Frédéric Beigbeder

Das verflixte 3. Jahr

Fun in den Flitter-Wochen: Marc (Gaspard Proust) und Alice (Louise Bourgoin) haben zusammen eine Menge Spaß. Foto: Magali Bragard © 2012 Prokino Filmverleih

(Kinostart: 19.7.) Der französische Skandal-Autor verfilmt seinen eigenen Roman – samt billigen Gags und Zoten en gros. Damit profiliert sich Frédéric Beigbeder als französisches Pendant zu Tommy Jaud oder Mario Barth.

Frédéric Beigbeder ist die Skandal-Nudel des französischen Literatur-Betriebs – quasi eine männliche Charlotte Roche mit mehr Drang zum Rampenlicht. Wie Roche schreibt er fast nur über sich selbst; allerdings mit geringerer Neigung, eigene Körper-Flüssigkeiten und –Ausscheidungen detailliert auszubreiten.

 

Info

Das verflixte 3. Jahr

 

Regie: Frédéric Beigbeder, 100 min., Frankreich 2012;
mit: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Valérie Lemercier

 

Website zum Film

Stattdessen macht der frühere Werbe-Texter ständig Reklame für sich selber: seine Vorlieben, Befindlichkeiten und Neurosen, die er als exemplarisch für kultiviert abgeklärte Großstadt-Gewächse hinstellt. Wie in «Das verflixte 3. Jahr»: Den traurigen Umstand, dass er es mit keiner Frau länger als drei Jahre aushält, stilisiert er zur epochalen Einsicht über das flüchtige Wesen der Liebe hoch.

 

Liebesleben mit Gimmicks

 

Nun auch auf der Leinwand: Beigbeder hat seinen Roman selbst verfilmt. Ihn «autobiographisch gefärbt» zu nennen, wäre eine krasse Untertreibung: Wir sehen eine kaum verfremdete Episode aus dem wechselhaften Liebesleben des Frédéric Beigbeder, mit ein paar Gimmicks und Konventionen des Genres «romantische Komödie» aufgehübscht.


Offizieller Film-Trailer


 

Drinks von Mund zu Mund weiterreichen

 

Sein alter ego Marc Maronnier (Gaspard Proust) ist tagsüber Literatur-Kritiker und nachts Szene-Kolumnist: Dann lungert er in dekadenten Clubs herum, wo exotische Schönheiten sich hochprozentige Drinks durch Mund-zu-Mund-Beatmung weiterreichen. Die Ehe mit Anne ging nach drei Jahren in die Brüche; warum, ist einerlei.

 

Sie dient Maronnier/Beigbeder nur dazu, seine mit sarkastischen Aphorismen gespickte Petitesse über die begrenzte Halbwertzeit der Liebe zu verfassen. Das Manuskript wird natürlich von renommierten Verlagen abgelehnt, bis die zynische Verlegerin Francesca Vernesi (Valérie Lemercier) es druckt – worauf es natürlich zum Überraschungs-Erfolg der Saison wird.

 

Macho-Schwuler heiratet Surf-Lehrer

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier ein Interview mit Frédéric Beigbeder

 

und hier eine Besprechung des Melodrams „W.E.“ von Madonna über die Liebe zwischen Edward VIII. + Wallis Simpson

 

und hier eine Lob-Rede auf das Beziehungs-Drama „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ von Christoph Stark über den Dichter Georg Trakl + seine Schwester Gretl

 

und hier eine Hymne auf die Mehrgenerationen-Tragikomödie „Die Liebenden – von der Last, glücklich zu sein“ von Christophe Honoré mit Catherine Deneuve + Chiara Mastroianni.

Was den Helden in die Bredouille bringt: Auf der Beerdigung seiner Großmutter ist er der hinreißenden Fotografin Alice (Louise Bourgoin) verfallen. Dummerweise hat sie Geschmack und verachtet sein Machwerk, das die Bestseller-Listen anführt. Weswegen er seine Autorschaft verleugnet – bis er einen Literatur-Preis erhält und vor die Kameras gezerrt wird. Und das Herz von Alice zurück gewinnt, indem er ihr im TV-Studio vor Millionen-Publikum seine verzehrende Liebe erklärt.

 

Eine romantische Komödie schlichtesten Strickmusters – zur Abwechslung einmal nicht im US-College- oder –Hausfrauen-Milieu, sondern vom Jahrmarkt der Eitelkeiten des Pariser Literaturbetriebs. Mit all den Anzüglichkeiten, die heutzutage dieses Genre aufpeppen: Unterleibs-Witze en gros, Besuche im Sex-Shop zum Ausprobieren diverser Spielzeuge – und der rüdeste Macho, der nonstop Frauen vernascht, entpuppt sich als verkappter Schwuler, der seinen Surf-Lehrer heiratet.

 

Nabelschau als Selbstverleugnung serviert

 

Was diesen seichten Cocktail im Abgang übel aufstoßen lässt, ist der dialektische Narzissmus des Autoren-Filmers Beigbeder: Seine unablässige Nabelschau serviert er als Selbstverleugnung um seiner großen Liebe willen – als wolle er seinen egomanen Westentaschen-Zynismus Lügen strafen. Dabei ist die Beziehung mit Alice natürlich längst passé.


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