Pierre Duculot

Das Haus auf Korsika

Schiffs-Passage über das Mittelmeer: Blick auf Korsikas Küste von der Anlege-Stelle aus. Foto: Schwarzweiß Filmverleih

(Kinostart: 12.7.) Guter Wohlfühl-Film für Naturfreunde: Die junge Christine erbt ein Bauernhaus auf Korsika. Das Leben dort zeigt Regisseur Duculot als attraktive Alternative zu McJobs für Europas Generation Jugend-Arbeitslosigkeit.

«Wir verkaufen unserer Oma ihr klein’ Häuschen»: Das ist es, was Vater Alberto (Roberto d’Orazio) von seiner Tochter Christine (Christelle Cornil) verlangt. Deren gestorbene Großmutter hat ihrer Lieblings-Enkelin testamentarisch ein traditionelles Bauernhaus auf Korsika vermacht.

 

Info

Das Haus auf Korsika –
Au cul du loup

 

Regie: Pierre Duculot, 82 min., Belgien/ Frankreich 2011;
mit: Christelle Cornil, François Vincentelli, Roberto d’Orazio

 

Englische Website zum Film

Ein Erbe, mit dem Papa als italienischer Einwanderer in der belgischen Industrie-Stadt Charleroi nicht nur angenehme Erinnerungen verbindet: Seine Kindheit war entbehrungsreich. Für Christine ist das unerwartete Geschenk hingegen eine Chance, ihr Leben zu ändern.

 

Kunst-Studium für Kneipen-Job

 

Nach einem Kunstgeschichts-Studium jobbt die Endzwanzigerin perspektivlos in einer Kneipe; ihre Beziehung zum langjährigen Freund ist abgekühlt. Gegen den Rat ihrer Verwandtschaft reist Christine auf die Mittelmeer-Insel, um Omas Nachlass zu begutachten.


Offizieller Film-Trailer


 

Wo der Hund begraben liegt

 

Das Grundstück befindet sich im Dorf Mausoléo, das seinem sprechenden Namen alle Ehre macht: am Ende eines kaum bewohnten Tals. Wie der Original-Filmtitel andeutet: «Au cul du loup» bedeutet sinngemäß «Wo der Hund begraben liegt». Der Weiler selbst hat zwölf Einwohner, von denen die Mehrzahl nur im Sommer da ist – die Winter sind recht unwirtlich.

 

Das Haus entpuppt sich als Bruchbude, die eine Rundum-Renovierung nötig hat. Doch nette Nachbarn helfen Christine, sich zurecht zu finden. Und der junge Schäfer Pascal (François Vincentelli), der Agrar-Ökonomie studiert, liebäugelt mit der patenten Zugezogenen: Mit ihr könnte man Pferde stehlen, obwohl es ihr anfangs schwer fällt, Zicklein einzufangen.

 

Sehnsuchts-Ort und entlegene Exklave

 

Regisseur Pierre Duculot erzählt seine Zurück-zur-Natur-Geschichte linear und schnörkellos: So sehr sein Film in den landschaftlichen Schönheiten des bergigen Insel-Inneren schwelgt, so wenig verhehlt er, wie karg und mühsam das Leben im Dorf ist. Hier haben die Leute keinen Sinn für Natur-Schwärmerei. Sie leben unter einem Dach mit Schafen und Ziegen – als Nutztieren, die Milch und Fleisch liefern.

 

Korsika ist für Franzosen teils pittoresker Sehnsuchts-Ort für unbeschwerten Urlaub, teils entlegene Exklave, dessen 300.000 Bewohner ihnen etwas suspekt sind. Die Insulaner sprechen einen halbitalienischen Dialekt und pflegen archaische Bräuche wie polyphonen Männer-Gesang oder Blut-Rache.

 

Baden im Bergbach

 

Zudem frönen manche Korsen trotz Privilegien wie niedriger Steuer-Sätze einem rabiaten Separatismus: Noch vor wenigen Jahren kamen öfter Bomben- und Brand-Anschläge vor, um Paris mehr Autonomie-Rechte abzupressen.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Lobes-Hymne auf den italienischen Film „Vier Leben“ von Michelangelo Frammartino über ein Dorf in Kalabrien.

Davon weiß die Belgierin Christine wenig. Stattdessen entdeckt sie ihre korsischen Wurzeln: Ihre auf der Insel geborene Großmutter wanderte einst nach Italien aus. Und die Freuden einer naturnahen Daseins: mit Wanderungen durch den üppig grünen maquis, Baden im Bergbach und Brotzeit mit selbst gemachtem Käse und Wein.

 

Schäfer-Idylle mit Wermuts-Tropfen

 

Eine Lebensweise, die für Europas Generation Jugend-Arbeitslosigkeit durchaus ihre Vorzüge hat: Warum in ungeliebten McJobs ausharren, wenn man in entvölkerten Landstrichen mit Eigen-Initiative und Angeboten für Touristen ein passables Auskommen finden kann?

 

Dass Duculot seine Schäfer-Idylle mit ein paar Schicksals-Schlägen – Pascal hat eine andere, Papa erleidet einen Schlaganfall – als Wermuts-Tropfen würzt, wirkt zwar etwas willkürlich. Doch seine unsentimentale Schilderung des Landlebens verliert dadurch nicht an Reiz: Ein gelungenes feelgood movie für Naturfreunde.


Diesen Artikel drucken