Berlin

Mythos Goldenes Dreieck – Bergvölker in Südostasien

Mien-Dorfbewohnerin mit Kind aus Nordlaos, 2009; © Staatliche Museen zu Berlin; Ethnologisches Museum, Foto: Martine Augait

Aus dem Mekka für Drogensüchtige kommt kaum noch Opium, doch es bleibt ein Armenhaus: Die Ethnologischen Museen stellen traditionelle Kulturen im Grenzgebiet von Thailand, Burma und Laos anschaulich vor.

Beim Begriff „Goldenes Dreieck“ bekamen die Junkies der 1970/80er Jahre glänzende Augen: Aus dem Grenzgebiet zwischen Thailand, Laos und Myanmar (Burma) kam das reinste und wirksamste Opium der Welt. Diese Region haben mittlerweile Afghanistan und Pakistan als wichtigste Lieferländer des Ausgangsstoffs für Heroin abgelöst. Frühere Opium-Bauern in Südostasien bauen heute meist Gemüse, Tee oder Schnittblumen für den Export an.

 

Info

Mythos Goldenes Dreieck – Bergvölker in Südostasien

 

ab 16.12.2011 bis auf weiteres
täglich 10 bis 18 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr im Ethnologischen Museum, Lansstraße 8, Berlin-Dahlem

 

Weitere Informationen


Dabei sind sie arm geblieben: Sie gehören ethnischen Minderheiten an, die von der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung benachteiligt werden. Sechs dieser so genannten „Bergvölker“ stellt das Ethnologische Museum exemplarisch vor. Es nutzt den „Mythos Goldenes Dreieck“, um Besucher mit Opiumträumen von Schmugglern und Drogenbaronen anzufixen: Gezeigt werden jedoch vorwiegend Foto- und Filmdokumente, Kleidung und Alltagsgegenstände.

 

Massen-Tourismus breitet sich aus

 

Sie zählen zu einer Sammlung von 2000 Objekten, die das Museum 1986 ankaufte. Damals konnten Abenteuerlustige noch hochwertige Stücke im unwegsamen Bergland erwerben: Thailands Grenzgebiet war schwer zugänglich, das benachbarte Terrain in Laos und Myanmar für Ausländer gesperrt. Das hat sich geändert: Die Region ist weitgehend erschlossen, Massen-Tourismus breitet sich von Thailand in die Nachbarstaaten aus.


Interview mit Kurator Roland Platz über die Bedeutung von Opium und den Wandel in der Region sowie Impressionen der Ausstellung


 

Der Reis-Seele für reiche Ernten opfern

 

Dennoch haben sich viele Bergvölker ihre traditionelle Lebensweise bewahrt. Sie siedeln in kleinen Dörfern in Höhenlagen und betreiben Subsistenzwirtschaft. Ihr Haupt-Nahrungsmittel ist Bergreis, der nur durch Regen bewässert wird. Für eine reiche Ernte opfern die Karen, mit 4,5 Millionen die größte Ethnie in der Region, der Reis-Seele. Ahnen-Kulte betreiben alle Bergvölker. Ansonsten bekennen sie sich zu verschiedenen Religionen: Die Karen sind teils christlich, teils buddhistisch, andere Gruppen animistisch; die Mien huldigen dem chinesischen Daoismus.

 

Sie wanderten wie auch die Hmong, Lahu, Lisu und Akha erst Anfang des 20. Jahrhunderts aus Südchina in die Region ein. Ihre Sprachen sind wie Chinesisch tonal: Silben ändern in unterschiedlichen Tonhöhen ihren Sinn. Ihre kulturelle Eigenständigkeit drückt sich vor allem in aufwändig geschmückter Kleidung aus, die jede Familie selbst herstellt: Alle Bergvölker und ihre Untergruppen bevorzugen eigene Farben und Muster.

 

Jüngere Entwicklungen ausgeblendet

 

Die Entkolonialisierung Indochinas bekam ihnen schlecht: Die nun unabhängigen Titularnationen wollen sie mehr oder weniger gewaltsam assimilieren. Während die Karen in Myanmar seit 60 Jahren einen Guerilla-Krieg um ihre Autonomie führen, wurden die Hmong in Laos vom CIA als US-Fußtruppen gegen den kommunistischen Pathet Lao eingesetzt. Nach dem Sieg der Kommunisten flohen viele Hmong ins Ausland; rund 60 kamen in die Bundesrepublik.

 

Diese fatalen Folgen des Vietnam-Kriegs dokumentiert die Schau ausführlich. Dagegen bleiben jüngere Entwicklungen ausgespart: der Machtkampf zwischen Monarchisten und Populisten in Thailand ebenso wie Radikal-Reformen des neuen Präsidenten Thein Sein in Myanmar, der die versteinerte Militär-Diktatur aufbricht, in ihren Auswirkungen auf die Bergvölker.

 

Mag sein, dass die sich noch nicht umfassend beurteilen lassen, doch ihre Erwähnung hätte die Aktualität der Schau verdeutlicht. So begnügt sie sich mit einem kundigen Überblick aus wissenschaftlicher Distanz – vom künftigen Humboldt-Forum wird mehr erwartet.


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