Marion Hänsel

Schwarzer Ozean

Post-atomare Insel-Idylle: Moriaty (Adrien Jolivet, re.) feiert seinen 20. Geburtstag mit Freund Massina am Strand unter Palmen. Foto: Edition Salzgeber
(Kinostart: 7.6.) Traurige Tropen: Französische Wehrpflichtige schlagen auf ihrem Kriegsschiff im Pazifik die Zeit tot und beobachten einen Atombomben-Test. Diese Film-Elegie ist so öde wie die Dienstzeit beim Bund.

«Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord»: So schlimm ergeht es den jungen französischen Rekruten nicht, die bei der Marine ihren Wehrdienst ableisten. Doch ihre monatelange Kreuzfahrt auf einem Kriegsschiff durch die Südsee stellt sie auf eine harte Gedulds-Probe: Sie haben nichts zu tun.

 

Info

Schwarzer Ozean

 

Regie: Marion Hänsel, 88 min., Belgien/ Frankreich/ Deutschland 2010;
mit: Nicolas Robin, Adrien Jolivet, Romain David

 

Weitere Informationen

Eigentlich schippern sie mitten im Paradies: Unablässig scheint die Sonne, ein laues Lüftchen weht, und der gleißende Ozean breitet sich tiefblau bis zum Horizont aus. 1975 – in diesem Jahr spielt die Handlung – ist die Entspannungs-Politik zwischen Ost und West ausgebrochen: Martialische Manöver stehen nicht im Logbuch.

 

Zehn Liege-Stütze als Strafe

 

Der lässige Zeitgeist der 1970er Jahre reicht bis zur Datums-Grenze: Die Offiziere zur See verhalten sich menschlich korrekt. Keine Spur von Schleiferei an Bord; die schlimmste Strafe für Aufmüpfige sind zehn zusätzliche Liege-Stütze. Also kühlen testosteron-gesteuerte Halbstarke ihr Mütchen mit improvisierten Box-Kämpfen an Deck.


Offizieller Film-Trailer


 

beach partys mit molligen Polynesierinnen

 

Ansonsten passiert nicht viel: Wache schieben, Aufbauten lackieren und Feldpost lesen füllen die Dienstzeit. Höhepunkt jedes Landgangs ist eine lahme beach party mit molligen Insulanerinnen aus Französisch-Polynesien. Dann beobachten die Matrosen einen überirdischen Atombomben-Test: Zwischen 1966 und 1995 ließ Paris 170 Sprengsätze zu Versuchs-Zwecken über dem Mururoa-Atoll abwerfen.

 

Die Schutz-Maßnahmen sind dürftig: Sonnenbrillen und Wegducken bei der Zündung. Ebenso das Verständnis der Besatzung: Sie glaubt offiziellen Angaben, die Strahlen-Belastung sei ungefährlich – bis auf Moriaty (Adrien Jolivet). Er feiert seinen 20. Geburtstag mit einem Sack Dosen-Bier und zwei Kumpels am Sand-Strand einer Palmen-Insel, wo er einen Nerven-Zusammenbruch erleidet. Das war’s.

 

Keiner versteht BBC World Service

 

«Mein Film soll zart sein wie der Atem eines Kindes und trotzdem aufgeladen mit einer immer präsenten, unterschwelligen Gewalt», erklärt die belgische Regisseurin Marion Hänsel. Das erste ist ihr gelungen: Malerische Aufnahmen von drahtigen Adonissen in Matrosen-Leibchen lassen homophile Herzen höher schlagen.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Flüchtlings-Dramas "Die Farbe des Ozeans" von Maggie Peren.

Das zweite weniger: Diese Milchbubis wirken so unbedarft und harmlos, dass sie wohl schon mit Schreckschuss-Pistolen überfordert wären. Niemand beherrscht genug Englisch, um Radio-Nachrichten des BBC World Service zu verstehen – kein Wunder, dass die Jungs gar nix kapieren. Man fragt sich, wie atomare Abschreckung mit solchen Wichteln funktionieren konnte.

 

Weg mit der Wehrpflicht

 

In eineinhalb Stunden, die so eintönig dahinplätschern wie Brandungs-Wellen an Traum-Stränden, wird nur deutlich: Mit solchen Hasenherzen lassen sich keine High-Tech-Kriege führen. Verständlich, dass Frankreich die Wehrpflicht abgeschafft und eine Berufs-Armee aufgebaut hat.


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