Tim Burton

Abraham Lincoln Vampirjäger

Abraham Lincoln (Benjamin Walker). Foto: © 2012 Twentieth Century Fox

(Kinostart: 3.10.) Der bedeutendste US-Präsident als Schlächter von Blutsaugern: Was wie ein schlechter Scherz klingt, macht der russische Star-Regisseur Timur Bekmambetov zur annehmbaren Geschichts-Lektion – produziert von Tim Burton.

Der Titel sagt eigentlich schon alles: Abraham Lincoln jagt Vampire. Der wohl bedeutendste Präsident der Vereinigten Staaten, der den Bürgerkrieg gewann und die Sklaverei abschaffte, im Fantasie-Reich von Dracula und Konsorten – eine absurdere Kombination erscheint kaum vorstellbar.

 

Info

Abraham Lincoln Vampirjäger

 

Regie: Timur Bekmambetov, 110 min., USA 2012;
mit:  Benjamin Walker, Rufus Sewell, Mary Elizabeth Winstead

 

Website zum Film

Zumal Drehbuch-Autor Seth Grahame-Smith, der auch die Roman-Vorlage lieferte, in seinen Horror-Schmökern bedenkenlos Weltliteratur umschreibt: Er hat «Stolz und Vorurteil» von Jane Austen mit Zombies bevölkert. Solche Mixturen aus historischen Themen und Trash werden «Mash ups» genannt; damit will die Film-Industrie, der allmählich die Ideen ausgehen, ein profitables neues Genre etablieren.

 

Blockbuster mit eigener Handschrift

 

Doch der Film ist mehr als gruseliges Popcorn-Kino bar jeder Plausibilität. Dafür sorgt die Zusammenarbeit von zwei Mainstream-Größen, die Blockbuster mit eigener Handschrift drehen. Produzent Tim Burton steht für originelle Ausstattungs-Orgien; sein Einfalls-Reichtum mag schwinden, doch Produktionen wie «Alice im Wunderland» heben sich immer noch von geläufiger Dutzendware ab.


Offizieller Filmtrailer


 

Erste Film-Hälfte schwelgt in Klischees

 

Eine vergleichbare Ausnahme-Stellung wie Burton in Hollywood hat Regisseur Timur Bekmambetov im postsowjetischen Kino: Seine Blutsauger-Thriller «Wächter der Nacht» (2004) und «Wächter des Tages» (2006) zählen zu den erfolgreichsten russischen Filmen aller Zeiten. Weil sie nicht nur übliche Versatzstücke aneinander reihten: Mit Anspielungen auf Aktuelles brachten sie das postsowjetische Lebensgefühl diffuser Bedrohung kongenial auf die Leinwand.

 

Diese Rückbindung an die Realität gelingt Bekmambetov auch hier. Worauf man allerdings eine Stunde warten muss: In der ersten Hälfte über Lincolns Jugend schwelgt der Film in geläufigen Klischees. Mamas früher Tod durch Vampir-Biss lässt den jungen Abi (Benjamin Walker) zum passionierten Jäger der Untoten werden.

 

Lasziver Lara-Croft-Look 

 

Natürlich weiß die übrige Welt nichts davon oder glaubt ihm nicht, wie seine ahnungslose Gattin Mary (Mary Elisabeth Winstead). Natürlich versucht Ober-Vampir Adam (Rufus Sewell) vergeblich, Lincoln auf seine Seite zu ziehen.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Juan Of The Dead„, eine Zombiefilm-Parodie von Alejandro Brugués

 

und hier einen Beitrag über den Film  „Iron Sky„, Science-Fiction-Komödie von Timo Vuorensola mit Udo Kier

 

und hier eine Kritik des Films „Mad Circus – Eine Balade von Liebe und Tod“ von Alex de la Iglesia: Überdrehter Psycho-Horror zur Geschichte Spaniens.

Natürlich darf die erotische Komponente des Vampir-Mythos nicht fehlen: Adams Assistentin Vadoma (Erin Wasson) reizt ihn im lasziven Lara-Croft-Look aus. Natürlich ufern die Kampf-Szenen in Metzeleien mit Spezial-Effekten an der Grenze des Erträglichen aus.

 

Sklavenhalter als Blutsauger 

 

Das ändert sich aber, sobald Lincoln ins Weiße Haus einzieht. Von nun an hält sich der Film weitgehend an die historischen Tatsachen – wobei die Blutsauger als Plantagen-Besitzer und Sklavenhalter der Südstaaten auftreten. Akzeptiert man die etwas krude Metaphorik dieses Rollentauschs, bekommt man eine passable Geschichts-Lektion über den Bürgerkrieg in Amerika geboten.

 

Dessen Verlauf ist hierzulande kaum bekannt – ebenso wenig Lincolns berühmte «Gettysburg Address» nach der entscheidenden Schlacht. In den Vereinigten Staaten gilt sie als Musterbeispiel politischer Rhetorik; Teile daraus kann jedes Schulkind rezitieren.

 

Über dieses Porträt ihres National- als Comic-Superhelden rümpften US-Kritiker mehrheitlich die Nase; man mag sich Konrad Adenauer auch ungern als Zombie-Killer vorstellen. Hiesige Fantasy-Fans, die historische Sachbücher sonst scheuen wie der Teufel das Weihwasser, dürfte «Abraham Lincoln Vampirjäger» jedoch unterhaltsam weiterbilden.


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