Rolf Eden

Harte Rollen liegen ihm

81 Jahre Lebenslust: Rolf Eden heute, gut behütet. Foto: privat

In seinem Film ist er der Star: «The Big Eden» bebildert Rolf Edens Laufbahn als Playboy und Regisseur seines Lebens mit Privat-Material. Ein Gespräch über visuelle Tagebücher, Nachtleben-Erotik und verständnisvolle Verwandte in Israel.

Die Doku «The Big Eden» über Sie ist am Donnerstag in den Kinos angelaufen und bekommt wohlwollende bis euphorische Kritiken. Sie waren bei der Premiere dabei: Wie gefällt Ihnen Ihr Porträt auf der Leinwand?

 

Ich finde den Film sehr gut gemacht. Er hat mich wirklich berührt, weil darin viele Dinge aus meiner Vergangenheit auftauchen, die ich selbst schon vergessen hatte. Regisseur Peter Dörfler hat alle wichtigen Stationen meines Lebens treffend dargestellt und Leute, die mit mir zu tun hatten, sehr gut interviewt. Ich bin sehr zufrieden – auch mit dem Presse-Echo.

 

Fünf Sterne für Bett-Gespielinnen

 

Sie sind begeisterter Hobby-Filmer und haben oft Momente Ihres Lebens filmisch festgehalten – «The Big Eden» zeigt das in Ausschnitten. Wieviel Material haben Sie im Laufe der Jahre gedreht?

 

 

Info

 

The Big Eden

 

Regie: Peter Dörfler, Deutschland 2010, 90 min.;
mit, über und für: the one and only Rolf Eden

 

Website zum Film

 

Ich habe ein sehr großes Film-Archiv, denn ich war mir sicher, dass ich dieses Material irgendwann benötigen würde – für einen Film oder ein Buch. Nächstes Jahr wird meine Autobiographie erscheinen. Dafür nutze ich das Archiv, um Erinnerungen aufzufrischen.

 

Sie benutzen Ihr Film-Archiv als visuelles Tagebuch?

 

Genau: Ich habe nie schriftlich Tagebuch geführt, aber immer viel gefilmt. Außerdem schreibe ich mir in einem kleinen Kalender auf, mit welcher Dame ich geschlafen habe, und ob sie gut oder schlecht war. Ich vergebe auch Sterne von eins bis fünf, damit ich nachschlagen kann, wie die junge Dame war, wenn ich mal wieder mit ihr schlafen will.

Auszüge des Interviews mit Rolf Eden


 

Biopic mit Sohn in der Hauptrolle

 

Sie besitzen eine ganze Schrankwand voller Filme, wie in «The Big Eden» zu sehen – von Super-Acht-Rollen bis zu DVDs. Sehen Sie sich in Ihrer Freizeit diese Filme auch an?

 

Hin und wieder gucke ich mir das an, wenn ich nichts Besseres zu sehen bekomme. Das mache ich mindestens einmal pro Woche. Dabei erinnere ich mich, was ich damals erlebt und welche junge Dame ich im Arm gehabt habe. Es ist schön, wenn man sich das in einem gewissen Alter ansehen kann.

 

Planen Sie, ihr Film-Archiv –  abgesehen von «The Big Eden» – noch auf andere Art zu verwerten?

 

Peter Dörfler und ich werden im kommenden Jahr einen Spielfilm über mein Leben drehen. Darin werden meine Kinder mich im jeweiligen Alter spielen – also mein 15-jähriger Sohn als Jugendlicher. Außerdem haben wir einen guten Schauspieler gefunden, der mir sehr ähnlich sieht und mich als Erwachsenen verkörpern wird.

 

Theater-Bühnen sind zu langweilig

 

In Ihrem Büro hängt eine Titelseite der Zeitschrift «Filmblätter» von 1968 mit Ihnen als Cover-Boy und der Schlagzeile «Harte Rollen liegen ihm…». Wären Sie gerne professioneller Schauspieler geworden? 

