Karlsruhe

Kykladen – Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur

Griffschale („Kykladen-Pfanne“) aus Chlorit-Schiefer mit komplexem Spiralmuster auf der Unterseite, frühkykladisch II (2700-2400). Foto: Thomas Goldschmidt/ Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Mysteriöse Mehrfach-Gefäße

 

Mysteriös bleibt auch, wozu die Kykladen-Bewohner etwa 20 erhaltene Mehrfach-Gefäße anfertigten: Sie verbanden gleichartige Gefäße in komplizierten Konstruktionen miteinander. Vielleicht diente der gezeigte kernos aus Melos als Sammel-Behälter, um verschiedene Opfer-Gaben aufzunehmen. Doch das bleibt Spekulation.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung "Roads of Arabia" mit archäologischen Schätzen aus Saudi-Arabien im Pergamonmuseum, Berlin

 

und hier einen Bericht über die Ausstellung "Pergamon – Panorama der antiken Metropole", ebenfalls im Pergamonmuseum

 

und hier einen Beitrag zur Ausstellung "Die Kelten - Druiden. Fürsten. Krieger" in der Völklinger Hütte

 

und hier einen kultiversum-Artikel über die Ausstellung "Bunte Götter" zur Farbigkeit antiker Skulpturen im Pergamonmuseum.

 

Dagegen lassen sich die damaligen Lebensumstände auf den Inseln halbwegs rekonstruieren. Sie waren für Landwirtschaft eher unattraktiv, wiesen aber begehrte Bodenschätze auf: Obsidian auf Melos – das vulkanische Glas wurde zu scharfkantigen Klingen verarbeitet.

 

Langboote für bis zu 50 Paddler

 

Silber und Blei baute man auf Siphnos ab, hochwertigen Marmor auf Naxos und Paros. Zur Bearbeitung nötiger Schmirgel und Bims-Stein fand sich auf Naxos und Thera. Mehrere der Inseln verfügen außerdem über Kupfer-Vorkommen – bereits in der Bronzezeit ein wichtiger Rohstoff.

 

Überdies waren die Kykladen-Insulaner tüchtige Seeleute, deren Langboote bis zu 50 Paddler aufnehmen konnten. Sie trieben Handel mit dem griechischen Festland und Kleinasien; zudem gingen sie auf Raubzüge.

 

Minoisches Kreta wird übermächtig

 

Es waren unruhige Zeiten: Reste der stark befestigten Siedlungen befinden sich stets auf Hügeln oder Kuppen, die sich gut verteidigen ließen. Übergriffe benachbarter Völker könnten erklären, warum die Idol-Herstellung Ende des 3. Jahrtausends eingestellt wurde. Diese Kultur war im Niedergang und wurde vom minoischen Kreta abgelöst.

 

Was blieb, ist allerdings von zeitloser Schönheit: Harmonisch proportionierte Figuren in symmetrischer Gestalt mit fein polierter Oberfläche. Ihre Nasen treten deutlich hervor, ihre Hände sind meist über der Brust gekreuzt. Ein Erscheinungsbild von schlichter Eleganz, dass noch Jahrtausende später Künstler zu ähnlichen Kreationen angeregt hat: von Alexander Archipenko bis zu Hans Arp.


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