Frankfurt am Main

Claude Lorrain – Die verzauberte Landschaft

Claude Lorrain: Ein Seehafen (Detail), 1644, Öl auf Leinwand, 103 x 131 cm. Foto: © The National Gallery, London

Der Künstler als Welten-Schöpfer: Der bedeutendste Landschafts-Maler des 17. Jahrhunderts komponierte Bilder von idealer Harmonie, nach deren Vorbild Gärten angelegt wurden. Das zeigt das Städel in der ersten Werkschau seit 30 Jahren.

Ein Eigenbrötler aus Lothringen in Rom: Claude Gellée (1600 – 1682) kam als junger Mann in den 1620er Jahren in die ewige Stadt und blieb. Nach seiner Herkunft wurde er bald Le Lorrain («der Lothringer») oder Claude Lorrain genannt.

 

Info

Claude Lorrain – Die verzauberte Landschaft

 

03.02.2012 – 06.05.2012
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 21 Uhr im Städel Museum, Schaumainkai 63, Frankfurt/Main

 

Weitere Informationen

Bis auf eine kurze Rückkehr in seine Heimat verließ er seinen Wohnort nie wieder. Musste er auch nicht, denn die große Welt kam zu ihm: Rom war das kulturelle Mekka Europas, das junge Adlige auf ihrer obligatorischen, «Grand Tour» genannten Bildungsreise ebenso magisch anzog wie Künstler aller Nationen.

 

Weder Schüler noch Gehilfen

 

Etwa Nicolas Poussin: Der berühmteste und erfolgreichste französische Klassizist wohnte in seiner Nachbarschaft; beide waren miteinander befreundet. Ansonsten pflegte Lorrain einen für die Epoche ungewöhnlichen Individualismus: Er lebte bescheiden und arbeitete allein ohne Schüler oder Werkstatt-Gehilfen. Seine einzige bekannte Leidenschaft galt seiner Kunst.


Impressionen der Ausstellung


 

Morgens und abends im Feld

 

Natur-Studien an der frischen Luft kamen damals in Mode, doch keiner betrieb sie so intensiv wie Lorrain. Stundenlang verweilte er morgens und abends «im Felde», wie sein erster Biograf Joachim von Sandrart 1675 berichtete, und beobachtete Sonnenaufgang und –untergang. Dabei fertigte er unzählige Zeichnungen an: Rund 1200 sind erhalten.

 

Ihn interessierte weniger der konkrete Gegenstand als vielmehr seine Erscheinung: wie sich die Textur von Oberflächen bei verschiedenem Licht-Einfall verändert. Aus diesem reichhaltigen Anschauungs-Material komponierte Lorrain im Atelier seine Bilder. Dazu nutzte er seine Skizzen wie Versatzstücke: Dieselben Bäume, Türme oder Tempel tauchen in seinen Gemälden immer wieder in unterschiedlicher Konstellation auf.

 

Vier Bilder für den Papst

 

Dass Größenverhältnisse oder Konstruktionen manchmal nicht korrekt sind, kümmerte Lorrain wenig: Ihm ging es um einen harmonischen Gesamteindruck, den er mit subtil abgestuften Licht-Verhältnissen herzustellen wusste. Damit beeindruckte er bereits seine Zeitgenossen nachhaltig.

 

1637 erlebte er seinen Durchbruch: Papst Urban VII. gewährte Lorrain eine Audienz und orderte bei ihm vier Bilder. Danach arbeitete er nur noch auf Bestellung hochrangiger Auftraggeber. Was ihm erlaubte, seinen Perfektionismus auszuleben: Zuweilen arbeitete er jahrelang an einer einzigen Leinwand.

 

Löwenanteil in angelsächsischen Museen

 

Sie waren stets begehrt und wurden im 18. Jahrhundert vorwiegend von englischen Sammlern aufgekauft. Fast alle seiner 250 Gemälde gehörten zeitweise zu britischen Kollektionen. Dort und in den USA befindet sich heute der Löwenanteil seines Œuvres. In deutschen Museen ist Lorrain nur mit einzelnen Werken vertreten.

 

Umso verdienstvoller ist diese ihm gewidmete Ausstellung, die das Städel gemeinsam mit dem Ashmolean Museum in Oxford erarbeitet hat – die erste in Deutschland seit 1983. Sie erlaubt, seine Arbeitsweise nachzuvollziehen: 13 Gemälde werden um mehr als 100 Zeichnungen und Druckgrafiken ergänzt. Dabei führen mehrere Versionen desselben Themas seine künstlerische Entwicklung anschaulich vor.

 


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