Andy De Emmony

West is West

Besser als Spaß-Bäder: Sajid und Zaid planschen im Dorf-Teich mit Wasserbüffeln. Foto: Koolfilm

(Kinostart: 14.6.) West-östlicher Culture Clash im ländlichen Pakistan der 1970er Jahre: Ein aufmüpfiger Teenager soll im Land der Vorväter seine Lektion fürs Leben lernen. Vielschichtige Familien-Komödie voller Situations-Komik.

Eine Reise von Großbritannien nach Pakistan, die 13 Jahre dauert: «West is West» schließt an «East is East» von 1999 an. Jene turbulente Frittenbuden-Komödie über eine englisch-pakistanische Familie trieb den Zuschauern Freudentränen in die Augen – bis ihnen das Lachen im Halse stecken blieb.

 

Info

West is West

 

Regie: Andy De Emmony, 102 Min., Großbritannien 2010;
mit: Om Puri, Linda Bassett, Aqib Khan

 

Website zum Film

Ein Jahrzehnt später ist es den Machern des damaligen Programmkino-Hits gelungen, Drehbuch-Autor Ayub Khan Din zu einer Fortsetzung zu überreden. Er schöpft abermals aus eigenen Erfahrungen als Spross einer binationalen, kinderreichen Familie.

 

Pakistanische Werte + Fish & Chips

 

Das Szenario steht dieses Mal jedoch unter gleichsam umgekehrten Vorzeichen. «East is East» schilderte die meist fruchtlosen Versuche des Familien-Vaters George «Dschingis» Khan (in beiden Filmen grandios von dem indischen Schauspieler Om Puri verkörpert), im urenglischen Fish & Chips-Milieu seine vermeintlich pakistanischen Werte durchzusetzen.


Offizieller Film-Trailer


 

Bigamie in Kaschmir und England

 

«West is West» spielt dagegen in Pakistan. In einem kleinen Dorf in Kaschmir hatte George bereits eine Familie: Er ließ Frau und Kinder sitzen, um nach England auszuwandern und dort abermals zu heiraten. Sein in England aufgewachsener Sohn Sajid, das Nesthäkchen der britischen Khans, ist mittlerweile zwölf Jahre alt.

 

Als er in der Schule auffällig wird, schickt ihn Patriarch George kurzerhand nach Pakistan zur Familie Nummer Eins, um ihn zur Besinnung zu bringen. Was folgt, ist weit mehr als ein Bildungsroman. Anfangs trotzt Sajid in seinem englischen Anzug beharrlich der Hitze in seiner neuen Umgebung.

 

Neues Haus für erboste Gattin

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Culture-Clash-Komödie „UFO in her eyes“ von Xiaolu Guo über Modernisierung in China

 

eine Lobeshymne auf den Autoren-Bollywood-FilmBombay Diaries – Dhobi Ghat“ von Kiran Rao mit Aamir Khan

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung „The Last Harvest“ mit Bildern von Indiens National-Dichter Rabindranath Tagore im Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem.

Doch allmählich passt er sich ein und an; er wird nach England zurückkehren als jemand, der gelernt hat, das Leben aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dabei ist die Geschichte dieser Hauptfigur nur eine von vielen; alle Protagonisten machen durch den Zusammenprall der Kulturen eine Wandlung durch.

 

Die erste Frau des Vaters, die jahrzehntelang geschwiegen und ihr Schicksal ertragen hat, öffnet plötzlich den Mund und geigt dem Patriarchen gehörig die Meinung. Der wiederum entdeckt sein Herz für die alte Heimat; er plündert sein britisches Bankkonto, um seiner pakistanischen Frau ein neues Haus zu bauen.

 

Hochzeit als britisch-indisches happy end

 

Das bleibt natürlich nicht unentdeckt von der englischen Gattin; sie kreuzt prompt zu einem Überraschungs-Besuch in Pakistan auf. Bei all diesen Irrungen und Wirrungen gelingt es Sajid zudem, eine neue Ehe zu stiften. So endet diese bittersüße Multikulti-Komödie mit einem klassischen happy end, das im viktorianischen England wie auf dem indischen Subkontinent gleichermaßen beliebt ist: einer Hochzeit.

 

Regisseur Andy De Emmony inszeniert diese abwechslungsreiche, burlesk-nachdenkliche Familiengeschichte mit leichter Hand. Dabei kleistert er die losen Enden, die am Schluss allerorten noch in die Gegend ragen, nicht einfach mit buntem Wohlfühl-Kino zu. Ein solcher culture clash, das wird deutlich, ist nichts für schwache Gemüter.


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