Jan Haft

Das grüne Wunder – Unser Wald

Ansehen erlaubt, essen wäre tödlich: Regisseur Jan Haft filmt Fliegen-Pilze beim Wachsen. Foto: Polyband Medien

(Kinostart: 13.9.) Sechs Jahre Drehzeit für 93 Minuten Kino: Naturfilmer Jan Haft betreibt enormen Aufwand für seine Doku über den deutschen Wald. Auf wunderbaren Aufnahmen lastet aber übertriebenes Pathos von Kommentar und Musik.

Eine Expedition in das unbekannte Universum am Stadtrand: Mit seinem Film über den heimischen Wald bietet Jan Haft, der schon zahlreiche Natur-Dokus gedreht hat, bislang unbekannte Einblicke in das geheimnisvolle und kuriose Leben unter grünen Blättern.

 

Info

Das grüne Wunder –
Unser Wald

 

Regie: Jan Haft, 93 min., Deutschland 2012;
mit: Benno Fürmann

 

Website zum Film

Man sieht, wie Hirschkäfer kämpfen oder eine Hummel eine Maus aus ihrer Höhle vertreibt, um ihr eigenes Volk dort anzusiedeln. Der Zuschauer verfolgt Vögel, Pflanzen, Insekten und vertraute Tiere wie Füchse, Wildschweine und Hirsche im Lauf der Jahreszeiten.

 

Schnorchel- + Endoskop-Optiken

 

Um den Kreislauf des Lebens unter Baumkronen auf die Leinwand zu bringen, nutzt Haft extreme Zeitraffer- und Zeitlupen-Aufnahmen. Dafür setzt er modernste Kamera-Technik ein, etwa Schnorchel- und Endoskop-Optiken. Das Team baute eigene Kamera-Schlitten, -Seilbahnen und absolvierte 15 Flugstunden in einem Heißluft-Ballon: Ein Hubschrauber hätte zuviel Laub aufgewirbelt.


Offizieller Film-Trailer


 

Bilder sprechen für sich

 

Noch beeindruckender als der technische Aufwand ist die Geduld der Filmemacher: In sechs Jahren nahmen sie an 600 Drehtagen 250 Stunden Material auf. Regisseur Haft und sein Kameramann Kay Ziesenhenne verbrachten mehr als 100 Nächte im Tarnzelt und filmten an 70 Orten in Deutschland, Österreich und Dänemark.

 

Dabei fingen sie seltene Schwarz-Störche in ihrem Horst ein, von Blättern stürzende Ameisen und Insekten, die von Harz-Tropfen für alle Zeiten eingeschlossen werden: Die faszinierenden und wundersamen Bilder sprechen eigentlich für sich und lassen staunen.

 

Kommentar voller Plattitüden

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Dokumentation „Samsara“ von Ron Fricke über Natur-Schönheiten + ihre Zerstörung

 

und hier einen Beitrag über den Film „Das Haus auf Korsika“ von Pierre Duculot über naturnahes Leben am Mittelmeer

 

und hier eine Rezension der Doku „Sushi – The Global Catch“ von Mark S. Hall über die Überfischung der Weltmeere.

Doch Haft scheint der Kraft seiner Bilder nicht zu vertrauen. Ein plakativer und reißerischer Kommentar, den Schauspieler Benno Fürmann pathetisch vorträgt, liefert weniger Informationen als vielmehr Stimmung machende Plattitüden. Da ist die Rede von Herrschaft, Regimentern, gewalttätigen Kämpfen, Katastrophen und Verzweiflung, um den Zyklus von Leben und Sterben, von Wachstum und Erneuerung zu beschreiben.

 

Dass so viele vermenschlichende Begriffe verwendet werden, verwundert: Sowohl Regisseur Haft als auch Produzent Jörn Röver, der die Texte verantwortet, haben Biologie studiert. Eigentlich wollen sie mit ihren Natur-Filmen dazu beitragen, Flora und Fauna besser verständlich zu machen.

 

Heutiger Wald ist zu dicht

 

Erst im letzten Teil des Filmes lernt man wirklich etwas, weil der Kommentar erklärende Erläuterungen liefert. Nun erfahren wir, dass der heutige Wald zu dicht bepflanzt und bewachsen ist, weil er vom Menschen vor allem als Nutzfläche und Jagdgrund gesehen wird.

 

Dabei geht die Botschaft des Films fast unter: Er plädiert für Naturschutzgebiete, in dem große Pflanzen und Fleisch fressende Tiere die strukturelle Vielfalt aus Baum- und Strauch-Gruppen erhalten, so dass ein natürlicher, offener Wald entsteht. Damit wir den Wald vor lauter Bäumen wieder sehen können – in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt.


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