Woody Allen

To Rome with Love

Wie Michelangelo auf dem Rücken sein Geld verdienen: Penélope Cruz (Call-Girl Anna) schockiert die Verwandten von Alessandro Tiberi (Antonio). Foto: Tobis Film

(Kinostart: 30.8.) Woody Allen klappert weiter europäische Kultur-Metropolen ab: In Rom inszeniert er vier Liebes-Geschichten. Die unverbundenen Episoden benutzt er als Anlass für pittoreske Postkarten-Ansichten voller Klischees.

Nach Barcelona, London und Paris setzt Woody Allen seine Rundreise durch europäische Metropolen in Rom fort. In der ewigen Stadt inszeniert er vier Episoden: Mit etwas Wohlwollen kann man sie als vier Liebes-Geschichten betrachten.

 

Info

To Rome with Love

 

Regie: Woody Allen, 110 min., USA 2012;
mit: Penélope Cruz, Roberto Benigni, Alec Baldwin

 

Website zum Film

Der junge Architekturstudent Jack (Jesse Eisenberg) verliebt sich in Monica, die kapriziöse Freundin seiner Lebensgefährtin Sally. Ein Bestatter darf seine Liebe zur Musik auf großer Bühne ausleben. Ein Bankangestellter (Roberto Benigni) entdeckt seine Eigenliebe, und das miteinander verlobte Pärchen Antonio und Milly geht fremd.

 

Erstmals seit 2006 spielt Allen mit

 

Schnelle Szenen-Wechsel legen eine enge Verquickung der Episoden nahe, doch das erweist sich als falsch. Die Protagonisten laufen sich nicht einmal über den Weg. Dafür steht erstmals seit 2006 Woody Allen wieder selber vor der Kamera.


Offizieller Film-Trailer


 

Call-Girl Penélope Cruz als Verlobte

 

Als erfolgloser Opern-Regisseur Jerry besucht er seine Tochter, die mit einem linken Anwalt liiert ist. Dessen Vater ist Bestatter – und für Jerry ein begnadeter Freizeit-Tenor, der seine Arien allerdings nur unter der Dusche singt. Nun will ihn der Opern-Opa groß herausbringen.

 

Die geplante Heirat von Antonio und Milly steht dagegen unter einem schlechten Stern. Antonio soll eigentlich in die gute Gesellschaft eingeführt werden, bekommt aber unerwarteten Besuch von Call-Girl Anna (Penélope Cruz): Die gibt er gegenüber seinen Verwandten als seine Verlobte aus – während Milly einem Casanova in die Hände fällt.

 

Grundloser Ruhm für Langweiler

 

Ihren Freund droht auch Sally zu verlieren, als ihre kokette Freundin Monica sie besucht: Jack ist für sie sofort Feuer und Flamme. Allerdings warnt ihn der alternde Star-Architekt John (Alec Baldwin), der als eine Art allgegenwärtiges Über-Ich von Jack fungiert – vergeblich.

 

Ohne neuen Partner kommt der langweilige Bank-Angestellte Leopoldo aus: Er wird plötzlich grundlos berühmt – und niemand weiß, warum. Dennoch genießt er seine Prominenz, bis ihm die Nachstellungen der Paparazzi auf den Wecker gehen: offenbar eine Parodie auf den Star-Rummel in italienischen Medien.

 

Protagonisten ähneln Karikaturen

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier einen Beitrag über die Doku „Woody Allen: A Documentary“ von Robert B. Weide

 

und hier eine Besprechung des Films „Midnight in Paris“ von Woody Allen

Die unverbundenen Episoden lassen dem hochkarätigen Ensemble von Stars kaum Zeit, ihre Rollen auszuschöpfen – sie ähneln eher Karikaturen. Stattdessen rückt Allen ausgiebig die Stadt-Landschaft und Bau-Denkmäler von Rom ins Bild: eine Ansammlung pittoresker Postkarten-Ansichten wie für die Fremdenverkehrs-Werbung. Ähnlich unoriginell sind die übrigen Zutaten zu seinem 42. Spielfilm.

 

Kaum ein Klischee wird ausgelassen, das über Italien allgemein und Rom im Besonderen kursiert. Worauf die Handlungs-Stränge zugeschnitten sind – das macht etliche Gags arg vorhersehbar. Mangelnde Binnen-Logik der Episoden sollen allerlei Verwirrungen ausgleichen; die ergeben aber kaum Sinn.

 

Besser selbst nach Rom fliegen

 

Also ein Film für Woody-Allen-Fans und Italien-Liebhaber: Wem beim Anblick von Kolosseum, der Spanischen Treppe und schönen Trattorias warm ums Herz wird, der ist hier richtig. Alle anderen buchen besser selbst einen Flug nach Rom-Fiumicino.


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