Steven Soderbergh

Magic Mike

"You can leave your tie on…": Tito (Adam Rodriguez), Tarzan (Kevin Nash), Mike (Channing Tatum) und Ken (Matt Bomer, v.li.) auf der Bühne. Foto: Claudette Barius, © 2012 Concorde

(Kinostart: 16.8.) Sixpacks, Bizeps und pumpende Becken: Der neue Film von Regisseur Steven Soderbergh ist ein Augenschmaus für Liebhaber muskulöser Männer-Körper. Mehr aber auch nicht – zu wenig Stoff für einen Spielfilm.

Kurz nach der Sommer-Olympiade ist der Bedarf am Anblick wohlproportionierter, maskulin muskulöser Oberkörper relativ gut gedeckt. Für den Kassenerfolg von Steven Soderberghs erstem Männerstrip-Film wäre es sicher günstiger gewesen, den Kinostart-Termin in den Herbst hinein zu verschieben.

 

Info

Magic Mike

 

Regie: Steven Soderbergh, 110 min., USA 2012;
mit: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Cody Horn

 

Website zum Film

So lohnt sich der Eintrittspreis vor allem für diejenigen, die schon immer einmal in einen Männer-Stripclub gehen wollten, sich aber bisher nicht getraut haben: Kino kostet weniger. Doch es ist schade, dass dem vielseitigen Erfolgs-Regisseur zu seinem aparten Thema kaum mehr einfällt, als diverse Männerstrip-Nummern in perfekter Choreographie abzufilmen.

 

Reichlich vorhersehbare Story

 

Das hat bei den ersten beiden Auftritten durchaus Unterhaltungswert, wird aber auf die Dauer langweilig. Auch das hinreißende Goldjungen-Lächeln von Channing Tatum alias Mike entschädigt nicht dafür, dass die Story um die Strip-Nummern herum reichlich vorhersehbar geraten ist.


Offizieller Film-Trailer


 

Lebens-Stil mit Sex und Drogen satt

 

Mike lernt auf einer Baustelle, auf der er tagsüber arbeitet, den jungen Adam (Alex Pettyfer) kennen. Der hat soeben das College abgebrochen und weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Mike nimmt Adam mit in den Strip-Club, in der er selbst abends der große Star ist, und der Neuling lernt schnell, wie der Hase läuft.

 

Während der 19-Jährige zunehmend Gefallen am Lebens-Stil mit Sex und Drogen satt findet, der ihm in den Schoß gefallen ist, verguckt sich Mike ganz keusch in Adams Schwester Brooke. Die toleriert widerstrebend das Treiben ihres jüngeren Bruders, betrachtet es aber zusehends mit Sorge und will von Mike natürlich ziemlich lange nichts wissen.

 

Keine wahre Liebe bei wahllosem Herumvögeln

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Lobes-Hymne auf den japanischen Erotik-PsychothrillerGuilty of Romance” von Sion Sono

 

und hier eine Kritik der slowenischen Fall-StudieCallgirl – Slovenian Girl“ von Damjan Kozole

 

und hier eine Besprechung des Katastrophen-Films „Contagion“ von Steven Soderbergh über eine weltweite Epidemie.

Zum Schluss gibt es noch die schöne Moral von der Geschicht’, dass sich wahre Liebe erst finden lässt, wenn man aufhört, sich ständig vor fremden Frauen auszuziehen und wahllos herumzuvögeln. Darauf muss man erst mal kommen.

 

Was um alles in der Welt hat einen Autoren-Filmer wie Steven Soderbergh an diesem simpel gestrickten Stoff gereizt? Es muss wohl die Gage gewesen sein. Allzu offensichtlich hat Soderbergh keinerlei Ehrgeiz, seinem schlichten Sujet tiefer reichende Bedeutungs-Ebenen abzugewinnen.

 

Treuherzig makellose Bilder

 

Schlimmer noch: In «Magic Mike» gibt es weder einen Hauch von Humor (wie in «Out of Sight») noch einen Anflug von Ironie (wie in «Ocean’s Eleven»), die aus überzüchteter Coolness gewonnen würde. Einzig Matthew McConaughey spielt als oberhengsthafter Club-Besitzer Dallas eine derart überzogene Rolle, dass er die extreme Künstlichkeit der übrigen Männer-Posen genüsslich ad absurdum führt. Der Rest ist treuherzig durchgefilmt – in makellos ästhetischen Bildern.


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