen Triptychon ist aber die mittlere Bild-Tafel die schönste: 375 unvergängliche Meisterwerke präsentieren sich im strahlend farbenprächtigen Gewand.

 

Als Hommage an den Museums-Stifter Johann Friedrich Städel (1728 – 1816) begrüßt den Besucher eine Eingangswand in so genannter «Petersburger Hängung»: Wie in der Eremitage sind Gemälde aus der Kollektion des Kaufmanns in mehreren Reihen neben- und übereinander angeordnet. Eine Dekor-Tapete aus Bildern, deren oberste Reihe kaum zu erkennen ist – bereits das 18. Jahrhundert kannte die lustvolle Reizüberflutung.

 


Interview mit Städel-Direktor Max Hollein und Impressionen aus der deutschen und italienischen Abteilung


 

 Klein- und Mittelformate dominieren

 

Von ursprünglich 500 Werken in Städels Sammlung wurden schon im 19. Jahrhundert mehr als 400 verkauft, um bessere Stücke zu erwerben – mit ausdrücklicher Zustimmung des Stifters, der als Bankier dem Prinzip Gewinn-Maximierung verpflichtet war. Trotzdem hat sich der Bestand seine bürgerliche Herkunft bis heute bewahrt: Kleine und mittlere Formate dominieren – riesige Ölschinken waren eher bei renommiersüchtigen Fürsten beliebt.

 

Durch gezielte Zukäufe entstand im Lauf von zwei Jahrhunderten ein repräsentativer Querschnitt durch die europäische Kunstgeschichte, gespickt mit berühmten Hauptwerken. Insbesondere die altniederländische Malerei aus dem frühen 15. Jahrhundert ist im Städel hervorragend vertreten. Für die Erfinder-Generation der Ölmalerei wie Jan van Eyck, Rogier van der Weyden oder Hans Memling wurde die Rotunde umgebaut.

 

Grün für Deutsche, Rot für Italiener

 

Nun ist sie ein würdiger Schauraum für van Eycks «Lucca-Madonna», «Ecce Homo» von Hieronymus Bosch oder den «Schächer zur Linken Christi» des Meisters von Flémallen. An beiden Seiten führen Durchgänge in großzügige Oberlicht-Säle, die von Kabinett-Räumen gesäumt werden. Zur Orientierung dient ein Farb-Leitsystem in kräftigen Tönen: Deutsche Malerei hängt vor sattem Grün, Niederländer und Flamen sind dunkelblau eingerahmt, während die romanischen Schulen von tiefem Rot eingefasst werden.

 


Interview mit Jochen Sander, Leiter der Sammlung Alter Meister, und Impressionen der niederländischen und flämischen Schulen


 

Luther trifft auf Freund Melanchthon

 

In den Kabinetten wurden die Fenster verkleidet, um mehr Hängefläche zu gewinnen. Eine raffinierte Lichtführung sorgt dennoch für ausreichende Helligkeit. Klima-Anlagen wurden in ausladende Leder-Bänke integriert, auf denen man verweilen kann. Diese edle Möblierung wird ausgiebig genutzt werden, denn angesichts der Fülle von Spitzenwerken dürfte mancher Rundgang länger ausfallen als geplant.

 

Drei Neuerwerbungen sind erstmals zu sehen: in der deutschen Abteilung ein 2010 angekauftes Luther-Porträt von Lucas Cranach d. J. als Pendant zu seinem Bildnis von Philipp Melanchthon, das seit langem im Besitz des Städels ist. Beide Reformatoren und Freunde hängen nun nebeneinander; sie blicken auf den monumentalen «Dominikaneraltar» von Hans Holbein d.Ä., dessen Werktags-Seite und Sonntags-Öffnung je eine Längswand füllen.

 


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