Ahlen

wie gemalt – Bildner im 21. Jahrhundert

Stefan Fahrnländer: Kopflos, 2010, Pigmentdruck auf Holz, 100 x 150 cm. Foto: Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Das Kunstmuseum will das Malerische in Werken von sieben Künstlern aufspüren, die am Computer entstanden. Doch die Beiträge scheren sich kaum darum – ihr gemeinsamer Nenner ist eher die Nähe zur Fotografie.

Kaum etwas veraltet so schnell wie die Computergrafik von gestern. Bilder, die noch vor einigen Jahren als das Nonplusultra galten, wirken heute wie aus einem vergessenen Videospiel. Wobei Game-Designer weniger neue Bildwelten erzeugen als vielmehr die gute alte Wirklichkeit imitieren.

 

Info

wie gemalt -
Bildner im 21. Jahrhundert

 

26.02.2012 - 03.07.2012
täglich außer montags 14 - 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr im Kunstmuseum, Museumsplatz 1, Ahlen

 

Katalog 37,90 €

 

Weitere Informationen

Andererseits wird heute kein Foto mehr publiziert, das nicht am PC bearbeitet worden ist: Die Grenze zwischen Realitätstreue und Illusion verschwimmt. Eine Kunst, die digitale Grafiken nutzt, bewegt sich zwischen Simulationen, die Imitationen der Wirklichkeit sein wollen, und Abbildungen, die Illusionen transportieren. Dazwischen sucht sie ihre Nische.

 

Organische Formen unbekannter Spezies

 

Die Ausstellung «wie gemalt», die bereits 2010/11 in Erfurt zu sehen war, will computergenerierte Kunst unter dem Aspekt des Malerischen zeigen. Doch diesem Kriterium genügen nur drei von sieben Teilnehmern. Christina Paetsch schafft großformatige Collagen aus organischen Formen. Sie wirken seltsam vertraut und zugleich verstörend fremd: Sind es Teile von Pflanzen, Tieren oder unbekannten Spezies?

 

Technoide Apparate ohne Funktion

 

Auch Stefan Fahrnländer kombiniert am Bildschirm Bekanntes zu neuen Formen: Aus Baumstümpfen und Astgabeln sprießen technoide Apparate ohne Funktion. Als hätte die Natur gentechnisch manipulierte Mutanten ausgebrütet. Wolfgang Rüppel nutzt Computer für innovative Abstraktionen: Seine «Rührstücke» und Siebdrucke sind von einer Finesse, die ohne PC unerreichbar wäre.

 

Bei den übrigen Beiträgen bleibt offen, was sie mit Digital-Technik zu tun haben. Laura Padgetts Foto-Diptychen liefert jede analoge Kamera. Gerhard Maentz´ breitformatige Landschaften ähneln Fototapeten. Die Installationen von Christel Fetzer und Susanne Kutter sind eindeutig old school Basteleien.

 

Gemeinsamer Nenner: wie fotografiert

 

Selten entspricht eine Gruppen-Ausstellung so wenig ihrem Titel. Wobei manche Beiträge durchaus eine computer-spezifische Ästhetik aufweisen – während andere sich keinen Deut darum scheren. Ein gemeinsamer Nenner für dieses Sammelsurium könnte allenfalls «wie fotografiert» lauten.


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