Damjan Kozole

Callgirl – Slovenian Girl

Dieses Schäferstündchen wird ein Quickie bleiben: Der dicke deutsche Freier bekommt im Hotel-Zimmer nach Viagra-Einnahme einen Herzinfarkt. Foto: Farbfilm Verleih

(Kinostart: 21.6.) Schlüsselloch-Studie aus Slowenien: Eine Studentin prostituiert sich, um ihre Wohnung zu bezahlen. Das geht schlimm aus – hölzerne Dialoge von schwachen Schauspielern geben ein Schul-Beispiel für miefige Provinzialität.

Aleksandra ist keine Schönheit: Mit strähnig schwarzen Haaren, fahlem Teint und schweren Tränensäcken unter ausdruckslosen Augen wirkt die Anglistik-Studentin wie die Mutter aller Schmerzen. In Online-Kontaktbörsen würde sie kein Freier buchen. Doch in Ljubljana inserieren Hobby-Huren noch in Boulevard-Zeitungen – ohne Bild.

 

Info

Callgirl Slovenian Girl

 

Regie: Damjan Kozole, 90 min., Slowenien/ Deutschland 2009;
mit: Nina Ivanišin, Peter Musevski, Maruša Kink

 

Website zum Film

Regisseur Damjan Kozole ist offensichtlich in seine Hauptdarstellerin  vernarrt: kaum eine Einstellung, in der er Nina Ivanišin nicht mitten ins Bild rückt. Damit keiner übersieht, wie das Schicksal seine Spuren in das Antlitz der Kino-Debütantin zeichnet: Ihre Falten werden tiefer, ihre Haut noch bleicher. Bei Aufregung zittert sie, als leide sie unter Multipler Sklerose.

 

Deutsches MdEP stirbt an Viagra

 

Dieser Trauerkloß kann über mangelnde Nachfrage nicht klagen. Doch der Fettsack, der sie ins Hotel bestellt, krepiert noch vor dem Beischlaf an einem Herzinfarkt – zuviel Viagra. Aleksandra leert sein Portemonnaie, dann ruft sie die Erste Hilfe. Ihr Pech: Nun wird sie polizeilich gesucht, denn der Tote war deutscher Abgeordneter im Europa-Parlament. Soviel Germanophobie darf in Slowenien sein.


Offizieller Film-Trailer


 

Höhepunkt nach einer halben Stunde

 

Ein paar Tage und Kunden später gerät sie an zwei Zuhälter, die ihr gewaltsam Beschützer-Dienste aufnötigen wollen – natürlich gegen Provision. Vor ihnen flüchtet Aleksandra in die Arme ihres Ex-Freundes Grega; der hat sich für sie scheiden lassen. Damit erreicht der Film seinen dramatischen Höhepunkt nach einer halben Stunde.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Kritik des Films „Das bessere Leben – Elles“ über Studentinnen-Prostitution mit Juliette Binoche

 

und hier eine Besprechung der Doku “Whores’ Glory – Ein Triptychon” von Michael Glawogger über Prostitution weltweit

 

und hier einen Bericht zum Film “Shopping Girls – Galerianki” von Katarzyna Rosłaniec über Teenie-Prostitution in Polen.

Was folgt, ist so aufregend wie der Alltag einer zynisch geldgeilen Teilzeit-Studentin und –Nutte: morgens Vorlesungen, nachmittags Quickies für 200 Euro – wenn sie nicht mit dem Zug ins Provinz-Kaff Krško pendelt, wo ihr Vater Edo wohnt. Der Arbeitslose schlägt seine Zeit mit Bier und aufgeschwemmten Kumpels tot; gemeinsam klampfen sie alte Rock-Songs.

 

Freier ist Busen-Freund von Papa

 

Damit überhaupt etwas passiert, hat Aleksandra Finanz-Probleme: Sie kaufte heimlich eine Eigentumswohnung auf Kredit und kann die Raten nicht mehr zahlen. Da Slowenien ein kleines Land ist, in dem jeder jeden kennt, entpuppt sich ein Freier unweigerlich als Busen-Freund ihres Papas – und droht, sie zu verraten. Bevor es soweit kommt, stößt sie die Immobilie ab und kehrt ins heimische Nest zurück: samt Liebelei mit altem Schulfreund.

 

So miefig provinziell wie dieser angeklebte Schluss ist der ganze Film. Drittklassige Schauspieler spulen hölzerne Dialoge ab, während die Kamera ausgiebig bei belanglosen Details verweilt.

 

«Callgirl» wurde bereits 2009 heruntergedreht und lag danach offenbar drei Jahre lang auf Eis. Warum dieses moralinsaure Machwerk jetzt ins Kino kommt, bleibt rätselhaft: Vielleicht haben die slowenischen Produzenten und ihre deutschen Partner Finanz-Probleme und können ihre Raten nicht mehr zahlen.


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