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In den Ruinen von Studio Babelsberg: Roman Polanski bei den Dreharbeiten zu "Der Pianist" (2002). Foto: © 2012 Eclipse / Studio Babelsberg

Roman Polanski: A Film Memoir


(Kinostart : 23.8.) Das Leben des polnischen Star-Regisseurs böte genug Stoff für viele Spielfilme: wenige Menschen haben solche Höhen und Tiefen erlebt. Diese Doku bleibt oberflächlich – über seine Arbeitsweise erfährt man nichts.


Was für ein Leben! Eine der Erinnerungen von Roman Polanski enthielte schon genug Stoff für einen Spielfilm. Doch die Summe seiner Erfahrungen ist eine geballte Ladung fesselnder Begebenheiten und Eindrücke – wenige Menschen haben so viele Höhen und Tiefen erlebt wie der Regisseur mit polnischem und französischem Pass.

 

Info

Roman Polanski:
A Film Memoir

 

Regie: Laurent Bouzerau, 90 min., Großbritannien 2011;
mit: Roman Polanski, Andrew Braunsberg

 

Weitere Informationen

Andrew Braunsberg, langjähriger Freund Polanskis und Produzent dreier seiner Filme, hat ihn 2009 in seinem Haus in Gstaad aufgesucht. Während der Regisseur unter Hausarrest stand und die Entscheidung über ein Auslieferungs-Gesuch der USA abwartete, ließ Braunsberg ihn über sein Leben erzählen.

 

Vor Kriegsbeginn nach Warschau

 

Polanski kam 1933 als Sohn polnischer Eltern in Paris zur Welt. Drei Jahre später kehrte die Familie zurück nach Krakau; wenige Tage vor Kriegsbeginn zog die Mutter mit Roman und seiner älteren Schwester nach Warschau. Dort erlebte der Sechsjährige die Besetzung Polens durch die Wehrmacht und anschließend als jüdisches Kind das Leben im Warschauer Ghetto.


Offizieller Film-Trailer


 

Flucht durch ein Loch im Ghetto-Zaun

 

Polanskis Mutter wird als erstes Familien-Mitglied deportiert und in Auschwitz ermordet. Später verschwinden auch seine Schwester und sein Vater. Der kleine Roman flieht durch ein Loch im Zaun des Ghettos und taucht bei einer befreundeten Familie unter, wo er den Krieg überlebt.

 

Die traumatischen Erinnerungen an diese Zeit schildert Polanski als wunderbarer Erzähler mit sehr visuellem Gedächtnis und ebenso bildreicher Sprache. 2002 verarbeitet er das Thema in «Der Pianist»; die eindrückliche Darstellung des Lebens im Ghetto wird mit einem Regie-Oscar prämiert.

 

Talent als Pfadfinder entdeckt

 

Den Krieg überleben auch Vater und Schwester; danach geht Polanski erstmals in die Schule. Als Pfadfinder entdeckt er sein schauspielerisches Talent, doch im kommunistischen Polen nimmt ihn keine Schauspiel-Schule an. Schließlich studiert er bis 1959 an der Filmhochschule in Lodz.

 

Bereits mit seinem Debüt-Film «Das Messer im Wasser» macht er 1962 international auf sich aufmerksam. Polanski geht nach Paris und London, wo er rasch hintereinander drei Filme dreht; die Dracula-Parodie «Tanz der Vampire» wird 1967 ein großer Erfolg.

 

Mord an der Ehefrau, Prozess wegen Vergewaltigung

 

Bei Dreharbeiten lernt er Sharon Tate kennen; als Paar wandern sie in die USA aus. Mit dem Psycho-Thriller «Rosemaries Baby» wird Polanski endgültig zum Regie-Star, doch 1969 erlebt er eine persönliche Katastrophe: Die hochschwangere Sharon Tate wird von einer Sekte um den Psychopathen Charles Manson brutal ermordet. Erstmals erfährt Polanski negativen Medien-Rummel: Die Presse verdächtigt ihn, mit Manson unter einer Decke zu stecken.

 

Mit «Chinatown» gelingt ihm 1974 ein weiteres, allseits bewundertes Meisterwerk. Doch drei Jahre später folgt der Absturz in Hollywood: Er wird verhaftet und der Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagt. Polanski flieht und muss künftig die USA meiden, bis er 2009 auf Grund dieser Vorwürfe in der Schweiz erneut verhaftet wird.

 

Sechs Filmpreise für «Der Ghostwriter»

 

Nach zehn Wochen Untersuchungshaft und mehreren Monaten Hausarrest entscheiden die Schweizer Behörden, ihn nicht auszuliefern. Polanski, der seit 1989 mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet ist, dreht weiter erfolgreiche Filme.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Kritik der Doku "Woody Allen: A Documentary" von Robert B. Weide

 

und hier eine Besprechung der Sitten-Komödie "Der Gott des Gemetzels" von Roman Polanski

 

und hier einen kultiversum-Beitrag über die Dreharbeiten auf Sylt zu "Der Ghostwriter" von Roman Polanski, 2010 mit drei Europäischen Filmpreisen prämiert.

Für den Polit-Thriller «Der Ghostwriter» erhält er 2010 drei Europäische Filmpreise, einen Silbernen Bären und zwei Césars. Die Sitten-Komödie «Der Gott des Gemetzels» nach dem Theaterstück von Yasmina Reza wird 2011 ein Kassenschlager.

 

Zu eng verbundene Interview-Partner

 

Alle Stationen seiner Karriere kommen in «A Film Memoir» zur Sprache – aber nur kurz. Die Doku ist sehr persönlich gehalten; man merkt ihr die enge Verbundenheit zwischen dem Regisseur und seinem Gesprächspartner an. Was sich nachteilig auswirkt: Etliche Fragen werden recht oberflächlich abgehandelt

 

Dabei erfährt man wenig Neues über Polanski, der zwar offen über seine Kindheit, aber über andere Themen nur sehr ungern spricht. Auch die Arbeitsweise des Filmemachers Polanski kommt eindeutig zu kurz.

 

Dabei ist Regisseur Laurent Bouzerau für viele Making-ofs über die Entstehung großer Kinofilme bekannt – da würde man mehr erwarten. So bleibt es bei einem Potpourri von privaten Erinnerungen an ein Leben voller Tragik, großen Erfolgen und herben Rückschlägen.



Von Lydia Starkulla, veröffentlicht am 23.08.2012





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