F. Wright + Zouhali-Worrall

Call Me Kuchu

Der ermordete Schwulen-Aktivist David Kato. Foto: Katherine Fairfax Wright

(Kinostart: 20.9.) Homosexualität ist in Uganda strafbar – zudem droht Schwulen und Lesben Lynchjustiz. Die Doku über den Aktivisten David Kato zeigt den Kampf um Gleichberechtigung und sein tragisches Ende.

In Uganda ist Homosexualität strafbar. Seit einigen Jahren debattiert das Parlament über einen Gesetzes-Entwurf, der alle Bürger des Landes verpflichten soll, Homosexuelle anzuzeigen, wollen sie selbst einer Strafe entgehen. In «schweren Fällen» wird sogar mit der Todesstrafe gedroht. 

 

Info

Call Me Kuchu

 

Regie: Katherine Fairfax Wright + Malika Zouhali-Worrall, 90 Min., USA/Uganda 2012;
mit: David Kato

 

Webseite zum Film

Darüber hinaus existiert eine gnadenlose Hetzkampagne der Medien. 2010 veröffentlichte eine ugandische Zeitung Fotos, Adressen und Namen von Schwulen und Lesben – zusammen mit der Aufforderung «Hang them!». Religiös-fanatische Prediger sorgen zudem dafür, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Homosexualität für falsch und gefährlich hält.

 

Gerüchte über Schwule, die unschuldige Kinder für Homosexualität «rekrutieren», schüren die Ängste der Menschen. Homosexualität gilt als eine ansteckende Epidemie, repräsentiert schlechthin das Böse in der Welt.


Offizieller Film-Trailer


 

Kuchus zeigen Gesicht

 

Nur die Kuchus – so nennen sich die Mitglieder der ugandischen LGBT(Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender)-Community selbst – versuchen gegen dieses Geflecht aus Hass und Unwissenheit vorzugehen; sie wehren sich gegen Ausgrenzung und Gewalt. 

 

Die Regisseurinnen Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall kommen ihren Protagonisten dabei sehr nahe. Sie zeigen starke Persönlichkeiten, die mit viel Herzenswärme und Mut ein Vorbild für andere Menschen sind und sich auch gegen eine Übermacht von Vorurteilen trauen, zu ihren Gefühlen und Überzeugungen zu stehen.

 

Bild einer zerrissenen Gesellschaft

 

Die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der die Kuchus ihre Erlebnisse, Ängste, Hoffnungen und Freuden erzählen, ist sehr berührend und beeindruckend. Doch der Film nimmt den Zuschauer nicht nur mit in Gerichtssäle und zur Beerdigung von David Kato, der als erster Mann in Uganda offen homosexuell lebte; er lässt auch die andere Seite zu Wort kommen und vermittelt so ein komplexes Bild einer zerrissenen Gesellschaft. 

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Mehr zum Film bei Dokumentarfilm-Teddy 2012

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Doku „Knistern der Zeit“ über Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso

 

und hier einen Beitrag über „Viva Riva! – zu viel ist nie genug“ von Djo Tunda wa Munga, den ersten Spielfilm aus der DRC Kongo.

Vor allem aber erzählt «Call Me Kuchu» vom Glück, das durch selbst bestimmtes Leben entsteht, von Freude und Zusammenhalt einer Gemeinschaft und der Stärke, die aus dieser Verbundenheit resultiert. Eine Stärke, mit der diese engagierten Menschen für Gerechtigkeit und das Wohl von Anderen kämpfen, auch wenn es das eigene Leben in Gefahr bringt. 

 

Kato während Dreharbeiten ermordet

 

«Wenn wir uns weiterhin verstecken, werden sie behaupten, wir wären nicht da», lautet das Motto des charismatischen Protagonisten Kato. Noch während der Dreharbeiten wurde er brutal ermordet. Der Schwulen-Aktivist kämpfte unerschrocken und mit viel Leidenschaft jahrelang für ein selbstbestimmtes, freies Leben und ein Ende der Hetz- und Hasskampagnen gegen Schwule und Lesben in Uganda. 

 

Ein wichtiger Film für alle, die daran erinnert werden wollen und müssen, dass einzelne Menschen die Welt verändern können. «Call Me Kuchu» wurde auf der 62. Berlinale 2012 mit dem entwicklungspolitischen Filmpreis ‚Cinema fairbindet‘ sowie dem Dokumentarfilm-Teddy ausgezeichnet.


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