Pjotr Buslov

Wyssozki – Danke, für mein Leben

Stilleben mit Wassermelone (li. oben) und mittelasiatischem Saiten-Instrument Dymbra (re.): Wyssozki bewusstlos im Hotelzimmer. Foto: Kinostar

(Kinostart: 1.12.) Wladimir Wyssozki war der berühmteste Liedermacher der Sowjetunion. Nun kehrt er als Volksheld mit magischer Aura auf die Leinwand zurück. Diese Heiligen-Legende ist ästhetisch ärgerlich und soziologisch sehr aufschlussreich.

Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben: Wladimir Wissozky war erst 42 Jahre alt, als er 1980 in Moskau an Herzversagen dahinschied – von jahrelanger Alkohol- und Drogen-Sucht schwer gezeichnet. Seine Beisetzung geriet zum größten nichtorganisierten Menschenauflauf, den die Sowjetunion bis dato erlebt hatte.

Info

Wyssozki –
Danke, für mein Leben

 

Regie: Pjotr Buslov, Russland 2011, 120 min.;
mit: Sergej Bezrukov, Oksana Akinyshina, Andrej Smolyakov

 

Website zum Film


Wissozky war ein «Bard» – mit dem deutschen Lehnwort bezeichnet man einen Liedermacher in Russland. Dort genoss er in den 1970er Jahren enorme Popularität; vergleichbar mit dem Prestige von Wolf Biermann in der DDR. Doch Wissozky war weniger politisch engagiert und offen systemkritisch.

 

Bob Dylan für Sowjet-Bürger

 

Seine Verse mit Gitarren-Begleitung schilderten sarkastisch den sozialistischen Alltag. Viele Lieder presste das staatliche Melodija-Label auf Platten, andere kamen nur als Konzert-Mitschnitte auf Tonbändern in Umlauf. Wissozkys Gesänge sprachen Millionen von Sowjet-Bürgern aus dem Herzen: Sie hörten ihn voller Hingabe wie westliche Fans ihren Bob Dylan. Für die Generation Breschnew ist er bis heute ein Idol.


Offizieller Film-Trailer


 

Wobei Wyssozki eine Doppelrolle spielte: Als Ensemble-Mitglied des Moskauer Tanganka-Theaters war er Bühnen- und Film-Star. Dagegen wurden seine Liederabende informell organisiert und von den Behörden widerwillig geduldet. Das dient als Aufhänger für die russische Groß-Produktion «Wyssozki – Danke, für mein Leben». Person und Werk setzt der Film als bekannt voraus.

 

Ohne Drogen klinisch tot

 

Stattdessen konzentriert er sich auf eine kurze Episode: Im Sommer 1979 gastierte Wyssozki in Buchara, 600 Kilometer Wüste von Usbekistans Hauptstadt Taschkent entfernt. Weil sein Drogen-Nachschub ausblieb, erlitt er einen Schwächanfall und galt mehrere Minuten als klinisch tot. Dann kam er wieder zu Bewusstsein und kehrte nach Moskau zurück – wo es ein Jahr später endgültig soweit war.

 

Diese Begebenheit zieht der Film in epische Länge: für einen verwickelten Verschwörungs-Thriller. Ein KGB-Oberst (Andrej Smolyakov) nötigt den Konzertveranstalter Leonid, ihm den Liedermacher-Dissidenten ans Messer zu liefern. Der Geheimdienst will ihm Drogenbesitz und illegale Einnahmen nachweisen und ihn so aus dem Verkehr ziehen.

 

Geliebte mit Morphium im Gepäck

 

Eine Stunde vergeht mit langatmigem Hin und Her, ob Wyssozki den Trip nach Taschkent riskieren und auftreten soll. Dort geht ihm das Morphium aus. Mit Ampullen im Gepäck reist seine Geliebte Tatjana (Oksana Akinyshina) nach – stets beschattet vom KGB. Der beschlagnahmt ihren Pass und hindert sie am Rückflug, um Wyssozki zu erpressen.

 

Dieser wirft beim Show-Down in der Airport-VIP-Lounge dem Oberst Kadavergehorsam vor. Das läutert ihn: Er meutert, vernichtet das Beweismaterial und lässt die Truppe abfliegen. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Sie inspiriert den Barden zum Titel-Song.

 


Diesen Artikel drucken