Liam Neeson

The Grey – Unter Wölfen

Trümmer in Eiswüste: Die Überlebenden versuchen unter Führung von Ottway (Liam Neeson, mi.), sich in die Zivilisation durchzuschlagen. Foto: Universum Film

(Kinostart: 12.4.) Survival-Saga in der Arktis: Nach einem Flugzeug-Absturz schlägt sich ein Trupp Öl-Arbeiter durch Alaska – und mit Fressfeinden herum. Angenehm altmodischer Action-Thriller in der Tradition ältester Menschheits-Epen.

Dieser Filmverleih hat Mut. Rechtzeitig zum Ende der Wintersaison, während die Bäume sprießen und jedermann sich auf Sonne und Wärme freut, bringt Universum ein Eiswüsten-Drama ins Kino: zwei Stunden lang nur Schnee, Stürme, Nadel-Wälder – und Wölfe.

 

Info

The Grey – Unter Wölfen

 

Regie: Joe Carnahan, 117 min., USA 2012;
mit: Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney

 

Website zum Film

Die Handlung könnte simpler kaum sein: John Ottway (Liam Neeson) schützt Öl-Arbeiter in Alaska vor wilden Tieren. Auf der Heimreise einer Bohr-Mannschaft stürzt das Flugzeug in der Arktis ab. Sieben Männer überleben: Unter Ottways Führung wollen sie sich zu Fuß in wärmere Gefilde durchschlagen.

 

Streit über rettenden Weg

 

Doch sie sind mitten im Jagd-Revier eines Wolfs-Rudels gelandet. Die Raubtiere wittern die flüchtende Schar und greifen überraschend an. Ihre Attacken fordern ebenso Blutzoll wie klirrende Kälte und unwegsames Gelände. Angesichts mörderischer Gefahren bricht bald Streit in der Gruppe aus, welcher Weg zur Rettung führen kann.


Offizieller Film-Trailer


 

Wildnis als undankbares Sujet

 

Survival in der Wildnis ist ein undankbares Film-Sujet: Hunger, Durst und Wetter-Unbill bereiten Seelenqualen, die sich kaum visualisieren lassen – allenfalls sorgen reißende Bestien für Action. Umso bemerkenswerter ist, wie Regisseur Joe Carnahan das Problem der Darstellung löst: mit minimalistischer Konzentration auf das Wesentliche.

 

Allein von der Hauptfigur Ottway erfahren wir in Rückblenden, dass ihn der Tod seiner Frau lebensmüde werden ließ; der Absturz ändert das. Die übrigen Protagonisten kommen ohne Vorgeschichte aus; stattdessen werden ihre Gruppen-Dynamik und Überlebens-Techniken minutiös beobachtet.

 

Physisch spürbare Ohnmacht

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Kritik des Films “The Way Back – Der lange Weg” von Peter Weir über eine Flucht aus dem Gulag durch Sibirien.

Der Kampf gegen die Elemente und Fressfeinde weckt archaische Instinkte und Ängste. Die evoziert der Film geschickt, indem er die Präsenz der Wölfe stets andeutet, doch selten zeigt. Diese numinose Bedrohung steigert die Spannung ebenso wie die durchgehende Beschränkung auf Nah-Einstellungen. So wird die Ohnmacht der Fliehenden gegenüber der unwirtlichen Natur fast physisch spürbar.

 

Nur an wenigen Stellen bemüht Regisseur Carnahan das Augenpulver von special effects: etwa, als eine computergenerierte Schlucht überquert werden muss. Ansonsten bewahrt die Kamera Bodenhaftung, klebt den Schauspielern im Nacken und nimmt schlicht Blut, Schweiß und Tränen auf. Eine angenehm altmodische Männlichkeits-Saga in der Tradition der ältesten Menschheits-Epen – und konsequent im Verzicht auf ein happy end.


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