Apolda + Aschaffenburg

Reiselust und Sinnesfreude

Lovis Corinth: Bildnis Charlotte Corinth, 1912, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. Foto: ohe

Gegengift gegen graue Wintertage: 100 farbenfrohe Werke von Liebermann, Corinth und Slevogt in einer abwechslungsreichen Ausstellung. Ohne wissenschaftlichen Anspruch – einfach ein herrlicher Augenschmaus des Impressionismus.

Bunte Blütenpracht in üppigen Blumen-Beeten, Badespaß am Meer oder schlicht ein Tennis-Match im Sonnenschein: Wer sehnte sich nicht danach im nasskalten Winter? Für alle, die sich derzeit eine Flugreise in den warmen Süden nicht erlauben können, bietet Apolda eine günstige Alternative: Das Kunsthaus zeigt einen farbenfrohen Querschnitt aus den Werken der drei bedeutendsten Maler des Impressionismus in Deutschland.

 

Info

Reiselust und Sinnesfreude

 

11.09.2011 – 18.12.2011
täglich außer montags 10 bis 18 Uhr im Kunsthaus Apolda Avantgarde, Bahnhofstraße 42, Apolda, Thüringen

 

Katalog 19 €, hier bestellen

 

Weitere Informationen

 

21.01.2012 – 09.04.2012
dienstags 14 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr in der Kunsthalle Jesuitenkirche, Pfaffengasse 26, Aschaffenburg

 

Weitere Informationen

Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt waren den schönen Seiten des Daseins sehr zugetan: Sie feierten auf farbenprächtigen Leinwänden die Fülle der Erscheinungen. Ihr ewiges Spiel der Farben und Formen bringen rund 100 Ölgemälde, Aquarelle und Grafiken in immer neuen Variationen zur Anschauung – ein Fest fürs Auge.

 

Umzug in die Kultur-Kapitale

 

Wobei das «Dreigestirn des deutschen Impressionismus» mehr verband als nur seine Lebenslust. Liebermann, 1898 Mitgründer der «Berliner Secession», bewog drei Jahre später Corinth und Slevogt zum Umzug aus München in die Reichshauptstadt. Berlin war bereits um die vorvorige Jahrhundertwende die Kultur-Kapitale Mitteleuropas. Theater-Aufführungen, Variété-Spektakel, Tanz- und Sport-Veranstaltungen jagten einander – wie heute.


Impressionen der Ausstellung


Marzipan-Torte in Öl

 

Mittendrin die drei Maler: Liebermann war begeisterter Pferdesport-Fan – er hielt Rennen und Polo-Turniere in zahlreichen Bildern ebenso fest wie Sport und Spiel an Nordsee-Stränden. Corinth gab sich eher handfesten Genüssen hin: Fast 80 Mal porträtierte er die kurvigen Rundungen seiner Gattin Charlotte, geborene Behrend.

 

Oder er malte Tafelfreuden – selbst eine «Königsberger Marzipan-Torte» fand er bildwürdig. Vermutlich, weil sie ihn an seine Kindheit in Ostpreußen erinnerte. Offenbar war er für jeden Jux zu haben: Ein historisches Foto zeigt ihn als Bacchus verkleidet mit Weintrauben auf dem Kopf.

 

Ägypten-Aquarelle im gleißenden Licht

 

Slevogt beschäftigte eher die Einbindung von Figuren in Landschaften. Dafür reiste er viel: 1914 erfüllte er sich einen Lebenstraum und fuhr nach Ägypten. Dort skizzierte er Aquarelle von sprühender Farbigkeit, die im Licht zu gleißen scheinen. Ähnlich wie sein expressionistischer Kollege August Macke und Paul Klee, die zur selben Zeit Tunis besuchten: Ihr Nordafrika-Aufenthalt veränderte ihre Palette für immer.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier einen Bericht über die Wiedereröffnung der Neuen Galerie in Kassel mit Meisterwerken von Lovis Corinth

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung „Albert Weisgerber: Malerei“ – eine Wiederentdeckung des früh verstorbenen Impressionisten – im Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm.

 

und hier eine kultiversum-Rezension der Kabinett-Schau „Max Liebermann – ein öffentlicher Kopf“ in der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee.

Unterschiedliche Interessen spiegeln sich in verschiedenen Malweisen nieder: Liebermann pflegte eine nervös-fahrige Pinselführung, die seine Motive in Bewegungen auflöst. Corinths Gemälde prägt sein kraftvoll pastoser Farbauftrag, der in Richtung Abstraktion geht. Slevogt war ein stilvoller Meister delikater Balancen: Er setzte Akzente mit sparsamen Konturen und Auslassungen.

 

Avantgarde war anderswo

 

Feiert das Trio in den 1910er Jahren noch neue Errungenschaften der Epoche, wirken Bilder, die nach dem Ersten Weltkrieg entstehen, eher rückwärtsgewandt.  Die etablierten Maler-Fürsten waren nun zwischen 50 und 71 Jahre alt und weilten vorwiegend auf ihren Landsitzen.

 

Von dort aus gaben sie den Staffel-Stab des Fortschritts in der Kunst an Jüngere weiter: Avantgarde war anderswo. Doch die gesetzten Herrschaften schufen immer noch herrliche Kompositionen. Die das Kunsthaus Apolda mit etlichen Leihgaben in verschwenderischer Vielfalt zusammen getragen hat.


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