Kevin Macdonald

Marley

In the streets of Kingston: Der junge Bob Marley als angehender Rastafari (li.) in seinem Ghetto Trenchtown. Foto: Studiocanal
(Kinostart: 17.5.) Der bislang einzige Pop-Superstar aus der Dritten Welt flutete nicht nur den Westen mit Wohlfühl-Reggae. Er bewahrte auch seine Heimat Jamaika vor dem Bürgerkrieg, wie eine fesselnde Dokumentation zeigt.

Ausgelutschter geht es kaum: «No woman, no cry» seufzen Millionen Männer, wenn sie bei Frauen abblitzen. Zu «Get up, stand up» tanzen Tausende von Demo-Teilnehmern auf abendlichen Soli-Partys. Doch der Mann, der diese Reggae-Gassenhauer schrieb, ist seit 31 Jahren tot. Wozu also heute noch eine Doku über Bob Marley?

 

Info

Marley

 

Regie: Kevin Macdonald, 144 min., Großbritannien/ Jamaika 2012;
mit: Rita Marley, Peter Tosh, Chris Blackwell

 

Website zum Film

Weil er der einzige Pop-Superstar ist, den Entwicklungsländer bislang hervorgebracht haben; dort genießt er bis heute Kult-Status. In Afrika ist sein Konterfei mit den charakteristischen Zottel-Dreadlocks allgegenwärtig; jeder Jugendliche kann Marley-Songs nachsingen. Er ist die einzige Identifikations-Figur, auf die sich alle einigen können – er hat mit Protest-Parolen die globale Unterhaltungs-Industrie geknackt.

 

Papa war weißer Kolonial-Offizier

 

Dabei war Bob Marley kein Schwarzer, sondern Mulatte. Sein Vater Norval Sinclair schwängerte als weißer Kolonial-Offizier 1944 in Jamaika Mutter Cedella und ließ sie sitzen. Sohn Bob wuchs im Trenchtown-Ghetto der Hauptstadt Kingston auf, schlug sich durch und heiratete 1966 seine Jugendliebe Rita. Tags darauf emigrierte er zur Jobsuche in die USA.


Offizieller Film-Trailer


 

Charts-Dominanz wie bei Beatles + Stones

 

Bald kehrte er zurück, wurde gläubiger Rastafari und professioneller Musiker. Hits seiner Band «The Wailers» beherrschten die Charts von Jamaika wie die Beatles oder Stones in der übrigen Welt – doch was bedeutete das schon auf einer Karibik-Insel, die erst seit 1962 unabhängig ist? Bis zum internationalen Durchbruch 1973 gibt es von Marley keine Film-Aufnahmen und nur wenige Fotos.

 

Damals entdeckt ihn Chris Blackwell für «Island Records»; der Rest ist Pop-Geschichte. In den Nachwehen enttäuschter Hoffnungen auf Revolution und Befreiung der Dritten Welt kommen die tanzbaren Rebellions-Rhythmen des kiffenden Fußball-Freaks zur rechten Zeit. Am Erfolg zerbricht seine alte Band mit Peter Tosh; Marley formiert eine neue Combo.

 

Musiker verbrüdert Parteiführer

 

Bis ihn der Parteien-Streit auf Jamaika einholt: Kämpfe von Jugend-Gangs der linken PNP und der rechten JLP drohen die Insel in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Marley will sie 1976 mit einem Gratis-Konzert befrieden. Am Vorabend wird er von Attentätern angeschossen – dennoch tritt er auf, zieht aber anschließend nach London um.

 

1978 gelingt ihm, die Lage zu entschärfen. Bei einem Friedens-Konzert in Kingston holt er die Parteiführer Manley und Seaga zur Verbrüderung auf die Bühne. Das ist Marleys größter Erfolg; sein Auftritt bei der Unabhängigkeits-Feier von Simbabwe 1980 endet im Desaster.

 


Diesen Artikel drucken