Jane Fonda

Und wenn wir alle zusammenziehen?

Annies Lebenstraum geht auch ohne Wasser in Erfüllung: Die Freunde essen im leeren Swimming-Pool gemeinsam zu Abend. Foto: Pandora Film
(Kinostart: 5.4.) Demographischer Wandel leicht gemacht: Fünf Freunde gründen auf ihre alten Tage eine Rentner-WG. In der es vor allem um das Eine geht – eine charmant gelungene Komödie mit großem Star-Aufgebot.

Innovativer als dieser Film kann Kino kaum sein! Er spricht eine oft ignorierte Zielgruppe an: rüstige Rentner, die ansonsten vor der Glotze hocken. Er greift mutig Tabu-Themen auf: Demenz, Erotomanie und Sex im Alter. Dazu versammelt er ein Ensemble international beliebter Stars, die man so noch nie gesehen hat. Im Gewand einer charmant altmodischen, typisch französischen Konversations-Komödie: Wie ist das möglich?

 

Info

Und wenn wir alle zusammenziehen?

 

Regie: Stéphane Robelin, 100 min., Frankreich/ Deutschland 2011;
mit: Jane Fonda, Geraldine Chaplin, Daniel Brühl

 

Website zum Film

Zumal die Figuren eher einer Tragödie entsprungen scheinen: Albert (Pierre Richard) ist ein herzensguter Bonvivant, der täglich eine Flasche Wein köpft – aber leider so vergesslich, dass man ihn kaum alleine lassen kann. Seine geliebte Gattin Jeanne (Jane Fonda) begegnet als frühere Philosophie-Professorin gleichmütig den Zipperlein des Alters, leidet aber an einer unheilbaren Krankheit.

 

Viagra wie Smarties futtern

 

Ihr alter Freund Claude (Claude Rich) bleibt ein unverbesserlicher Schürzenjäger: Mit 82 Jahren blickt er noch jedem Weiberrock hinterher, futtert Viagra wie andere Smarties und genießt Schäferstündchen mit Prostituierten. Dagegen blickt Polit-Aktivist Jean (Guy Bedos) auf Jahrzehnte voller aufreibender Kämpfe gegen die Obrigkeit zurück; seine Frau Annie (Geraldine Chaplin) hat ihr Leben lang vom eigenen Swimming-Pool geträumt.


Offizieller Film-Trailer


 

Feldforschung in der Alten-WG

 

Alle haben ihr Päckchen zu tragen, aber aufs Altenteil abschieben lassen sich nicht. Bevor sie im Senioren-Wohnheim vereinsamen müssen, ziehen die fünf Freunde gemeinsam in ein großes Haus. Bemuttert und beobachtet von Dirk (Daniel Brühl): Der deutsche Ethnologie-Doktorand schreibt seine Promotion über den Alterungs-Prozess in Europa – und nutzt die Pensionäre als Studien-Objekte.

 

Demographischer Wandel, Mehrgenerationen-Haus und Alten-WG: das sind Stichworte aus Leitartikel-Debatten und Strategie-Papieren der Sozial-Ministerien. Im Kino kommt das Thema bislang kaum vor. Das ändert der junge französische Regisseur Stéphane Robelin in seinem zweiten Spielfilm: mit schlagfertigem Witz, subtiler Situations-Komik und diebischer Lust an pikanten Details.

 

Jane Fondas Libido wird stärker

 

So viel über Sex geredet wird sonst nur in US-College-Komödien. Ohne jeden Anflug von Peinlichkeit: Jane Fonda, als «Barbarella» und Aerobic-Vortänzerin eine Ikone ewiger Jugendlichkeit, plaudert abgeklärt über die stärker werdende Libido reifer Frauen. Claude Rich spielt den schamlosen Womanizer mit solcher Selbstironie, dass man den Lustgreis einfach gern haben muss.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Geraldine Chaplin und Guy Bedos legen ihren Ehe-Streit mit Versöhnungs-Sex vor laufender Kamera bei – eine der schönsten Liebes-Szenen der neueren Film-Geschichte. Doch der Frieden währt nicht lange: Als Jean erfährt, dass Annie einst eine Affäre mit Claude hatte, bricht beinahe die Wohn-Gemeinschaft auseinander.

 

WG-Erfahrungen in der Jugend helfen weiter

 

Dennoch rauft sich das Quintett bald wieder zusammen: In ihrer bewegten Jugend haben alle genug WG-Erfahrung gesammelt, um zu wissen, wie man den Haus-Segen wieder gerade hängt. Und Annie erfüllt sich ihren Lebenstraum: einen Pool im Garten, der als romantische Picknick-Kulisse dient, wenn es zu kalt zum Schwimmen ist. Vorbildlicher geht es kaum – danach möchte man sofort mit Freunden einen Bauspar-Vertrag für den gemeinsamen Lebensabend abschließen.


Diesen Artikel drucken