Martin Witz

The Substance: Albert Hofmann’s LSD

Von solchen Halluzinationen träumen alle Drogen-Konsumenten: Tricktechnische Simulation von LSD-Wahrnehmung. Foto: mindjazz pictures
(Kinostart: 17.5.) 70 Jahre Acid Trip auf der Leinwand: Wie die halluzinogene Droge entdeckt und vom Militär erforscht wurde, den Summer of Love befeuerte und in der Illegalität versank, schildert eine mustergültige Dokumentation.

Das 20. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert der chemischen Drogen. Zwar sind bewusstseinsverändernde Substanzen der Menschheit bekannt, seit es sie gibt. Manche Historiker vermuten, dass die Menschen vom leichtfüßigen Leben als Jäger und Sammler zum beschwerlichen Ackerbauer-Dasein übergingen, um den Nachschub an Rohstoffen für die alkoholische Gärung zu sichern: Fortschritt aus Freude am Rausch.

 

Info

The Substance:
Albert Hofmann’s LSD

 

Regie: Martin Witz, 90 min., Schweiz 2011;
mit: Albert Hofmann

 

Website zum Film

Doch alle traditionellen Rauschmittel unterlagen sozialer Kontrolle: Sie wurden kollektiv und rituell eingenommen, um Gemeinschaft zu stiften oder Verbindung zu höheren Mächten herzustellen. Wie Psilocybin, das in Pilzen vorkommt und eng mit LSD verwandt ist: Indianer-Schamanen rufen damit Geister der Ahnen herbei.

 

Erster LSD-Trip auf dem Fahrrad

 

Erst die moderne Chemie vermag Substanzen herzustellen, die Nervenzellen zum Tanzen bringen und den Einzelnen radikal auf sich selbst zurückwerfen. Eine solche Droge namens Lysergsäure-Diethylamid entdeckte der Schweizer Albert Hofmann. Er probierte sie selbst am 19. April 1943 – in zehnfach wirksamer Dosis. Seine abenteuerliche Heimfahrt auf dem Fahrrad wurde zum ersten LSD-Trip; der Tag ging als bicycle day in die Geschichte ein.


Offizieller Film-Trailer


 

Versuche mit LSD als Psycho-Waffe

 

Was folgte, schildert der Autorenfilmer Martin Witz. Er hat das letzte ausführliche Gespräch mit Hofmann kurz vor dessen Tod geführt und mit anderen Interviews und historischen Archiv-Bildern angereichert. Daraus wird eine mustergültige Dokumentation: Sie nähert sich dem Reizthema, indem sie vielen Fährten nachgeht, alle Standpunkte zu Wort kommen lässt und sich jedes Urteils enthält – der Zuschauer als mündiger Konsument.

 

Im Labor des Pharma-Konzerns Sandoz entstanden, wurde LSD anfangs medizinisch eingesetzt. Psychiater behandelten damit Geisteskranke – mit wechselhaftem Erfolg. Dann kam das Militär auf den Trip. US-Army und CIA machten in den 1950/60er Jahren geheimnisumwitterte Versuche, mit LSD Spione auszuhorchen oder mögliche Feinde auszuschalten.

 

Droge an Passanten verteilt

 

Spannende Aufnahmen davon holt Witz aus dem Giftschrank. Ein beteiligter Offizier resümiert, warum die Experimente eingestellt wurden: Die Wirkung der Droge war zu unberechenbar – ein Leck oder Fehler hätte die eigenen Leute lahm gelegt.

 

Das machte LSD für die entstehende Gegenkultur der 1960er Jahre interessant. Ken Kesey war als Testperson an CIA-Versuchen beteiligt; er fuhr mit Gleichgesinnten als Merry Pranksters durch die USA und verteilte die Droge an Passanten.

 


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