 

Ich bin Schauspieler: Ich habe in 26 Spielfilmen mitgespielt, darunter große Hauptrollen. Ich habe auch auf der Bühne gestanden, etwa im «Theater am Kurfürstendamm», aber nicht sehr oft: Es war mir zu langweilig, immer wieder dasselbe zu quatschen. Ich habe selbst auch ein Theater betrieben. Wo sich jetzt die Schaubühne befindet, war mein «Eden Theater» – allerdings ohne eigenes Ensemble, nur mit Gastspielen.

Dort gastierte «Boys in the band», das erste schwule Stück auf einer deutschen Bühne. Es lief ganz fantastisch, weil Gott sei Dank so viele Schwule in Berlin leben. Außerdem haben wir ein Jahr lang das Musical «Hair» gespielt – ebenfalls mit Riesen-Erfolg. Eigentlich war das nicht meine Branche, doch ich hatte Glück: Die Stadt hat mir das Haus für viel Geld abgekauft und daraus die Schaubühne gemacht.

 

Hat es Sie jemals gereizt, einen großen Spielfilm mit hohem Budget zu drehen?

 

Überhaupt nicht, das ist nicht mein Metier. Ich stehe lieber vor als hinter der Kamera – es war wichtige Werbung für mich. Die Leute sahen mich im Kino und sagten sich: «Ach, da ist der olle Eden – da müssen wir heute Abend hin!» Ich besaß damals sechs große Amüsier-Betriebe am Kurfürstendamm: Jeder hatte eine Kapazität von 300 bis 400, in einem fanden sogar 800 Leute Platz. Da musste ich darauf achten, in Presse und Öffentlichkeit präsent zu sein.

 

Alleine wie Affen in der Disko

 

Die Original-Ausschnitte im Kinofilm zeigen, wie Sie und Ihr gesamtes Umfeld sich verändert haben: Mode, Kleidung und Gesten – ein Panorama vergangenen Nachtlebens.

 

Das hat sich stark verändert. Wenn die Leute heute in Diskotheken tanzen, stehen sie alleine wie die Affen herum. Früher musste man Damen noch in die Arme nehmen. Auch die Musik war völlig anders – das waren Melodien! (singt: «Strangers in the night…») So etwas gibt es heute leider fast gar nicht mehr.

 

Ingrid Steeger als Go-Go-Girl

 

Sie haben das Berliner Nachtleben von den 1960er bis in die 1990er Jahre hinein völlig dominiert oder doch zumindest entscheidend geprägt. Wie ist Ihnen das gelungen – was ist der Eden-Touch?

 

Bevor ich nach Berlin kam, lebte ich Mitte der 1950er Jahre in Paris und hatte dort mehrere Engagements als Bar-Pianist. Dabei war ich jede Nacht unterwegs – wie heute auch noch – und habe mitbekommen, was angesagt ist und gut läuft. Davon habe ich vieles in Berlin eingeführt. Die Brauereien gaben mir großzügig Kredit – ebenso wie meine Hausbank. Dadurch konnte ich alle drei Jahre einen neuen Club aufbauen.

 

Jeder von ihnen gehörte einem anderen Genre an, denn ich wollte mir natürlich nicht selbst Konkurrenz machen. Alle lagen am Kurfürstendamm; hier war am meisten los, was viele Touristen anzog. Reiseführer beschrieben enthusiastisch meine Clubs. Damals waren noch Truppen der West-Alliierten in Berlin stationiert: Die lasen das, und wir konnten uns vor Gästen kaum retten. Unsere größte Sensation war im «Eden Playboy Club» eine Oben-ohne-Dame als Diskjockey; diesen Gag wollten viele Leute sehen. Auf einer Drehbühne tanzten drei Go-Go-Girls, eine davon war Ingrid Steeger. So haben wir jeden Abend 500 bis 600 Plätze gefüllt.

 


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